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Liebe Besucherinnen und Besucher,

ab Dienstag, 25. Mai 2021 ist im Lesesaal in Detmold der eingeschränkte Benutzerbetrieb zu den nachstehenden Konditionen wieder möglich.

Um die vorgegebenen Abstandsregelungen zwischen Personen auch im Lesesaal einzuhalten, müssen sich alle Benutzer*innen mindestens zwei Tage vor dem geplanten Besuch per E-Mail voranmelden. Die Plätze in den Lesesälen sind begrenzt. Die schriftliche Anmeldung ist zwingend erforderlich. Sie erhalten eine Bestätigung Ihrer Anmeldung, die Sie bei Ihrem Besuch vorlegen müssen. Ohne Anmeldungsbestätigung kann kein Besuch im Lesesaal stattfinden.

Wir bitten um Verständnis, dass es unter diesen Bedingungen zu zeitlichen Verschiebungen der gewünschten Arbeitstage kommen kann.
Voranmeldungen sind an folgende Mailadressen zu richten: owl@lav.nrw.de

Ihre Anfrage können Sie uns auch weiterhin per E-Mail zukommen lassen: baerbel.sunderbrinklav.nrw.LOESCHE_DIES.de

  

Ihr Team vom 

Stadtarchiv Detmold

 

 

 

Detmolder Notfallverbund gut aufgestellt

 

Der Detmolder Notfallverbund, ein Zusammenschluss von den Detmolder Einrichtungen, die wertvolles Bibliotheks-, Archiv- und Sammlungsgut verwahren, verfügt über eine eigene Notfallausrüstung. Sie wird in acht Containern auf dem Baubetriebshof der Stadt Detmold verwahrt.

Dr. Christine Rühling (Lippisches Landesmuseum), Katja Wiebe (Archiv der Lippischen Landeskirche) und Dr. Bärbel Sunderbrink (Stadtarchiv Detmold) haben die Rollcontainer einer Revision unterzogen und fehlendes Material nachgefüllt. Die Container stehen nun wieder für die Mitglieder des Notfallverbundes bereit.

In einem Notfall, etwa bei einem Wasserschaden, würden sie von der Feuerwehr zur Einsatzstelle gebracht. Eine regelmäßige Kontrolle der Container ist den Mitgliedern des Notfallverbundes wichtig. Im Schadensfall muss ein Einsatz vor Ort schnell vorbereitet werden können.  

 

 

 

Neue Ausgabe vom "Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte“

Im Juli 2021 ist die Nr. 25 der online-Zeitschrift „Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte“ erschienen (www.rosenland-lippe.de). Zwei Beiträge greifen die Wirkungen von Kriegen auf.

Andreas Ruppert begleitet August Otto aus Hedderhagen auf seinem Weg im deutsch-französischen Krieg von 1870/71, der vor 150 Jahren mit der Rückkehr auf den elterlichen Hof endete.

Joachim Kleinmanns beschreibt die Kriegsschäden, die Luftangriffe auf Detmold im Zweiten Weltkrieg angerichtet hatten.

Jürgen Scheffler erinnert mit dem aus Lemgo stammenden Volkhard Brandes an einen Mann, der sich zeitlebens um ein anderes Leben und eine andere Politik bemüht und gezeigt hat, dass beide möglich sind.

Jürgen Hartmann analysiert am Beispiel der Bezirksstelle Westfalen in Bielefeld, wie die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland von den NS-Machthabern für den Ablauf ihrer Vernichtungspolitik eingespannt wurde.

Mehrere Buchbesprechungen runden die „Jubiläumsausgabe“ ab.

Zur PDF-Ausgabe: "Rosenland Nr. 25"

 

 

 

Einweihung des Erinnerungsorts zum Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung am 19.6.2021

Einweihung der Gedenkstele in der Anna-Maria Tintelnot-Twete.
Foto: Thomas Krügler

von Dr. Bärbel Sunderbrink

Die Stadt Detmold hat einen neuen Erinnerungsort! In der Anna-Maria Tintelnot-Twete ist durch die Initiative Detmolder Bürgerinnen und Bürger ein Ort entstanden, der an Verfolgung und gewaltsamen Tod von Menschen erinnert, die der Hexerei verdächtigt wurden. Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Verwandte, manchmal sogar die eigenen Eltern fielen der Denunziation anheim, gerieten in die Mühlen der Justiz und überlebten dies häufig nicht.

Was geschah, liegt fern unserer heutigen Vorstellungswelt – und doch ist es den Mitglieder des Arbeitskreises Hexenverfolgung im Heimatbund Lippe ein wichtiges Anliegen, an dieses Schicksal zu erinnern. Die Frage, wie ein Erinnerungsort gestaltet wird, ist immer mit Diskussionen verbunden: Sollen die Opfer im Vordergrund stehen, geht es vor allem um eine Botschaft an die Gegenwärtigen und die zukünftigen Generationen? Im Denkmalkonzept, das nun verwirklicht wurde, ist beides verbunden. Der erste und nach den Erfahrungen der NS-Zeit wichtigste Paragraphe des Grundgesetzes ist in den Mittelpunkt gestellt: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Die Würde jedes einzelnen!

Und auf diese einzelnen verweist der Text im unteren Teil der Gedenkstele. Er benennt Gruppen von Verfolgten und Umgekommenen. Aber wie kann man sich jenen fernen Opferschicksalen heute überhaupt noch nähern? Wie kann man sie sichtbar und begreifbar machen? Die Quellenlage ist schwierig. Es gibt keine Tagebücher, Biografien von Angehörigen oder auch nur Briefe der betroffenen Frauen, Männer und Kinder. Das einzige, was das Schicksal jener Menschen dokumentiert, sind Gerichtsakten. Also jene Akten, die von den Peinigern verfasst wurden.

Die Situation in Detmold ist komplex. Wo geurteilt wurde, war abhängig davon, wo das landesherrliche Kriminalgericht tagte. Hingerichtet wurden Detmolder nachweislich nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in Horn. Der erste Hinweis auf Ermittlungen gegen eine Frau aus dem heutigen Detmolder Stadtgebiet, Frau Steins vermutlich aus Hornoldendorf, ist für 1583 zu finden. Welches Schicksal sie erlitten hat, wissen wir nicht. Auf der Denkmalstafel werden fünf Personen stellvertretend genannt, deren Schicksal man etwas besser aus den Akten fassen kann:

Belegt sind für Detmold mindestens 31 Menschen, die verfolgt wurden, vermutlich 19 sind hingerichtet worden, eine Person verübte Selbstmord. Zwei der Opfer sind Anna Maria Titelnot und Johann Mauritz: Johann Mauritz wurde in Detmold 1661 lebendig verbrannt. Anna Maria Titelnot hingegen gelang es, die Stadt zu verlassen. Die Prozessunterlagen belegen einen langen Verfolgungsweg. Das Leben der Bäckersfrau und ihrer Familie war trotz Überlebens zerstört.

Belegt für die eingemeindeten Ortschaften sind 24 Verdachtsfälle, acht Personen wurden hingerichtet, eine fast 100-Jährige starb im Gefängnis. Stellvertretend für die Landgemeinden werden genannt: Anna Plogstert, die Ehefrau eines Dietrich Tegeler aus Mosebeck, hingerichtet 1659 und zwei Jahre später Johann Kaup gen. Jürgens aus Orbke. Der Mann war alt, wie aus seinem Namenszusatz ersichtlich ist.

Besonders berührend ist das Schicksal von 50 Mädchen und Jungen aus ganz Lippe, die als Hexenkinder oder auch „Zauberkinder“ gefangen gehalten wurden. Für sie steht Hans Hermann Bracht aus Diestelbruch. Er wurde im Alter von 10 Jahren angeklagt, viel später dann wurde er enthauptet und verbrannt. Diese letzte Hinrichtung fand im Jahre 1676 statt und damit fast 100 Jahre nach den ersten Verfolgungen.

In Detmold genießt die Erinnerungskultur eine hohe Wertschätzung. Gedenkorte, die wahrgenommen werden, dienen nicht nur der Erinnerung, sie werden zu Reibungspunkten und Diskussionsobjekten um die Bedeutung der Vergangenheit für unsere Gegenwart und Zukunft. Dieses Denkmal, das an die Verfolgung von Menschen in der Frühen Neuzeit erinnert, wird diese Gedenkkultur bereichern.

 

 

Zum Gedenken eines Überlebenden aus Detmold

Fritz Herzberg, 1938 (Foto: Sammlung Joanne Herzberg)

Fred Herzbergs Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum einhundertsten Mal

Gudrun Mitschke-Buchholz

Am 11. Juni 1921 wurde Fritz Herzberg in Detmold geboren. Zwei Jahre zuvor hatten seine Eltern Moritz und Johanna ein Konfektionswarengeschäft in der Langen Straße 71 übernommen. Hier wohnte bis 1931 die Familie zusammen mit Johannas Mutter Emilie Frank und Moritz Schwester Selma, die zeitweilig Fritz und auch dessen ein Jahr später geborene Schwester Gerda versorgte. Die Herzbergs gehörten zur jüdischen Gemeinde Detmold, in deren Vorstand sich Moritz Herzberg engagierte.

 

Mit der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 setzten auch für Fritz und seine Familie Ausgrenzung, Anfeindungen und Diffamierungen ein, an dessen Ende der Völkermord an den Juden stand. Für Fritz wurde der Schulbesuch in der Oberrealschule durch gewalttätige Übergriffe seiner Mitschüler so unerträglich, dass er vorzeitig die Schule verlassen wollte, was jedoch sein Vater zu verhindern wusste. 1937 begann Fritz Herzberg in Hannover eine Lehre als Klempner, die er allerdings nicht beenden konnte. Auch für seine Eltern bedeutete der Novemberpogrom 1938 nicht nur das Ende ihres Betriebes und damit den Verlust der wirtschaftlichen Existenz. Moritz Herzberg wurde in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er vier Wochen später als alter und gebrochener Mann entlassen wurde.

Mit dem Wissen, das es nun ums Überleben ging, betrieben auch die Herzbergs verzweifelt ihre Flucht aus Deutschland. Fritz erhielt durch familiäre Verbindungen die Chance, mit einem der Kindertransporte nach England zu gelangen, obwohl er eigentlich schon zu alt dafür war. Er verließ Detmold im Februar 1939 mit dem uneinlösbaren Auftrag, nicht nur sich, sondern auch seine Familie zu retten. Als sich ihm in England keine Möglichkeiten boten, seine Angehörigen zu unterstützen oder gar nachzuholen, reiste er weiter nach Nord-Rhodesien, dem heutigen Sambia, und versuchte von dort verzweifelt und vergeblich seine Mission zu erfüllen. Zahlreiche Auswanderungsversuche der in Detmold gebliebenen Familie scheiterten.

Als im Oktober 1941 das generelle Auswanderungsverbot für Juden erlassen wurde, saßen auch die Herzbergs in der Falle. Lange Monate ohne jeden Kontakt zu seiner Familie, versetzten Fritz, der sich nun schon länger Fred nannte, in höchste Angst um seine Angehörigen. Im Juli 1942 erreichte ihn ein Brief über das Rote Kreuz, in dem ihm sein Vater in den nur 25 erlaubten Worten mitteilte, dass ihr „Wohnsitz“ nun wahrscheinlich nach Theresienstadt verlegt würde.

Erst im Oktober 1945 erfuhr Fred Herzberg das volle Ausmaß dieser Katastrophe, die sein Leben zerriss und zutiefst beschädigte. Sein Vater und seine Großmutter waren in Theresienstadt umgekommen, seine Mutter und seine Schwester Gerda waren in Auschwitz ermordet worden. Insgesamt vierzehn Mitglieder der einst großen Familie Herzberg wurden Opfer des Völkermordes. Fred Herzberg kämpfte Zeit seines Lebens mit dem Gefühl versagt zu haben, da er seine Familie nicht zu retten vermochte und selbst überlebt zu haben. Sein gesamtes weiteres Leben war durchdrungen von dieser „Überlebensschuld“ und von den unwiederbringlichen Verlusten, für die es keinen Trost gab.

1947 wanderte Fred Herzberg zu seinem Onkel und seiner Tante in die USA aus. In St. Louis, Missouri arbeitete er in dessen Schmuckgroßhandel, den er später übernahm. 1950 heiratete er Lotti Jacobsthal, die ebenfalls Überlebende war. 1956 wurde ihr Sohn Michael geboren. Nach Lottis frühem Tod, heiratete Fred ein zweites Mal, wiederum ein ehemalige Deutsche. Lore Müller kam ursprünglich aus Hamburg. 1961 kam ihre Tochter Joanne zur Welt. Über die leidvolle Vergangenheit und seine traumatischen Verluste sprach Fred Herzberg nur äußerst selten, so dass seine Kinder kaum etwas über ihren Vater und auch über ihre Vorfahren wussten. Ein beharrliches und hoch wirkmächtiges Schweigen lastete über ihrem Leben.

Fred Herzberg, St. Louis, 2007 (Foto: Sammlung Joanne Herzberg)

Am 31. Januar 2008 starb Fred Herzberg schwer herzkrank in St. Louis. Sein Versprechen, nie wieder deutschen Boden zu betreten, hatte er stets eingehalten. Erst als seine sorgsam aufbewahrten Briefe und Postkarten seiner Familie aus den Jahren 1939 bis 1946 ausgewertet und auch in dem Band „Lebenslängliche Reise“[1] im Jahr 2013 publiziert wurden, eröffnete sich ein Blick auf dieses Leben und das gewaltsame Ende und ermöglichte damit auch einen vertieften Zugang zu Fred Herzberg und dessen Schicksal.

Seine Tochter Joanne verließ vor wenigen Jahren die USA, wählte Detmold als ihren Wohnort und nahm damit die abgerissenen Wurzeln ihrer Familie wieder auf. Im Jahr 2020 wurden aufgrund ihrer Initiative Stolpersteine für ihre Familie in ehrendem Gedenken verlegt. Schon seit langem wird der Familie Herzberg und Emilie Frank auch auf der Gedenktafel an der alten Synagoge und im Detmolder Gedenkbuch gedacht. Die nachgelassenen Briefe ihrer Angehörigen übergab Joanne Herzberg dem Stadtarchiv Detmold.


[1] Gudrun Mitschke-Buchholz: Lebenslängliche Reise. Briefe der jüdischen Familie Herzberg aus Detmold 1939 -1946. Bielefeld 2013

 

Detmolder Gedenkbuch: 21 weitere Beiträge über Opfer der NS-Herrschaft

 Gudrun Mitschke-Buchholz: Das Detmolder Gedenkbuch (www.gedenkbuch-detmold.de) befindet sich durch beständige Forschung und durch die erheblich veränderte Quellenlage in einem steten Prozess der Veränderung und Vertiefung.

 Es konnten nun wiederum 21 Beiträge zu bislang nicht genannten Betroffenen veröffentlicht werden. Es handelt sich um Menschen, die mit Detmold verbunden waren, weil sie hier geboren wurden und viele die Stadt als ihre Heimat verstanden, oder weil sie für eine Zeitlang hier lebten und so zu einem Teil der städtischen Gesellschaft wurden. Sie alle haben das sog. Dritte Reich nicht überlebt. Sie erlitten Ausgrenzung, Verfolgung und einen gewaltsamen Tod. Ihre Lebenswege als Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt werden auch durch Dokumente aus dem Stadtarchiv Detmold und dem Landesarchiv NRW Abt. OWL eindrücklich belegt.

 Unterlagen aus nationalen und internationalen Gedenkstätten und Archiven, insbesondere aus den Arolsen Archives, dokumentieren, wie diese Menschen in den Tod hinein verwaltet wurden. Die Erforschung und Dokumentation dieser Lebenswege ist nicht nur für die städtische Erinnerungskultur von großer Bedeutung. Weitere 21 Menschen, ihre Lebenswelten und auch ihr Ende sind nun Teil der öffentlichen Erinnerung.

"Frauenpolitischer Rundgang" zum Int. Frauentag

Quelle: Stadtarchiv, DT BA Nr. 714: Wäscherinnen am Wallgraben um 1910. (Foto: Pecher)
Quelle: Stadtarchiv, DT BA Nr. 714: Wäscherinnen am Wallgraben um 1910. (Foto: Pecher)

Weiblich – systemrelevant – un(ter)bezahlt

Frauenpolitischer Stadtrundgang zum Internationalen Frauentag – verschoben auf den 13. August

Wer war Malwida von Meysenbug? Warum galt der Beruf der Diakonisse seinerzeit als eine sehr gute Wahl für Frauen? Wo gründete Fürstin Pauline 1802 die erste „Kinderbewahranstalt“ und welche Bedeutung hatte die Schule am Wall für die höhere Mädchenbildung in Detmold? Interessante Antworten auf diese und andere Fragen gibt der frauenpolitische Stadtrundgang unter dem Motto „Weiblich – systemrelevant – un(ter)bezahlt“, der ursprünglich für den Internationalen Frauentag am 8. März in der Detmolder Innenstadt geplant war. Nun findet der 2-stündige Spaziergang am 13. August statt. An sieben Stationen werden historisch-politische Frauenthemen mit regionalem Bezug aufgegriffen, die Waschfrauen, Schriftstellerinnen und Politikerinnen aus dem historischen Detmold lebendig werden lassen. Unter der Wehme treffen Sie auf Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink. 

Veranstaltet wird der Stadtrundgang von den Gleichstellungsstellen des Kreises Lippe, der  VHS Detmold-Lemgo, dem DGB-Kreisfrauenausschuss und der ver.di Regionsfrauengruppe Lippe. Die Anmeldung läuft ab 8. März über die VHS Detmold-Lemgo.

Coronabedingt können dieses Jahr nicht viele Aktivitäten zum Internationalen Frauentag stattfinden. Eine Auswahl der dennoch stattfindenden Aktionen in der Region sind auf der Website des DGB Ostwestfalen-Lippe zu finden.

20 Jahre Stadtarchiv Detmold – 20 Jahre Archiv-WG

Als mit Dr. Andreas Ruppert vor 20 Jahren der erste hauptamtliche Archivar der Stadt Detmold eingestellt wurde, begann eine neue Ära der stadtgeschichtlichen Überlieferung. Das NRW-Staatsarchiv Detmold, dann Landesarchiv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe, hatte schon Unterlagen der Stadt Detmold gesichert, bevor 1971 ein formaler Depositalvertrag abgeschlossen wurde. In dem Vertrag wurde festgehalten, dass sich das vom Land NRW getragene Staatsarchiv um die historische Überlieferung der Stadt kümmert.

Mit einem neuen Gesetz wurden die Städte 1989 dazu verpflichtet, sich ihrer historischen Überlieferung anzunehmen und eigene Archive einzurichten. In Detmold sollte es weitere zehn Jahre dauern, ehe im Dezember 2000 das Stadtarchiv Detmold gegründet wurde. Einen Monat später folgte das Kreisarchiv Lippe. Seitdem findet man an der Willi-Hofmann-Straße 2 nicht nur die Überlieferung der Stadt, des Kreises und des ehemaligen Landes Lippe, des einstigen Regierungsbezirks Minden sowie der aktuellen Landesbehörden in OWL, sondern fachkundige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen drei Archiven.

Literatur: Andreas Ruppert, Detmold – Das Stadtarchiv im Staatsarchiv, in: Archivpflege in Westfalen-Lippe 64 (2006), S. 42f.

Detmold – die Stadt der drei Synagogen

Ehemaliges Bethaus, Bruchmauerstraße 37 im Jahr 2020. (Foto: Volker Buchholz)
Ehemaliges Bethaus, Bruchmauerstraße 37 im Jahr 2020. (Foto: Volker Buchholz)

Ein Beitrag zum Festjahr 2021 – 1700 JAHRE JÜDISCHES LEBEN IN DEUTSCHLAND

von Gudrun Mitschke-Buchholz

In diesem Jahr wird die lange Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland als wichtiger Bestandteil der europäischen Kultur durch ein Festjahr gewürdigt. Seit 1700 Jahren leben Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Das erste schriftliche Zeugnis jüdischer Kultur stammt aus dem Jahr 321 und damit bereits aus der Zeit der Spätantike. Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausend Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Musik, Podcast, Theater und Filme ausgerichtet. Ziel dieses Festjahres ist laut der Initiatoren, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus entgegenzutreten.

Auch in Detmold lassen sich noch Spuren und Zeugnisse der weitestgehend zerstörten jüdischen Lebenswelt finden. Bemerkenswerterweise fanden sich in der Kleinstadt Detmold neben einem privaten Betraum drei jüdische Gotteshäuser, von denen heute noch zwei erhalten sind. An die im Jahr 1907 eingeweihte und während der Ausschreitungen des Novemberpogroms 1938 zerstörte Neue Synagoge erinnert nur noch eine Gedenktafel in der Lortzingstraße. Die erhaltene Alte Synagoge , Exterstraße 8, dient heute einer Freikirche als Gotteshaus. Das benachbarte „Vorsängerhaus“ zur Externstraße dokumentiert seine wechselvolle Geschichte durch seine hebräische Inschrift.

Lange Zeit unbeachtet war hingegen das Bethaus in der Bruchmauerstraße 37. Das unscheinbare und bereits deutlich vom Verfall gezeichnete Gebäude war lange vergessen und in seiner bau- und auch stadtgeschichtlichen Bedeutung vollkommen unterschätzt und verkannt. Was noch 1988 als Gartenhaus in die Denkmalliste der Stadt Detmold aufgenommen wurde, ist eine freistehende Hofsynagoge. Dies konnte durch die Forschungen der LWL-Denkmalpflege und durch die Auswertung archivalischer Quellen im Stadtarchiv Detmold und Landesarchiv NRW nachgewiesen werden. Dieses Bethaus gilt demnach als frühester Beleg für den Typ einer freistehenden Synagoge in Nordwestdeutschland. Durch dendrochronologische Untersuchungen der verbauten Hölzer konnte die Errichtung des Kerngerüstes auf 1633 datiert werden und damit weitaus früher als bis dahin angenommen. Das Gebäude wurde somit zu einem Zeitpunkt errichtet, als sich einige jüdische Familien nach der Vertreibung der Juden im Jahre 1614 aus der Grafschaft Lippe wieder in Detmold niedergelassen hatten und auch wieder Gottesdienste abhalten wollten.

Wie für frühneuzeitliche Synagogen charakteristisch, liegt des Detmolder Bethauses etwas versteckt im Hof hinter dem ehemaligen Spangenbergschen Haus, Krumme Straße 28. Es weist eine nur sehr kleine Grundfläche von 34,5 m² auf und war, den religiösen Vorschriften gemäß, nach Osten ausgerichtet. An der Ostwand befand sich eine Vorrichtung für die Aufbewahrung der Thorarollen. Die religiösen Regeln besagen ebenso, dass aus der Richtung Jerusalems Tageslicht einfallen muss, und auch dies war hier durch eine entsprechende Fensteröffnung gegeben. Der Betsaal war im Erdgeschoss und umfasste die gesamte Grundfläche des Hauses. Der Standort der Bima, also des Vorlesepultes, befand sich vor dem Thoraschrein im Mittelteil des Betraumes. Rekonstruieren ließ sich zudem eine Frauenempore mit zwei hintereinander stehenden Bänken für jeweils fünf bis sechs Frauen.

Die Judenschaft hatte nachweislich 1723 das Gebäude vom Stadtmusikanten Julius Hardewig Spangenberg nur angemietet. Das war nicht ungewöhnlich, da es Juden bis in das 18. Jahrhundert nicht erlaubt war, Immobilien zu besitzen. Möglicherweise bedingt durch die räumliche Enge und auch durch die ungesicherten Mietverhältnisse, schuf sich 1742 die Detmolder jüdische Gemeinde durch den Umbau einer Scheune eine neue Synagoge in der Exterstraße 8 (Alte Synagoge), die zu kaufen ihnen durch Genehmigung vom Stadtrat und vom Landesherrn Simon August erlaubt war.Dem 2010 durch den Eigentümer des nur vermeintlichen Gartenhauses gestellten Antrag auf Abbruch zugunsten der Errichtung von Parkplätzen wurde aufgrund der Forschungen nicht stattgegeben.

Der Denkmalwert des auch überregional bedeutsamen Bethauses wurde durch die Behörden eindeutig begründet. Zwingend notwendige weitere wissenschaftliche Untersuchungen könnten die Erkenntnisse zu dem Bethaus in Detmold weiter vertiefen. Es gilt weiterhin, dieses Kleinod mit großer historischer Bedeutung vor dem endgültigen Verfall zu retten.

Weitere Informationen finden sich in:

Fred Kaspar und Peter Barthold: Ein Gebäude macht Geschichte. Das vergessene jüdische Bethaus von 1633 in Detmold, Bruchmauerstraße 37. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 86 (2017), S. 155-172

sowie in

Gudrun Mitschke-Buchholz: Auf jüdischen Spuren. Ein Stadtrundgang durch Detmold. 3. Aufl. – Lage 2020, S. 47-49. Hier findet sich nicht nur ein Kapitel zum Bethaus, sondern Informationen zu mehr als zwanzig weiteren Orten jüdischer Tradition und Kultur in Detmold. Diese Orte werden in den öffentlichen Stadtführungen „Auf jüdischen Spuren“ mit Gudrun Mitschke-Buchholz zwischen Mai und Oktober gezeigt.

 

 

 

Auf jüdischen Spuren

Ein Stadtrundgang durch Detmold
von Gudrun Mitschke-Buchholz
Panu Derech - Beiträge zur jüdischen Regionalgeschichte, Schriftenreihe der GCJZ Lippe, Bd. 21

Detmold 2020, 3. überarbeitete Auflage Auflage, 100 Seiten, ISBN 978-3-89918-080-0, 12,90 Euro

Über Jahrhunderte haben Jüdinnen und Juden das Leben und auch den Wandel der Stadt Detmold mitgeprägt und gestaltet. Wer sich heute auf jüdische Spuren begibt, hat jedoch Mühe, die steinernen Zeugnisse zu finden, die das reiche Kulturerbe vor Augen führen und dokumentieren könnten, denn der größte Teil dieser Lebenswelt wurde zerstört oder deren Spuren verwischt.
In dem nun erschienen Stadtrundgang, der auch durch das Stadtarchiv Detmold unterstützt wurde, werden Stätten der religiösen Kultur, Wohn- und Geschäftshäuser aus ehemals jüdischem Besitz und auch Spuren der Entrechtung und Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung gezeigt. Ebenso wird auf die Detmolder NS-Institutionen verwiesen, die für Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation der jüdischen Menschen verantwortlich waren. Eine beiliegende Karte erleichtert auch Ortsfremden die Orientierung. Das Buch liegt in einer dritten, vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage vor.
Der Band ist beim Verlag, bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e. V., in den örtlichen Buchhandlungen und in der Tourist-Information der Stadt Detmold erhältlich.
 

27. Januar - Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 19. Januar 1996 hat Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungs- und Konzentrationslagers Auschwitz, zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt. Roman Herzog wollte, dass die Erinnerung  an die Greueltaten des Nationalsozialismus nicht endet, sie soll auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen."Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer  über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jede Gefahr der Wiederholung entgegenwirken", so der damalige Bundespräsident in seiner historischen Rede vor dem deutschen Bundestag.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V. initiierte auf Grund der Erklärung des Bundespräsidenten eine erste öffentliche Gedenkfeier am 27. Januar 1996, bei der der 25 Detmolder Opfer, die in Auschwitz ermordet wurden, namentliche gedacht wurde. Pastor Peter Wagner als Initiator dieser Gedenkfeier wandte sich im September 1996 an die Stadt Detmold mit der Bitte, sich doch an den  Vorbereitungen des Gedenktages 1997 zu beteiligen. Damit wurde der Grundstein für die Bildung einer Arbeitsgruppe gelegt, die seitdem die  Organisation und inhaltliche Gestaltung  des Gedenktages übernommen hat. 

Mit Vertreterinnen  und Vertretern aus den Bereichen Politik, der Verwaltung und ihrer Einrichtungen, der weiterführenden Schulen, sowie engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft  für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit, des nordrhein-westfälischen Staatsarchivs, des Landestheaters, des Landesmuseums  und des Filmarchivs Lippe werden Jahr für Jahr Ideen  und Vorschläge gesammelt und das Programm in enger Zusammenarbeit konzipiert. Insbesondere unter der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Jahrgangsstufen aller Schulformen, unter der Beteiligung von Lehrerinnen und Lehrern und der Eltern, wurden in den vergangenen Jahren aufwendige Programme erarbeitet.

Mit diversen Ausstellungen, Filmbeiträgen oder Theateraufführungen, aber auch mit Zeitzeugengesprächen, Autorenlesungen und unterschiedlichen Dokumentationen wird nicht nur direkt am 27. Januar, sondern in ganzen Veranstaltungsreihen an die zahllosen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert.  Durch die Einbeziehung der Öffentlichkeit und gerade durch die besonders angesprochene Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler stehen neben dem Erinnern und dem Betroffensein auch das Nichtvergessen des Vergangenen und die Mahnung, einer möglichen Wiederholung entgegenzuwirken.

Link zum Youtube-Kanal der Realschule 1: Youtube-Link

Zentrale Gedenkveranstaltung 27. Januar 2021 Plakat

Zentrale Gedenkveranstaltung 27. Januar 2021 Flyer

Videobeiträge der Realschule I zum Thema „Unmenschlichkeit und Menschlichkeit damals und heute“.
Von Jugendlichen für Jugendliche. Erstausstrahlungen am 27. Januar 9:45 Uhr, abends zur Gedenkstunde um 18 Uhr. Ab dem 28.01.2021 dauerhaft online verfügbar über YouTube.

Hexenverfolgung und ihre Erinnerung

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Arbeitskreis Hexenverfolgung in Detmold (Ortsverein Detmold im Lippischen Heimatbund), der Volkshochschule Detmold-Lemgo, dem Stadtarchiv Detmold und der Stadt Detmold

 

 

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Lemgo, das Hexennest

Mythen, Kontroversen und Umbrüche in der lokalen Geschichtskultur

Bereits im späten 19. Jahrhundert entstand der Begriff „Lemgo, das Hexennest“. Umgangssprachlich wurde damit auf die große Zahl von Hexenprozessen verwiesen, die über annähernd 100 Jahre - im Zeitraum von 1583 bis 1681 - in Lemgo geführt worden waren.

Der Begriff „Lemgo, das Hexennest“ ging ein in die Tourismuswerbung und prägte über viele Jahre einen weitgehend unkritischen Blick auf die Hexenprozesse und die Angeklagten. Seit Mitte der 1970er vollzog sich auf dem Hintergrund kontroverser Diskussionen ein Wandel, was das Verständnis und den Umgang mit dem Hexenthema in der lokalen Geschichtskultur anbetraf. Die Initiativen aus der Frauenbewegung spielten eine wichtige Rolle, genauso wie die Anregungen aus der modernen historischen Hexenforschung.

Das bis heute wichtigste Ergebnis war der „Stein des Anstoßes“, die Skulptur der Künstlerin Ursula Ertz, errichtet im Jahre 1994 als Denkmal für Maria Rampendahl und alle Opfer der Hexenverfolgung. Aber auch der „Abschied vom Folterkeller“ im Museum Hexenbürgermeisterhaus seit 2004 markiert den Bruch mit den überkommenen „Hexenmythen“.

21-BA16

Montag 15.03.2021, 19.30 – 21 Uhr

Ort: Landeskirchenamt, Leopoldstr. 27, 32756 Detmold, 3. Stock Neubau

Referent*innen: Jürgen Scheffler, ehem. Leiter des Hexenbürgermeisterhauses;

Regina Pramann, ehem. Gleichstellungsbeauftragte Lemgo und Kreis Lippe

Gebühr: keine

TN-Zahl: max. 17, Anmeldung bis 08.03.2021

 

 

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Im Zwischenreich des Wahns von Angst und Macht – die „Hexen“ von Detmold

Wie in vielen deutschen Gebieten kam es auch in der Grafschaft Lippe in der Frühen Neuzeit zu Hexenverfolgungen. In der Kernstadt Detmold sind mehr als 30 Opfer zu beklagen und in den Landgemeinden, die heute zu Detmold gehören, mehr als 20 Opfer. Hinzu kommen etwa 50 als Hexenkinder gefangen gehaltene Mädchen und Jungen.

Die damalige Zeit war beherrscht von Aberglauben, von Dogmen und Angst. Politische Herrschaft und Kirche mischten mit. Es gab die Inquisition, es gab die Folter und unsägliche Quälereien. Die Hinrichtung war für die Opfer oft wie eine Erlösung.

Über die kulturhistorischen Hintergründe des Hexenwahns wird der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann sprechen.

Die Benefizveranstaltung dient der Finanzierung des Erinnerungsortes für die Opfer der Hexenverfolgung in der Anna-Maria Tintelnot Twete in Detmold.

Dienstag 18.05.2021, 19.30 Uhr

Ort: Aula der August-Hermann-Franke-Schule, Moritz-Rülf-Str. 25, 32756 Detmold

Referent: Prof. Dr. Eugen Drewermann, Paderborn

Gebühr: 10,00 €, weitere Spenden willkommen

Hinweis: wg. Corona-Abstandsregeln begrenzte TN-Zahl

 

 

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Gedenkfeier für die Opfer der Hexenverfolgung in Detmold

In der "Blomberger Erklärung" der lippischen Kirchen vom 13. Mai 2012 heißt es: "Die Frauen, Männer und Kinder, die als vermeintliche Hexen und Hexenmeister gedemütigt, entehrt, gefoltert und hingerichtet wurden, sind Opfer eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit und des Missbrauchs des christlichen Glaubens geworden." Die lippischen Kirchen und die Stadt Detmold gedenken mit dieser Feier der Opfer der Hexenverfolgung und ehren sie.

Samstag 29.05.2021, 15.30 – 16 Uhr

Ort: Treffpunkt Wasserterrassen vor dem Lippischen Landesmuseum, Ameide,

32756 Detmold

Hinweis: Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung erfolgt der Stadtrundgang

 

 

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Rundgang zu den Stätten der Hexenverfolgung in der Residenzstadt Detmold

In Detmold tagte seit 1650 das landesherrliche Peinliche Halsgericht, das sich mit den Hexereiprozessen für ganz Lippe - mit Ausnahme von Lemgo - befasste. In Detmold kam es vor allem zu zwei großen Verfolgungswellen: eine zwischen 1653 und 1654 und eine zwischen 1657 und 1661. Ihnen fielen nicht nur Frauen zum Opfer, sondern auch Männer und über 50 Jugendliche und Kinder. Letztere wurden aus ganz Lippe zusammengezogen und in einem als Gefängnis genutzten Gebäude an der Bruchpforte inhaftiert.
Der Rundgang zeigt Stationen in der Stadt auf, die für die Geschichte der Hexenverfolgung in Detmold von Bedeutung sind und berichtet über Einzelschicksale.

Samstag 29.05.2021, 16 – 17.30 Uhr

Ort: Treffpunkt Wasserterrassen vor dem Lippischen Landesmuseum, Ameide,

32756 Detmold

Referentin: Gesine Niebuhr, Detmold

Auf den Spuren von Friedrich Spee von Langenfeld in seiner Geburtsstadt

Bildungsreise nach Düsseldorf/Kaiserswerth

Der historische Stadtteil Kaiserswerth liegt im Norden von Düsseldorf direkt am Rhein und ist der älteste Stadtteil von Düsseldorf. Der über 1300 Jahre alte Ort mit historischer Altstadt, Barbarossas Kaiserpfalz und der Rheinpromenade lockt mit viel Geschichte. 

Am Suitbertus-Stiftsplatz Nr. 11 finden wir im „Geburtshaus“ von Jesuitenpater Friedrich Spee die im Jahr 1985 gegründete gleichnamige Gesellschaft e.V. mit dem Spee-Archiv. Friedrich Spee von Langenfeld wurde im 17. Jh. mit seiner Schrift „Cautio Criminalis“ zum Anwalt der als Hexen angeklagten Menschen und Vorkämpfer für mehr Gerechtigkeit.

Außerdem folgen wir in Kaiserswerth den Spuren von Theodor Fliedner, dem Gründer der Kaiserswerther Diakonie, und seiner bekanntesten Krankenpflegeschülerin Florence Nightingale.

21-BA35

Dienstag 24.08.2021 – Mittwoch 25.08.2021

Gebühr: 145,00 €, EZ-Zuschlag 45,00 € (inkl. Bahnfahrt, 1Ü/F, Eintritts- und

Führungsgelder)

Ort: Hotel MutterHaus in Düsseldorf/Kaiserswerth, Geschwister-Aufricht-Str. 1,

40489 Düsseldorf

Leitung: Monika Korbach

TN-Zahl: Anmeldung bis 20.05.2021

Rezension in den Lippischen Mitteilungen 89/2020

Im Band 89/2020 der Lippischen Mitteilungen rezensiert Carsten Doerfert "50 Jahre »neue« Stadt Detmold. Gegner, Befürworter und Folgen der Kommunalen Neugliederung von 1970" von den Herausgebern Friedrich Brakemeier, David Merschjohann und Bärbel Sunderbrink.

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LZ: Büchlein verrät Küchengeheimnisse

Beim Abbruch zweier Häuser in der Krummen Straße findet Herbert Bischoff in den 60ern ein altes, handgeschriebenes Kochbuch. Durch einen Aufruf im Frühjahr in der LZ, Rezepte einzuschicken, ist Bischoff das Buch wieder in den Sinn gekommen, auch wenn er mit den Erinnerungen an den Fund nicht mehr alle Details hervorrufen kann. Obwohl das Buch ihm seine Geheimnisse nie verraten hat, hat er es doch immer aufbewahrt. Erst mit Hilfe der LZ und des Stadtarchivs kommt Licht ins Dunkel...

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink entdeckt so einiges aus vergangenen Zeiten: Von der Schrift in der es geschrieben ist, über die Menschen, die es vermutlich geschrieben haben könnten und vor allem zum Inhalt hat sie einige Erklärungen.

Zum LZ (+) Artikel vom 18. November 2020: Lippische Landeszeitung

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Historisch

783: Der Name Detmold wurde als „Theotmalli“ zum ersten Mal in einem Bericht über eine Schlacht zwischen Franken und Sachsen erwähnt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die heutige Stadt Detmold. Das Detmolder Stadtgebiet wurde erst später besiedelt.

Ab 1194: Bau der Falkenburg als erster Sitz der Edelherren zur Lippe auf dem Territorium ihrer sich allmählich verfestigenden Landesherrschaft. Die Höhenburg im Ortsteil Berlebeck war bis zum Brand Mitte des 15. Jahrhunderts ein Zentrum der herrschaftlichen Macht.

Vermutlich verlieh Edelherr Bernhard III. zur Lippe vor 1265 der Siedlung an seiner an der Oberen Werre gelegenen Burg die Stadtrechte.

1305: Älteste erhaltene Urkunde aus Detmold, ausgestellt von den Bürgermeistern und der Bürgerschaft der Stadt „Detmelle“.

1447: Zerstörung Detmolds in der „Soester Fehde“ durch kölnische Truppen. Wenig später wurde die Burg zur stärksten Festung des Landes ausgebaut.

1528 erfolgte die Erhebung der Edelherren zur Lippe zu Grafen.

1538: Im Zuge der sich ausbreitenden Reformation wurden die lippischen Pfarrer in die Detmolder Kirche geladen, um sie in die Regeln des neuen Bekenntnisses einzuweisen.

1547: Dem großen Stadtbrand fielen etwa 70 Gebäude zum Opfer.

Um 1590 hatte Detmold etwa 700 Einwohner.

Zwischen 1653 und 1661 wurden in Detmold 19 Personen unter Verdacht auf Hexerei zum Tod verurteilt.

1605 führte der Calvinist Graf Simon VI. das reformierte Bekenntnis ein.

1789: Die Grafen zur Lippe wurden vom Kaiser zu Fürsten erhoben.

Um 1835 lebten etwa 4000 Menschen in der Stadt Detmold.

Während der Revolution von 1848 forderten Bürger vor dem Schloss demokratische Rechte.

1875: Kaiser Wilhelm I. weihte das Hermannsdenkmal ein. Es soll an die siegreiche Schlacht der einheimischen Cherusker gegen römische Legionen erinnern. Bereits 1838 war der Grundstein für das Denkmal gelegt worden.

1880: Mit der Eröffnung der Strecke nach Herford erhielt Detmold Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1895 wurde die Bahnstrecke nach Altenbeken verlängert.

1917 starben 72 Menschen, zumeist jugendliche Arbeiterinnen, bei einem Explosionsunglück in einer Munitionsfabrik, die Rüstungsgüter für den Ersten Weltkrieg herstellte.

Zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Kernstadt von 12.000 auf fast 23.000.

1938 zerstörten Nationalsozialisten die Synagoge. In der Zeit des NS-Regimes wurden mehr als 160 Menschen aus Detmold aus rassischen, religiösen und politischen Gründen ermordet, viele weitere wurden verfolgt.

Als Anfang April 1945 amerikanische Truppen die Stadt einnahmen, endete für Detmold der Zweite Weltkrieg. Wenige Wochen später folgte die britische Rheinarmee als Besatzungsmacht.

1947: Lippe schloss sich nach erfolgreichen Verhandlungen als dritter Landesteil Nordrhein-Westfalen an. Die Stadt wurde Sitz der Bezirksregierung Detmold.

1966: Eröffnung des LWL-Freilichtmuseums auf dem Gelände des ehemaligen fürstlichen Tiergartens.

1970: Bei der Kommunalen Neugliederung schlossen sich 25 Gemeinden mit der Stadt Detmold zusammen. Die Bevölkerungszahl wuchs von 30.000 auf 63.000 an.

1995: Beginn des Abzugs der britischen NATO-Streitkräfte.

2009: Die Ausstellung „Mythos“ klärte 1000 Jahre nach dem Kampfgeschehen über den historischen Hintergrund der Varusschlacht auf.