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Pivitsheide v.H, Pivitsheide v.L. und die Kommunale Neuordnung

DT BA 3558: Pivitsheide V. L.
Tableau der Gaststätte Eichenkrug um 1950

Im März berichtete Hans-Gerd Kaulvers im „Stadtgeschichtlichen Projekt“ von der Situation im Detmolder Westen, als Ende der 1960er Jahre die Kommunale Neuordnung anstand. Wie andere Gemeinden auch, war man dort keineswegs davon angetan, Juniorpartner der Stadt Detmold zu werden. Die Annäherungen von Pivitsheide v.H. und v.L. waren schon weit gediehen – es hatte bereits einen gemeinsamen Betriebsausflug der Gemeindebediensteten gegeben. Doch dann schwenkte Pivitsheide v.H. um. Es gibt Vermutungen, dass dieses auch mit der Aussicht auf Karrierechancen in der größeren Stadt Detmold zusammenhängen könnte. Die Überlegungen, eine eigene Kommune zu bilden, zerschlugen sich aber auch, weil Augustdorf als Garnisonsstandort aus den Planungen ausschied und damit nicht die gesetzlich geforderte Einwohnerzahl zusammen kam.
Am Donnerstag, 11. Mai 2017, wird um 15.30 Uhr die Veranstaltungsreihe zur Kommunalen Neugliederung im Stadtarchiv, Willi-Hofmann-Straße 2, fortgesetzt. Nachdem einige Zeitzeugen berichtet haben, sollen nun auch historische Unterlagen untersucht werden. Der Initiator des Projekts, Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink laden alle Interessierten ins Stadtarchiv/Landesarchiv NRW ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kontakt: Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink, Telefon: 05231-766110
Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, Telefon: 05231-59920.

Stadtrundgang: Hexenverfolgung in Detmold

Wer seine Vergangenheit vergisst, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.  George Santayana 1863 – 1952

Stadtrundgang: Hexenverfolgung in Detmold
Wie in vielen europäischen Ländern kam es in den Städten und Dörfern der Grafschaft Lippe im 17. Jh. zu Hexenverfolgungen. Die meisten Opfer waren Frauen, es traf aber auch Männer, Jugendliche und Kinder.
Umfangreich vorhandenes Aktenmaterial belegt das Schicksal der Anna Maria Tintelnot, Frau eines Bäckers aus Detmold. Verschiedene Quellen berichten über sogenannte Zauberkinder, die als Zeugen in Prozessen auftraten oder selbst angeklagt wurden. Aus ganz Lippe zusammengefasst wurden sie in einem Haus in Detmold interniert. Der Rundgang erläutert nicht nur das Schicksal der Anna Maria Tintelnot, sondern informiert an verschiedenen Stellen über weitere Orte in der Stadt, die im Zusammenhang mit den Hexenverfolgungen in Detmold von Bedeutung waren.
Samstag, 06. Mai 2017 - 15.00 Uhr
Treffpunkt: Detmold, Rosental, am Fuß des Hermanns gegenüber dem Landestheater
Referentin: Gesine Niebuhr

 

 

Vortrag zur Reformation in Westfalen

"Glaube, Recht & Freiheit. Lutheraner und Reformation in Lippe" heißt eine Ausstellung, die Ende August in Lemgo eröffnet wird.

Zuvor findet eine Vortragsreihe statt, die am Mittwoch, 26. April 2017, von Prof. Dr. Werner Freitag (Universität Münster) im Detmolder Schloss eröffnet wird. Der Professor für westfälische und vergleichende Landesgeschichte spricht zum Thema "Die Reformation in Westfalen. Konflikt und Koexistenz in den katholischen Fürstbistümern und in der Grafschaft Lippe".

Das Grußwort spricht Stephan Prinz zur Lippe, die Moderation der Veranstaltung liegt in den Händen von Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink.

Beginn ist um 19.30 Uhr in der Schlosskapelle, der Eintritt ist frei.

Papier ist nicht geduldig

Ausstellung über die Erhaltung von Schriftgut und Grafik vom 3. Juli bis 1. September 2017

Am Donnerstag, 24. August 2017, 14 - 18 Uhr findet im Stadtarchiv ein Workshop zum Thema: Archivkartons oder Digitalisierung? Der Aufbau und die Pflege von Vereinsarchiven, statt.

Hier ist der Flyer zur Ausstellung mit Workshop: Papier ist nicht geduldig

Erinnerung an eine Tragödie

Am 31. Mai 1917 erschütterte Detmold eine Explosion. 72 Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen, kamen bei dem Unglück, bei dem die Munitionsfabrik in der Elisabethstraße in Flammen aufging, ums Leben. Um zum 100. Jahrestag der Explosion an das Geschehen zu erinnern, schrieb Bühnenautor und Regisseur Reiner Woop ein Theaterstück: Die Amateur-Schauspieler von der "Theaterwerkstatt bühnenreif" befinden sich aktuell mitten in den Proben zum Drama "Erschütterung".

Reiner Woop möchte mit seinem Stück das Unglück wieder in Erinnerung rufen. Unterstützt wird Woop in seinem Vorhaben vom Lippischen Heimatbund und vom KulturTeam der Stadt Detmold. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Rainer Heller persönlich übernommen.

Im Fokus des Dramas stehen zwei fiktive Detmolder Familien: Eine Familie stammt aus dem Bürgertum, die andere aus dem Arbeitermilieu. Anhand ihres Alltags werden die Geschehnisse um die Explosion herum nachvollzogen. Als Erzähler fungiert der Kriegsgott Mars. Die einzige historische Figur ist der Fabrikant Walter Kellner, der die Munitionsfabrik leitete.

Uraufgeführt wird das Theaterstück einen Tag nach dem 100. Jahrestag der Explosion. Am Donnerstag, 1. Juni 2017, öffnet sich um 19:30 Uhr im Hangar 21 der Vorhang für das stadthistorische Drama "Erschütterung".

Rahmenprogramm:

Samstag, 20. Mai, 15:30 Uhr - Begleiteter Rundgang über den Detmolder Ehrenfriedhof an der Blomberger Straße mit Dr. Andreas Ruppert, Stadtarchivar Detmold a. D.
Treffpunkt Blomberger Straße/Ecke Schorenstraße
Veranstalter: Stadtarchiv Detmold und Ver.di-Ortsfrauengruppe Lippe

Montag, 29. Mai, 19:30 Uhr - Vortrag von Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchivarin Detmold: "Eine Fabrik fliegt in die Luft. Das Detmolder Explosionsunglück von 1917"
Stadtarchiv Detmold/Landesarchiv NRW, Willi-Hofmann-Straße 2
Veranstalter: Stadtarchiv Detmold, Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe

Stadtarchiv und Landesarchiv kooperieren mit dem Grabbe-Gymnasium

Dr. Johannes Burkardt (Landesarchiv, v.l.), Heike Fiedler (Grabbe-Gymnasium und Landesarchiv), Dr. Bärbel Sunderbrink (Stadtarchiv Detmold), Dr. Bettina Joergens (Landesarchiv), Werner Klapproth (Grabbe-Gymnasium)

Die Kooperation des Grabbe-Gymnasiums mit dem Stadtarchiv und dem Landesarchiv hat eine langjährige Tradition, die 2011 mit dem Abschluss einer Kooperationsvereinbarung besiegelt wurde. Verschiedene Schülerjahrgänge haben seitdem zu Recherchen für ihre Facharbeiten den Weg zu den historischen Originalquellen in das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in der Willi-Hofmann-Straße in Detmold gefunden. Zu unterschiedlichen Themen sind Klassen und Kurse auf neuen Pfaden außerhalb des Schulbuches unterwegs gewesen und haben anhand der Quellen vor Ort Regionalgeschichte entdecken und erforschen können.

Die Chance Geschichte unmittelbar erlebbar zu machen, indem auf authentische Dokumente aus Detmold und Umgebung zurückgegriffen werden kann, bietet sich hier in Detmold in fußläufiger Entfernung. Den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schülerinnen und Schülern steht die Archivpädagogin Heike Fiedler bei ihren Forschungsanliegen zur Seite. Das Grabbe-Gymnasium und das Landesarchiv möchten die bewährte und ertragreiche Zusammenarbeit fortsetzen und mit neuen Impulsen für weitere fünf Jahre verlängern. Mit dabei ist nun auch das Stadtarchiv als offizieller Bildungspartner.

Am 7. April 2017 erfolgte die Unterzeichnung durch den Schulleiter Herrn Werner Klapproth, den Leiter des Landesarchivs NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe Herrn Dr. Johannes Burkardt und der Stadtarchivarin Frau Dr. Bärbel Sunderbrink.

Geschichte und Geschichten über die kommunale Neugliederung in Detmold

Die Lippische Rundschau stellte am 2.4.1968 die Neugliederung vor.

Am Donnerstag, dem 11. Mai 2017, ab 15.30 Uhr wird die Veranstaltungsreihe im Stadtarchiv, Willi-Hofmann-Straße 2, fortgesetzt.

Der Initiator des Projekts, Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink laden Zeitzeugen und alle Interessierten ins Stadtarchiv/Landesarchiv NRW ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das neue stadtgeschichtliche Projekt bringt interessierte Bürgerinnen und Bürger mit "Experten" zusammen. In mehreren Planungstreffen werden Themen rund um die Kommunale Neugliederung bearbeitet und erforscht. Ziel ist es, über die Darstellung der reinen Fakten hinaus Aufschlüsse über die Wahrnehmungen, Widerstände und Langzeitwirkungen der Neugliederung zu erhalten.

Kontakt:

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink, Telefon: 05231-766110

Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, Telefon: 05231-59920.

69. Westfälischer Archivtag in Hamm

Foto: Pia Igelbrink (LWL-Archivamt)

Das Thema des zweitägigen Archivtages: Schaust Du noch oder archivierst Du schon? Fotos und Filme in Archiven interessierte mehr als 300 Archivarinnen und Archivare.

In der ersten Arbeitssitzung der Tagung ging um die Herausforderungen im Umgang mit Fotos und Filmen im Archiv. Die Moderation übernahm Frau Dr. Bärbel Sunderbrink aus dem Stadtarchiv Detmold. Sie stellte die vielfältigen Herausforderungen für Archive und deren Bestände heraus. Dabei wies sie auch auf das Problem der fachgerechten Erschließung und Verwahrung der audiovisuellen Medien hin.

Den ersten Beitrag der Sitzung mit dem Thema „Bilder und Töne bewahren“ hielt Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß vom Hessischen Staatsarchiv Darmstadt. Das zweite Referat, von Dr. Nils Brübach vom Hauptstaatsarchiv Dresden, beschäftigte sich mit den Chancen der Erschließung mit Normdaten am Beispiel von Filmen. Der  Beitrag zur Bedeutung audiovisueller Quellen im Kontext von Schule und Medienbildung von Frank Schlegel vom LWL- Medienzentrum für Westfalen in Münster gab Anregungen für digitale Schülerprojekte im Fach Geschichte.

Die Pivitsheider wollten keine Detmolder werden

Geschichte und Geschichten über die kommunale Neugliederung in Detmold

Detmold, wie wir es heute kennen, ist noch keine 50 Jahre alt. Dass die Gebietsreform von 1970 kein Selbstläufer war, darüber berichteten im Stadtarchiv Detmold Erhard Friesenhan, der die Neugliederung als junger Kommunalbeamter erlebt hat. Rolf Bender ergänzte, wie schwierig sich die Zusammenführung des Verwaltungspersonals gestaltete. Dr. Bärbel Sunderbrink konnte anhand der Unterlagen aus dem Archiv zeigen, dass es auch Probleme bei der Übergabe der Akten gab. In Heiligenkirchen wurden sogar Unterlagen bewusst zurückgehalten. Bis heute sind daher Lücken in der Überlieferung einiger Gemeinden zu verzeichnen.

Günter Schütte, bis zuletzt Ratsherr im noch selbständigen Berlebeck, beschrieb anschaulich, dass es bei der Neugliederung auch um die finanzielle Ausstattung der Gemeinden ging. Als florierender Gewerbe- und Fremdenverkehrsort sah man sich auf der Verliererseite der Neugliederung. Diese Wahrnehmung wurde dadurch verstärkt, dass in dieser Zeit die lukrative Heimarbeit zurückging – viele Familien hatten sich zuvor bei Weidmüller ein Zusatzeinkommen verschaffen können. Außerdem blieben mit dem Umbruch im Fremdenverkehr Pensionsgäste weg.

Am Donnerstag, dem 9. März 2017, 15.30 Uhr wird die Veranstaltungsreihe im Stadtarchiv, Willi-Hofmann-Straße 2, fortgesetzt. Dann wird Hans-Gerd Kaulvers aus Pivitsheide v.H. von der Situation im Detmolder Westen berichten. Auch dort war man keineswegs davon angetan, Juniorpartner der großen Stadt Detmold zu werden.

 Der Initiator des Projekts, Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink laden Zeitzeugen und alle Interessierten ins Stadtarchiv/Landesarchiv NRW ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Stadtgeschichtliches Projekt "Detmold und die Kommunale Neugliederung"

Abbildung: Karikatur zur Neugliederung in NRW

Die Detmolder Stadtgeschichte bietet immer wieder Anknüpfungspunkte für interessante Fragestellungen. Nun haben sich das Stadtarchiv und die Volkshochschule in Kooperation mit dem Lippischen Heimatbund und dem Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe die annähernd 50 Jahre zurückliegende Kommunale Neugliederung als neues stadtgeschichtliches Projekt vorgenommen. Die Gebietsreform hat bis heute spürbare Veränderungen für die Stadt Detmold gebracht, die nun historisch aufgearbeitet werden sollen.

Die Bundesrepublik der 1960er Jahre erlebte einen ungeheuren Planungsboom, den auch die Stadt Detmold und ihr Umland zu spüren bekamen. Durch die Gebietsreform von 1970 wurden 25 Gemeinden mit der Stadt Detmold zusammengeschlossen. Es veränderte sich aber nicht nur der Zuschnitt des Stadtgebiets, die Struktur der Verwaltung und die Zusammensetzung des Stadtrates. Die Kontroversen um die kommunale Neugliederung haben auch das Selbstverständnis der Bürgerinnen und Bürger verändert und die Identität der einzelnen Ortsteile gestärkt.

Auftaktveranstaltung in der VHS

Zum Auftakt referierte am 8. Dezember 2016 Prof. Dr. Sabine Mecking, eine versierte Kennerin der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen, über die Spannungen zwischen den rational angelegten Planungsverfahren der Gebietsreform und dem emotionalen Bürgerwillen, der sich dagegen stellte. Sie berichtete über zahlreiche Proteste und Widerstände und fragte nach den Folgen der Reform.

Planungstreffen zum stadtgeschichtlichen Projekt "Detmold und die Kommunale Neugliederung"

Das neue stadtgeschichtliche Projekt bringt interessierte Bürgerinnen und Bürger mit "Experten" zusammen. In mehreren Planungstreffen werden Themen rund um die Kommunale Neugliederung bearbeitet und erforscht. Ziel ist es, über die Darstellung der reinen Fakten hinaus Aufschlüsse über die Wahrnehmungen, Widerstände und Langzeitwirkungen der Neugliederung zu erhalten.

Termine: 9.2. / 9.3. / 11.5. / 8.6. / 13.7.2017 jeweils 15.30- 17.00 Uhr im Stadtarchiv.

Kontakt:

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink, Telefon: 05231-766110

Altbürgermeister Friedrich Brakemeier, Telefon: 05231-59920.

Infoveranstaltung für angehende Stadtführer im Stadtarchiv

DT BA 176: Marktplatz (1910)
Dr. Andreas Ruppert

Die Tourist-Info Detmold führt regelmäßig Schulungen für angehende Stadtführerinnen und Stadtführer durch. Am 21. Februar kamen 22 Interessierte ins Stadtarchiv, um sich einen Einblick in die Detmolder Stadtgeschichte zu verschaffen. Dr. Bärbel Sunderbrink begrüßte die angehenden Stadtführerinnen und Stadtführer und stellte das Archiv als „Gedächtnis der Stadt“ vor. Sie verwies dabei auf die Verantwortung für einen angemessenen Umgang mit stadtgeschichtlichen Themen, auch wenn diese nicht immer anekdotenhaft zu vermitteln sein. Gerade in einer von ihrer Geschichte so sehr geprägten Stadt wie Detmold sollten die Stadtführerinnen und Stadtführer sich Kenntnisse über historischen Entwicklungen und Hintergründen aneignen, wobei das Stadtarchiv gerne überstütze.
In einem spannenden Vortrag informierte Dr. Andreas Ruppert über die Entwicklung Detmolds seit seiner Gründung. Er machte auf die Unsicherheit der Daten zur frühen Stadtgeschichte aufmerksam, beschrieb anhand von Plänen und Abbildungen die Elemente der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt und erinnerte an die Andreasmesse als dem ältesten Jahrmarkt der Stadt. Im zweiten Teil widmete sich Ruppert der neuzeitlichen Entwicklung: er beschrieb die Versorgung der Stadt mit Wasser, den Bau des Friedrichstaler Kanals, die Gründung der Neustadt, die klassizistische Stadterweiterung seit den 1830er Jahren sowie die Veränderungen durch die Bahnanbindung und die Straßenbahn. Er verwies auf die kulturellen Impulse durch die Söhne der Stadt Christian Dietrich Grabbe, Ferdinand Freiligrath und Georg Weerth und sowie auf das Wirken von Albert Lortzing und Johannes Brahms. Ein weiteres Thema waren die politischen Veränderungen durch die Standeserhöhungen der Herren zur Lippe sowie die Revolution von 1918, mit der Lippe zum Freistaat und Detmold zum Sitz einer demokratischen Regierung wurde.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, sich über die stadtgeschichtliche Literatur zu informieren und Fragen zu historischen Themen zu stellen. Das große Themenfeld der Stadterneuerung seit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere das Bürgerengagement für den Erhalt der historischen Kernstadt konnten dabei nur gestreift werden.

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink präsentiert Dokumente zu Staatsminister Hans-Joachim Riecke

Im Rahmen der Veranstaltungen zum "Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus" am 27. Januar 2017 hatten das Stadtarchiv Detmold und das Landesarchiv NRW/Abt. OWL im Foyer des Hauses ausgewählte Dokumente zu NS-Tätern und Opfern zusammengetragen. Für das Stadtarchiv Detmold stand dabei Hans-Joachim Riecke im Fokus, der von 1933 bis 1936 in Detmold gelebt und gewirkt hat.

Der Diplom-Landwirt Hans-Joachim Riecke, 1899 in Dresden geboren, wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 als lippischer Staatsminister eingesetzt. Anfang August 1933 veranlasste er die Überstellung des Journalisten und NS-Gegners Felix Fechenbach aus der Detmolder „Schutzhaft“ ins KZ Dachau. Während des Transports wurde Fechenbach ermordet.

1936 verließ Riecke Lippe und wurde Ministerialdirektor im Reichsernährungsministerium. 1941 stieg er zum Kriegsverwaltungschef in Görings Vierjahresplanbehörde auf und entwickelte Pläne zur Ausbeutung der Nahrungsressourcen im besetzten Osten. Der massenhafte Raub von Lebensmitteln zugunsten der Wehrmacht und der deutschen Zivilbevölkerung bedeutete für Millionen sowjetischer Menschen den Hungertod. Nach dem Krieg wurde Riecke Top-Manager bei dem führenden deutschen Agrarhandelsunternehmen Alfred C. Toepfer und widmete sich in wissenschaftlichen Publikationen den Problemen der Welternährung. Hans-Joachim Riecke starb 1986 hochgeachtet in Hamburg.

Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler aus Detmolder Schulen haben die Präsentation besucht. Dr. Bärbel Sunderbrink las mit ihnen Auszüge aus dem "Felix-Fechenbach-Buch", das die Familie dem Stadtarchiv Detmold zu diesem Zweck übergeben hat. Den bedrückenden Schilderungen über die Ermordung des Regimegegners stellte die Stadtarchivarin das Resümee Hans-Joachim Rieckes gegenüber, mit dem dieser seine Lebensbeschreibung abschloss: "Ich bin's zufrieden". Die Schülerinnen und Schüler nutzten die gegensätzlichen Dokumente, um sich mit NS-Verbrechen, der Selbstwahrnehmung von Tätern und der Integrität archivischer Quellen auseinander zu setzen.  

Weiterführende Literatur: Wigbert Benz, Hans-Joachim Riecke, NS-Staatssekretär. Vom Hungerplaner vor, zum "Welternährer" nach 1945, Berlin 2014   

Filmmatinee „Mich kriegt ihr nicht!“ in der Filmwelt Detmold

Eine Kooperation des Stadtarchivs Detmold und der VHS Detmold-Lemgo

Die abenteuerliche Flucht des Manfred Weil durften die Zuschauerinnen und Zuschauer am 29. Januar 2017 in der "Filmwelt Detmold" mit verfolgen. Manfred Weil, Kölner Jung, Maler und Jude, floh vor dem NS-Regime. Seine Odyssee führte ihn nach Belgien, Frankreich, in die Schweiz - und nach Detmold. Als belgischer Zivilarbeiter getarnt lebte er einige Zeit in der Stadt. Als das Risiko, dass seine wahre Identität entdeckt würde, zu groß wurde, musste er weiterziehen. Vor seinem Tod im Jahr 2015 konnte Manfred Weil zusammen mit dem Regisseur Werner Müller und dem ehemaligen Detmolder Stadtarchivar Dr. Andreas Ruppert die Spuren, die er in Detmold hinterließ, entschlüsseln und für einen bemerkenswerten Dokumentarfilm aufbereiten. Mit der Filmmatinee "'Mich kriegt ihr nicht!' - Die abenteuerliche Odyssee des Manfred Weil" fand dieser Film zurück nach Detmold. Moderiert wurde die Filmmatinee von Stadtarchivar a. D. Dr. Andreas Ruppert. Als besonderer Gast wurde der Regisseur des Films, Werner Müller, begrüßt. Dieser lernte Weil durch einen Zufall kennen: "Ich habe eines seiner Bilder geerbt und wollte wissen, wer der Künstler ist. Von seiner Geschichte wusste ich da noch gar nichts." Aus dem Zufall wurde eine Freundschaft und so erfuhr Werner Müller nach und nach, wie Manfred Weil den Nazis entkommen konnte. Gemeinsam entschlossen sie sich, seine Flucht in aufreibenden 120 Minuten zu dokumentieren. Fünf Jahre dauerten die Arbeiten für den Film an. Herausgekommen ist ein Dokumentarfilm, der auch über Deutschland hinaus Beachtung findet: Inzwischen wurde er sogar für Aufführungen in Frankreich übersetzt.

Holten die Film-Doku nach Detmold: Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink (v.l.), Dr. Evelyn Tegeler, stellvertretende Direktorin der VHS Detmold-Lemgo, Werner Müller, Regisseur des Films „Mich kriegt ihr nicht!“, Stadtarchivar a. D. Dr. Andreas Ruppert und Sylvia Seydler-Müller. Foto: Stadt Detmold

Ausstellung im Foyer des Rathauses „Ich kam allein…!“

Die Ausstellung ist vom 23. Januar - 24. März 2017 montags bis donnerstags von 8:00 bis 17:00 Uhr und freitags von 8:00 bis 13:00 Uhr im Rathaus zu besichtigen. Weitere Termine nach Vereinbarung.

Was bedeutet es für ein Kind, seine Eltern, Geschwister und Freunde zurücklassen zu müssen? Was bedeutet es für Kinder, in ein unbekanntes Land zu reisen, ohne Gewissheit, dort Unterstützung zu finden? Was bewegt die Eltern, ihre Kinder außer Landes zu bringen, in der trügerischen Hoffnung, ihnen bald selbst folgen zu können? 

Das Schicksal jüdischer Kinder, die vielfach über Großbritannien Deutschland verlassen und überleben konnten, berührt. Der Detmolder Fritz Herzberg floh als 18jähriger. Seine nächsten Angehörigen, die gehofft hatten, Fritz würde ihnen den Weg ins Ausland ebnen können, wurden ermordet. Gleichermaßen anrührend ist das Schicksal junger Flüchtlinge, die heute unbegleitet Schutz in der westlichen Welt suchen. In Detmold leben Kinder aus Krisengebieten, die unsere Unterstützung benötigen. 

Der Ortsverband Detmold des Deutschen Kinderschutzbundes, der die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Stadt/Stadtarchiv nach Detmold geholt hat, möchte die Brücke schlagen in die Gegenwart und auf das Schicksal geflüchteter Kinder aufmerksam machen – auf ihre Fluchtgeschichte, ihre Ängste und ihre Hoffnungen. 2017 wie einst 1939.

Der Dank gilt Shafiqullah (17 Jahre aus Afghanistan), Rama und Maha (beide 15 Jahre aus Syrien), die für die Ausstellung ihre persönliche Geschichte erzählt haben. 

Nach dem Ende der Ausstellung im Rathaus können die sechs Info-Tafeln, die das bewegende Schicksal Fred Herzbergs beschreiben, von Schulen und interessierten Initiativen vom Stadtarchiv Detmold entliehen werden.

Fred Herzberg lebte bis zu seinem Tod mit dem Gefühl, versagt zu haben, da er seine Familie nicht hatte retten können, und zudem mit seiner eigenen "Überlebensschuld". 1947 emigrierte er zu seinem Onkel Hugo und dessen Frau Hilde in die USA. Er trat in dessen Schmuckgroßhandel in St. Louis ein und versuchte, sich einem neuen Leben zu widmen. Es war für Fred Herzberg undenkbar, jemals wieder deutschen Boden zu betreten. Dieses Versprechen hielt er zeit seines Lebens ein. 1950 heiratete er Lottie Jacobs (früher Jacobsthal), die ebenfalls mit einem Kindertransport aus Deutschland hatte fliehen können. Allerdings war sie nach Schweden gelangt. Nach nur wenigen Jahren starb Lottie Herzberg 1956 an einer psychosomatischen Erkrankung, die auch Fred in der Verfolgungszeit begründet sah. 1959 heiratete er zum zweiten Mal: Auch Lore Muller aus Hamburg hatte als Kind nach England flüchten können, ebenso ihr jüngerer Bruder Claud (früher Klaus), der wie Fred zunächst in Dovercourt aufgenommen worden war. So verbanden sich ihre Lebenswege in den tragischen Ereignissen ihrer Vergangenheit. 1961 kam Freds und Lores Tochter Joanne zur Welt, die nun den Namen ihrer Großmutter Johanna trug. Über die Vergangenheit und das eigene Schicksal, das von der Katastrophe zerrissen worden war, sprach Fred Herzberg erst in hohem Alter und nur auf beharrliches Drängen der Enkelgeneration seiner einstmals großen Familie. Die über 400 Briefe und Postkarten seiner ermordeten Eltern und vieler Verwandter hatte er sorgsam aufbewahrt - und stets für sich behalten. Erst nach seinem Tod im Jahre 2008 wurde offenbar, was sich darin verbarg und welche Reise er 1939 angetreten hatte, im Laufe derer aus Fritz Fred wurde und die ihn nicht mehr nach Hause zurückführte.  

Impulsreferat "Europas Zukunft hat Vergangenheit. Zeitzeugen"

Detmolds Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink sprach am zweitenTag der Europakonferenz über die Vergangenheit Europas, deren Zivilisationsbrüche und die Verantwortung, die für die Zukunft daraus erwächst. Die Vortrag liegt in deutscher und englischer Fassung vor.   

Geschichtswettbewerb

Der größte historische Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Schirmherr ist der jeweilige Bundespräsident. Die Körber-Stiftung aus Hamburg organisiert ihn. Das Landesarchiv NRW, Abt. OWL, unterstützt den Wettbewerb. Das Stadtarchiv Detmold hilf mit Unterlagen und Beratung.

Der Wettbewerb richtet sich an Kinder und Jugendliche aller Schulformen bis 21 Jahre. Jede Ausschreibung hat ein neues Motto, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich ihr persönliches Forschungsfeld suchen. Die Schülerarbeiten müssen im lokalen oder regionalen Umfeld liegen. Sie können auch die Geschichte der eigenen Familie aufarbeiten.

Hier geht es zum Geschichtswettbewerb: Geschichtswettbewerb 

Anschrift

Stadtarchiv Detmold
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
stadtarchivdetmold.LOESCHE_DIES.de
Empfang: Tel. 05231 / 766-0 

Öffnungszeiten des Lesesaals

Mo 8:00-19:00 Uhr
Di, Mi, Do 8:00-16:00 Uhr
Fr 8:00-13:00 Uhr

Bestellung von Archivalien aus den Magazinen

Mo, Di, Mi, Do
9:00, 10:00, 11:00,
12:00, 13:30, 14:30 Uhr

Fr 9:00, 10:00, 11:00,
11:30 Uhr

Beratung

Beratung nach vorheriger Terminabsprache möglich.   

Historisch

783: Der Name Detmold wurde als „Theotmalli“ zum ersten Mal in einem Bericht über eine Schlacht zwischen Franken und Sachsen erwähnt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die heutige Stadt Detmold. Das Detmolder Stadtgebiet wurde erst später besiedelt.

Ab 1194: Bau der Falkenburg als erster Sitz der Edelherren zur Lippe auf dem Territorium ihrer sich allmählich verfestigenden Landesherrschaft. Die Höhenburg im Ortsteil Berlebeck war bis zum Brand Mitte des 15. Jahrhunderts ein Zentrum der herrschaftlichen Macht.

Vermutlich verlieh Edelherr Bernhard III. zur Lippe vor 1265 der Siedlung an seiner an der Oberen Werre gelegenen Burg die Stadtrechte.

1305: Älteste erhaltene Urkunde aus Detmold, ausgestellt von den Bürgermeistern und der Bürgerschaft der Stadt „Detmelle“.

1447: Zerstörung Detmolds in der „Soester Fehde“ durch kölnische Truppen. Wenig später wurde die Burg zur stärksten Festung des Landes ausgebaut.

1528 erfolgte die Erhebung der Edelherren zur Lippe zu Grafen.

1538: Im Zuge der sich ausbreitenden Reformation wurden die lippischen Pfarrer in die Detmolder Kirche geladen, um sie in die Regeln des neuen Bekenntnisses einzuweisen.

1547: Dem großen Stadtbrand fielen etwa 70 Gebäude zum Opfer.

Um 1590 hatte Detmold etwa 700 Einwohner.

Zwischen 1653 und 1661 wurden in Detmold 19 Personen unter Verdacht auf Hexerei zum Tod verurteilt.

1605 führte der Calvinist Graf Simon VI. das reformierte Bekenntnis ein.

1789: Die Grafen zur Lippe wurden vom Kaiser zu Fürsten erhoben.

Um 1835 lebten etwa 4000 Menschen in der Stadt Detmold.

Während der Revolution von 1848 forderten Bürger vor dem Schloss demokratische Rechte.

1875: Kaiser Wilhelm I. weihte das Hermannsdenkmal ein. Es soll an die siegreiche Schlacht der einheimischen Cherusker gegen römische Legionen erinnern. Bereits 1838 war der Grundstein für das Denkmal gelegt worden.

1880: Mit der Eröffnung der Strecke nach Herford erhielt Detmold Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1895 wurde die Bahnstrecke nach Altenbeken verlängert.

1917 starben 72 Menschen, zumeist jugendliche Arbeiterinnen, bei einem Explosionsunglück in einer Munitionsfabrik, die Rüstungsgüter für den Ersten Weltkrieg herstellte.

Zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Kernstadt von 12.000 auf fast 23.000.

1938 zerstörten Nationalsozialisten die Synagoge. In der Zeit des NS-Regimes wurden mehr als 160 Menschen aus Detmold aus rassischen, religiösen und politischen Gründen ermordet, viele weitere wurden verfolgt.

Als Anfang April 1945 amerikanische Truppen die Stadt einnahmen, endete für Detmold der Zweite Weltkrieg. Wenige Wochen später folgte die britische Rheinarmee als Besatzungsmacht.

1947: Lippe schloss sich nach erfolgreichen Verhandlungen als dritter Landesteil Nordrhein-Westfalen an. Die Stadt wurde Sitz der Bezirksregierung Detmold.

1966: Eröffnung des LWL-Freilichtmuseums auf dem Gelände des ehemaligen fürstlichen Tiergartens.

1970: Bei der Kommunalen Neugliederung schlossen sich 25 Gemeinden mit der Stadt Detmold zusammen. Die Bevölkerungszahl wuchs von 30.000 auf 63.000 an.

1995: Beginn des Abzugs der britischen NATO-Streitkräfte.

2009: Die Ausstellung „Mythos“ klärte 1000 Jahre nach dem Kampfgeschehen über den historischen Hintergrund der Varusschlacht auf.