
das Stadtarchiv ist das „Gedächtnis” der Stadt. Es übernimmt, verwahrt, ergänzt und erhält Unterlagen zu dessen Geschichte.
Das Stadtarchiv steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen.
Die stets spannende Online-Zeitschrift für lippische Geschichte, Rosenland, hat eine Ausgabe zum Hermannsdenkmal herausgebracht, die jetzt in einer Druckfassung beim Heimatverein Hiddesen erhältlich ist. Neun Beiträge befassen sich mit Themen rund um die Geschichte des lippischen Wahrzeichens auf der Grotenburg. Mitherausgeber ist das Stadtarchiv Detmold, Dr. Bärbel Sunderbrink hat den Band konzipiert und redaktionell betreut.
„Ist denn nicht schon alles geschrieben, was es zum Denkmal zu berichten gibt?“ Diese provokante Frage können die Herausgeber klar mit „Nein!“ beantworten. Zwar ist das Denkmal häufig beschrieben, sein Entstehungszusammenhang dargestellt und die Frage der historischen Bedeutung thematisiert worden, doch es lassen sich auch mehr als 150 Jahre nach seiner Erbauung noch neue Perspektiven ausmachen, die in diesem Band zusammengefasst werden. Auf 166 Seiten beweist die Ausgabe des Rosenland, dass selbst gute Kenner des Hermannsdenkmals noch Unerwartetes erfahren können.
Ein reich bebilderter Aufsatz von Dr. Joachim Eberhardt zeigt, dass Ernst Bandel vielfältig künstlerisch tätig war – und dass er ein Talent zur Selbstinszenierung besaß, was durchaus zur Legendenbildung und zur Verklärung seiner Person beigetragen hat. Dr. Bärbel Sunderbrink erzählt als Stadtarchivarin die lange Beziehungsgeschichte zwischen Denkmal und Stadtgesellschaft. Die Detmolder haben das als Nationaldenkmal konzipierte Monument für Zwecke der Selbstdarstellung vereinnahmt, scheiterten aber in der Nachkriegszeit damit, es als neues Denkmal für die Einheit Deutschlands zu installieren.
Auch zwei Denkmale außerhalb Lippes werden thematisiert: Wenig bekannt ist, dass gleichzeitig mit dem Hermannsdenkmal im französischen Alesia ein Denkmal entstand, das gleichfalls an die antiken Auseinandersetzungen mit den Römern erinnern sollte. Dr. Charlotte Tacke beschreibt, wie das Vercingetorix-Denkmal auf kaiserliche Initiative entstand, jedoch in der Bevölkerung kaum Wahrnehmung erfuhr. Das Hermannsdenkmal in New-Ulm im Bundesstaat Minnesota war bis zum Ersten Weltkrieg ein wichtiges Symbol für deutsche Auswanderer. Dr. Julia Lange stellt dar, welche Identitätszuschreibungen Deutsch-Amerikaner mit diesem Denkmal verbanden, und wie es nach dem Zweiten Weltkrieg zum Symbol für die deutsch-amerikanische Freundschaft werden sollte. Auch in Lippe finden sich noch Spuren vom „Kleinen Bruder“ in den USA, denen Roland Linde nachgegangen ist.
Dass „der Hermann“ heute ein wichtiger Startpunkt für einen großartigen Volkslauf ist, steht außer Frage, doch auch in der Vergangenheit spielte das Monument für Turnbegeisterte eine wichtige Rolle. Der Sporthistoriker Dr. Florian Lueke hat sich diesem Komplex gewidmet und die Beteiligung der „Deutschen Turner“ an der Denkmalweihe nachgezeichnet. Ein besonderer Höhepunkt in der Sport- und Denkmalgeschichte war ein Staffellauf zum 50. Jubiläum 1925. Politische Vereinnahmungen werden in vielen der Beiträge benannt, besonders aber bei Jürgen Hartmann, der belegt, dass das Denkmal, für dessen Erbauung auch Spendengelder von jüdischen Deutschen verwandt wurden, als Symbol des politischen Antisemitismus instrumentalisiert wurde.
Über alle politischen Systemwechsel hinweg blieb das Denkmal ein Markenzeichen der regionalen Tourismuswerbung. Dr. Matthias Frese belegt, dass man selbst in der NS-Zeit politische Aussagen vermied. Die Beziehung zwischen dem Denkmal und dem Ort zu seinen Füßen wird von Roland Linde facettenreich beschrieben. Mit der Errichtung des Hermannsdenkmals war ein Entwicklungsschub für die Gemeinde Hiddesen verbunden, so dass sie nach 1875 zu einem beliebten Luftkurort mit kleinstädtischem Charakter wurde.
Der Band geht zurück auf eine Tagung, die im Mai 2025 anlässlich des Jubiläumsjahres vom Stadtarchiv Detmold, Heimatverein Hiddesen und Lippischen Heimatbund gemeinsam auf die Beine gestellt wurde.
Zum Preis von 10 Euro ist die Themenausgabe von Rosenland beim Heimatverein Hiddesen/Haus des Gastes, Hindenburgstraße 58, zu erhalten. Kostenfrei steht sie zum Download unter www.rosenland-lippe.de bereit.
Stadtgeschichtliches Projekt zur Stadtsanierung in Detmold
Samstag, 12. September 2026, 14:00 Uhr, Treffpunkt: Landestheater Detmold
Als Detmold die goldene Plakette gewann! Stadtrundgang auf den Spuren der Stadtplanerin Elisabeth Steichele, Zum Tag des Offenen Denkmals mit Dr. Bärbel Sunderbrink und Friedrich Brakemeier
1979 wurde Detmold Bundessieger im Wettbewerb „Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau“. Mit der Auszeichnung wurde der Einsatz einer kritischen Bürgerschaft und der Abschied von einer überdimensionierten Expertenplanung belohnt. Wie sich die Stadt der Wettbewerbskommission präsentierte, welche Ideen und Umsetzungen gezeigt wurden und was die Kommission besonders beeindruckte, erfahren Sie auf dem Weg vom Landestheater durch die Altstadt zum Neuen Palais. Im Mittelpunkt steht die Stadtplanerin Elisabeth Steichele, die maßgeblich am Erfolg des Denkmalwettbewerbs Anteil hatte.
Freitag, 16. Oktober 2026, 14:00 Uhr, Treffpunkt: Parkplatz Thüringerstraße (Spork-Eichholz)
Wanderung auf der geplanten Südumgehung
mit Uwe Feist und Mitgliedern des Stadtgeschichtlichen Projekts
Die Planungen für die Detmolder Südumgehung erhitzten in den 1980er Jahren die Gemüter in Politik und Stadtgesellschaft. Vorgesehen war eine mehrspurige Straße, die direkt am Freilichtmuseum entlang und über eine Brücke in Richtung Heidenoldendorf geführt werden sollte. Wurde im letzten Jahr der geplante Verlauf der Südumgehung westlich der Inselwiese begangen, soll diesmal der östliche Streckenverlauf zwischen Schönemark und Paderborner Straße vorgestellt werden. Auf einer ca. zweistündigen Wanderung auf Teilstücken der vorgesehenen Trasse werden die Planungen und die Widerstände dagegen vor Augen geführt.
Dienstag, 17. November 2026, 18:00 Uhr, Stadtarchiv Detmold, Willi-Hofmann-Str. 2
Die „Bürgeraktion Stadtsanierung“ wird Geschichte. Eine Bilanz
mit Frank Budde, Friedrich Brakemeier, Dr. Bärbel Sunderbrink und Mitgliedern des Stadtgeschichtlichen Projekts
2026 hat sich der 1973 gegründete Verein „Bürgeraktion Stadtsanierung“ aufgelöst. Seine Impulse haben wesentlich dazu beigetragen, dass weite Teile der historischen Altstadt Detmolds erhalten geblieben sind. Bürgerinitiativen konnten vor 50 Jahren technokratische Bauexperten kaum stoppen. In der Rückschau weiß man aber, dass Städte, die ihre historische Bausubstanz den modernen Zweckbauten geopfert haben, langfristig unter einem Identitätsverlust leiden. Hat sich der Einsatz der „Bürgeraktion Stadtsanierung“ in Detmold gelohnt? Dieser Frage gehen Zeitzeugen und Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Projekts nach und geben einen Überblick, welche Projekte der Stadtplanung verhindert werden konnten, welche aber auch gegen bürgerschaftliche Proteste umgesetzt wurden.
Das stadthistorische Projekt zur Stadtsanierung
1972 gründete sich in Detmold die „Bürgeraktion Stadtsanierung“, um den Abriss großer Teile der Altstadt und eine autogerechte Umgestaltung der Stadt zu verhindern. Die engagierte Bürgerschaft setzte sich erfolgreich gegen die Pläne des Stadtplaners Friedrich Spengelin und eine überdimensionierte Verkehrsführung durch die Innenstadt zur Wehr. Heute dokumentiert ein Bürgerprojekt unter Leitung von Altbürgermeister Friedrich Brakemeier und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink diese bewegte Zeit und lädt zur Beteiligung ein.
Freitag, 11.9.2026, 15 Uhr, Treffpunkt Marktplatz
Detmold 1875: Spurensuche zur Denkmalseinweihung
Roland Linde, Dr. Bärbel Sunderbrink
Als das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg eingeweiht wurde, war das auch in der Stadt Detmold ein Grund zum Feiern. Die Bürger schmückten die Straßen und das Rathaus wurde illuminiert, tausende Besucher reisten an, der Kaiser war im Residenzschloss zu Gast, in der Ressource wurde Glückwunschpost aus aller Welt verlesen. Auf der Spurensuche vom Rathaus bis zum Kaiser-Wilhelm-Platz werden Bau-, Park- und Kriegerdenkmäler vorgestellt, die rund um den 16. August 1875 eine besondere Bedeutung hatten. Der Historiker Roland Linde und die Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink erklären auch, wie die Stadt in den 1870er Jahren über den historischen Stadtkern hinauswuchs und was dies mit der Gründung des Deutschen Reichs zu tun hatte.
Stadtarchiv in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe.
Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold, 27. Mai 2026
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V. haben dieses Mal Personen für die Ehrung ausgewählt, die als Lehrpersonen für die jüdischen Menschen der Region eine große Bedeutung hatten. Hier – im Haus Freiligrathstraße 13, wohnte HEDWIG BLOCK, eine Englischlehrerin.
Im Februar 1942 musste Hedwig Block ihr Haus verlassen und in ein sogenanntes Judenhaus umziehen. Wenig später wurde sie in das Warschauer Ghetto deportiert. Sie ist unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Möglicherweise traf sie in Warschau auf den aus Detmold stammenden Jürgen Stroop, der das Warschauer Ghetto nach dem mutigen Aufstand der letzten jüdischen Bewohner 1943 liquidierte. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie bereits im Sommer 1942 am sogenannten Umschlagplatz am Rande des Ghettos in einen der Züge nach Treblinka steigen musste und nach ihrer Ankunft dort wie tausende andere sofort vergast wurde.
Die Entrechtung Hedwig Blocks begann aber viel früher - und war sichtbar hier in der Detmolder Stadtgesellschaft. Für jeden von uns heute gilt die Unverletzlichkeit der Wohnung, der Schutz des Eigentums durch den Staat. Für Hedwig Block, der dieses Gebäude gehörte, galt das nicht.
Hedwig Block hat das Haus von ihren Großeltern geerbt. Die Familie Schiff war eine Kaufmannsfamilie, seit dem frühen 19. Jahrhundert in Heidenoldendorf ansässig. Die Familie war durch Leinenhandel, Immobiliengeschäfte und Geldverleih wohlhabend geworden. Das ermöglichte ihr, hier in einer vornehmen Gegend der Stadt 1884 eine Immobilie zu erwerben. Das Mehrfamilienhaus wurde 1877 in einer Zeit errichtet, als sich Detmold sehr veränderte. Dieses außerhalb der Kernstadt erschlossene Villenviertel war attraktiv für Menschen mit Ansehen und einem gewissen Vermögen. Die jüdische Familie Schiff gehörte dazu! Als Lipper mit lippischer Staatsangehörigkeit. Und als Angehörige einer bürgerlichen Schicht.
Hedwig Block ist am 2. Januar 1885 in Berlin zur Welt gekommen. Ihr Mutter, Lina, ist eine geborene Schiff und stammt aus Detmold, ihr Vater Elias ist Kaufmann. Die Familie lebt in Berlin, mit drei Töchtern und einem Sohn.
Seit ihrem 5. Lebensjahr wohnt hier Hedwig Block bei ihren Großeltern in Detmold. Sie besucht hier das Lehrerseminar und ist als Sprachlehrerin tätig. Sie ist literarisch interessiert, hält Vorträge im jüdischen Frauenbund und ist im Jüdischen Kulturbund aktiv. Nachdem die jüdischen Kinder keine öffentlichen Schulen mehr besuchen durften, wurde Hedwig Block 1940 von der Jüdischen Kultusgemeinde Detmold als Lehrerin für die jüdische Volksschule in der Gartenstraße 6 angestellt. Dort unterrichtete sie das Fach Englisch. Ihre Sprachkompetenz kam zahlreichen Ausreisewilligen aus der jüdischen Gemeinde zugute, die von ihr Briefe und Dokumente ins Englische übersetzen bzw. ins Deutsche übertragen ließen.
Hedwig Block hatte lange die Belletage, also das erste Obergeschoss dieses Hauses bewohnt: Vier Räume mit Blick in die Freiligrathstraße. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der finanzielle Spielraum enger: Sie vermietete eine Mansarde an Ida Ahrensberg, eine ältere Witwe, die ihr Haus am Wall hatte verkaufen müssen und später nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie selbst bezog 1936 die Dachgeschosswohnung: zwei Zimmer, Küche und Abstellraum. Ihre eigene Wohnung hatte sie an einen Lithografen, Karl Ohle mit Frau und Tochter, vermietet. Man verstand sich: Ohle übernahm Hausmeistertätigkeiten und kümmerte sich um den Garten. Hedwig Block wollte der Familie ein Vorkaufsrecht einräumen. Dazu kam es aber nicht mehr. Unmittelbar nach ihrer Zwangsumsiedlung in die Sachsenstraße 4 Anfang Februar 1942 brachte die Stadtverwaltung im Dachgeschoss eine sechsköpfige Familie unter, die das Wohlwollen des NSDAP-Kreisleiters Wedderwille genoss.
Wenige Wochen nach ihrer Übersiedlung ins Judenhaus wird Hedwig Block am 30. März 1942 nach Bielefeld gebracht. - Zusammen mit Käthe Rosenstein aus Beverungen, einer Schülerin der jüdischen Schule, die die letzten Monate bei ihr gelebt hatte. Von Bielefeld aus ging es in Güterwagen nach Warschau. Dort verliert sich die Spur der Detmolderin.
Nach ihrer Deportation wurde das Haus auf das Deutsche Reich umgeschrieben. Umgehend gingen Kaufangebote von Interessenten beim zuständigen Finanzamt ein – es ist eine Tatsache, dass die Deutschen aus dem Leid der Juden Profit schlagen wollten. Auch für diese Immobilie ist das belegt. Scham gab es nicht. Zum Verkauf kam es allerdings erst einmal auch nicht: Aus Rücksichte auf die eingezogenen Soldaten verschob man die Geschäfte mit den enteigneten Immobilien auf die Nachkriegszeit. Damit blieb das Gebäude im Besitz des Deutschen Reichs, bis Alfred Block, der Bruder Hedwig Blocks, der in die USA emigrieren konnte, es zurückforderte.
Zunächst hatte er mit einer Annonce in der jüdischen Zeitschrift „Aufbau“ seine Schwestern gesucht – vergeblich. Als klar geworden war, dass Hedwig Block nicht mehr lebte, bekam er die Immobilie nach einem langwierigen Verfahren zurück. Als er 1952 Gerichtskosten bezahlen sollte, weil noch nicht alle Todeserklärungen eingegangen seien, schreibt er verzweifelt: „Hat es nicht genuegt, dass man meine Familie feiglings ermordet hat? … Ich verlange kein Geschenk, bin es aber leid, auch noch fuer meine Ausstaende zu betteln. Das Haus war nie verkauft und moechte ich endlich ueber das wenige, dass das deutsche Volk nicht geraubt hat, selbst frei verfuegen.“ (Schreiben vom 27.9.1952)
Die Schikanen gegenüber den Familien der Ermordeten endeten also nicht 1945. Alfred Block ertrug die kräftezehrenden Auseinandersetzungen mit den deutschen Behörden offensichtlich nicht länger. Er verzichtete auf mögliche Entschädigungen für Hausrat und Wertgegenstände und verkaufte das Haus 1955 an einen Kinderarzt.
Quellen:
Gudrun Mitschke-Buchholz, Gedenkbuch für die Opfer der nationalistischen Gewaltherrschaft der Stadt Detmold [Links BLOCK, Hedwig ARENSBERG, Ida, geb. Dreyer ROSENSTEIN, Käte (Käthe)
Nicolas Rügge, Heidenoldendorf. Die Geschichte des „alten Dorfes“ bei Detmold von den Anfängen bis zur Eingemeindung, Detmold 2025
LAV NRW OWL D 27 Nr. 2704, Nr. 7191.
Ich danke Jürgen Hartmann für Hinweise zur Herkunftsfamilie Hedwig Blocks.
Bürgermeister Frank Hilker würdigt jüdische Persönlichkeiten – Schulen übernehmen Patenschaften und gestalten würdiges Gedenken
Mit der Verlegung von acht neuen Stolpersteinen an drei Standorten hat die Stadt Detmold ein wichtiges Zeichen für die lebendige Erinnerungskultur und gegen das Vergessen gesetzt. Die feierlichen Einweihungen in der Elisabethstraße, der Freiligrathstraße und der Lemgoer Straße wurden maßgeblich von Detmolder Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Leopoldinum und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule sowie von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe gestaltet. Insgesamt zählen die Straßen der Kulturstadt nun 42 dieser dezentralen Mahnmale: 41 Stolpersteine und eine Stolperschwelle.
Persönlichkeiten des Bildungssystems diesmal im Mittelpunkt
Die hinzugekommenen Stolpersteine erinnern an Detmolder Bürgerinnen und Bürger, die das gesellschaftliche und schulische Leben der Stadt bis zu ihrer systematischen Ausgrenzung und Ermordung durch das nationalsozialistische Regime tief geprägt haben. Im Fokus des Gedenkens standen die Lehrerin Hedwig Block, der Lehrer und Prediger Moritz Rülf mit seiner Ehefrau Erika sowie das Ehepaar Max und Elli Alexander, das die jüdische Bildungsarbeit und Seelsorge unter extremsten Bedingungen bis zu seiner Deportation fortführte.
Bürgermeister Frank Hilker unterstrich in seinen Worten den außergewöhnlichen Charakter des Projekts Stolpersteine, das vor rund drei Jahrzehnten von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen wurde. Die NS-Ideologie, so Hilker, habe auf die vollständige Vernichtung von Leben, Identität und Erinnerung abgezielt. Das dezentrale Mahnmal breche die anonyme Masse der Millionen Opfer auf das Schicksal des Einzelnen herunter: „Wenn wir heute diese Steine in den Bürgersteig einlassen, setzen wir genau dort an, wo das Unrecht begann: mitten im Alltag, vor den ehemaligen Wohnhäusern und Wirkungsstätten unserer früheren Nachbarinnen und Nachbarn.“
Starkes Zeichen der Jugend: Schulen übernehmen Verantwortung
Ein zentraler Bestandteil der Verlegungen war das besondere Engagement der jüngeren Generation. Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Leopoldinum sowie der Geschwister-Scholl-Gesamtschule übernahmen nicht nur die Patenschaften für die Pflege der neuen Stolpersteine, sondern zeichneten auch für die feierliche Ausgestaltung der Zeremonien verantwortlich. Mit bewegenden Wort- und musikalischen Beiträgen, eigens erarbeiteten künstlerischen Werken sowie der sensiblen Gestaltung von individuellen Gedenksteinen verliehen die Jugendlichen der Veranstaltung eine tiefe, persönliche Würde.
Dieses Engagement knüpft direkt an den Appell des Bürgermeisters an, der die doppelte Bedeutung der Gedenkarbeit hervorhob: den Blick nach unten auf die historischen Fakten vor Ort und den Blick nach vorn als moralische Pflicht für die Gegenwart. „Gedenkarbeit ist kein Selbstzweck und keine reine Pflichtübung gegenüber der Vergangenheit. Sie ist eine ständige Überprüfung unseres eigenen Kompasses im Hier und Jetzt“, machte Frank Hilker deutlich.
Die Biografien von Hedwig Block, Familie Rülf und Familie Alexander hielten den Detmolderinnen und Detmoldern schmerzhaft vor Augen, wie schnell ein Rechtsstaat erodieren kann und wie existenziell Zivilcourage, Bildung und gegenseitige Unterstützung in einer funktionierenden Gesellschaft sind.
Würdevoller Abschluss und Dank
Den emotionalen und spirituellen Schlusspunkt der jeweiligen Einweihungen setzten Joanne Herzberg und Petra Hölscher von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Sie sprachen am Ende der Zeremonien an allen drei Verlegeorten das traditionelle jüdische Totengebet (Kaddisch) sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache und schenkten den Anwesenden damit einen Moment des Innehaltens.
Bürgermeister Frank Hilker richtete einen großen Dank an alle Beteiligten, insbesondere an die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die den entsprechenden Antrag in den Detmolder Stadtrat eingebracht hatte: „Ich danke allen Beteiligten, die durch ihre Mitwirkung und historische Recherche die Verlegung dieser acht Steine ermöglicht haben. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für das demokratische Bewusstsein unserer Stadt.“
Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt
Stadtrundgang mit Frank Budde „Häuser vor den Toren der Stadt“
Freitag, 22. Mai 2026, 16 Uhr, Treffpunkt Freiligrathstraße/Wall
Die Projektgruppe „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ lädt am Freitag, 22.05.2026 um 16 Uhr zu einem spannenden Stadtrundgang ein. Unter dem Titel
„Häuser vor den Toren der Stadt“ wirft Frank Budde, Detmolder Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Blick auf Häuser, die durch umfassende Verkehrsplanungen Anfang der 1970er Jahre vom Abriss bedroht waren.
Als in den 1970er Jahren die Stadt Detmold autogerecht umgebaut wurde, waren von den Planungen zahlreiche historische Gebäude betroffen. Auch der Lippische
Hof stand schon auf Abriss und sollte einer Abbiegespur weichen. Nicht nur dieser massive Eingriff in die historische Bausubstanz konnte abgewendet werden. Die
Bürgeraktion Stadtsanierung kämpfte auch erfolgreich gegen Pläne, die Häuserzeile an der Südseite der Hornschen Straße für die Verbreiterung der Straße abzureißen.
Die Gartenstraße schien zeitweise ebenfalls durch Straßenbaupläne im Bestand gefährdet. Heute ist das Viertel zwischen Hornscher Straße und Palais ein Beispiel für gelungenen Denkmalsschutz und angepasster Nachverdichtung.
am Samstag, den 11. Juli 2026, findet in der Stadthalle Detmold meine gemeinsame Veranstaltung mit der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi unter dem folgenden Titel statt:
„AUSCHWITZ – Ich überlebte die Todeshölle!“
Eva Szepesi zählt zu den bekanntesten Auschwitz-Überlebenden in Deutschland und erreichte zuletzt bundesweite Aufmerksamkeit durch ihre Rede im Deutschen Bundestag zum Holocaust-Gedenktag.
Diese Veranstaltung gehört vermutlich zu den letzten Möglichkeiten, einer Auschwitz-Überlebenden persönlich begegnen zu können, dies in Detmold.
„Stadtgeschichtliches Projekt“: Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt
Dienstag, 21. April, 18 Uhr Stadtarchiv, Willi-Hofmann-Straße 2
Hornsches Tor: gestern – heute - morgen
Vortrag von Dr. Bärbel Sunderbrink (Stadtarchiv Detmold) und Thomas Lammering (Baudezernent der Stadt Detmold)
Bis in die Frühe Neuzeit trennte eine Befestigungsanlage mit Mauer und Wall die Stadt vom Umland. Vor den Toren lagen die Gärten der Bürgerinnen und Bürger. Seit den 1830er Jahren wurde dieses Gebiet im Zuge erster Stadterweiterungen bebaut. Die Verbreiterung der Paulinen- und Hornschen Straße ab den 1950er Jahren veränderte das Erscheinungsbild deutlich. Später führte der Bau eines Einkaufscenters zu neuen Nutzungen in einem zuvor kleingewerblich geprägten Areal. Im „Stadtgeschichtlichen Projekt“ wurde die bauliche Entwicklung vor dem Hornschen Tor aufgearbeitet. Zudem erläutert Baudezernent Thomas Lammering aktuelle Planungen für das Gebiet zwischen Hornscher Straße und dem denkmalgeschützten Bereich der Kernstadt.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Veranstaltung des Stadtarchivs Detmold in Kooperation mit der VHS Detmold-Lemgo.
Ein stadtgeschichtliches Projekt zeigt, wie Detmolds Entwicklung nach 1970 dokumentiert und bewahrt wird.
Die Projektgruppe „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ lädt am Dienstag, 24. Februar, um 18 Uhr zu einem spannenden Abend in das Stadtarchiv Detmold (Willi-Hofmann-Straße 2) ein. Ursprünglich für den 9. Dezember 2025 geplant, musste die Veranstaltung wegen Krankheit abgesagt werden.
Unter dem Titel „Spannende Nachlässe und Quelle: Die Stadtsanierung im Stadtarchiv geben Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink und Petra Schröder-Heidrich (Mitglied der Projektarbeitsgruppe) Einblicke in die bewegte Stadtgeschichte der Kommunalen Neugliederung 1970.
In dieser Zeit wurden überdimensionierte Planungen angestoßen, die das Gesicht Detmolds grundlegend verändert hätten. Neben offiziellen Akten zur Stadtsanierung bewahrt das Archiv auch Unterlagen der Bürgeraktion Stadtsanierung auf. Dr. Sunderbrink und Schröder-Heidrich berichten, wie oft Zufälle und persönliche Verbindungen darüber entscheiden, dass wertvolle Dokumente ins Stadtarchiv gelangen und für die Nachwelt erhalten bleiben.
An diesem Abend werden Originaldokumente präsentiert und ihre Bedeutung für die Detmolder Stadtgeschichte erläutert.
Interessierte sind herzlich eingeladen, mehr über die spannenden Funde und die Arbeit des Stadtarchivs zu erfahren. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Dr. Bärbel Sunderbrink, Leiterin des Detmolder Stadtarchivs, unter stadtarchiv@detmold.de oder telefonisch unter 05231/766110.
Sonntag, 8. März 2026
Lippische Archive zu Gast im Landesarchiv NRW, Abteilung OWL in Detmold,
Willi-Hofmann-Straße 2 · 32756 Detmold
Zum Flyer als PDF
Programm
11.00 – 17.00 Uhr: Erkundungen im Lesesaal – Lippische Archive und Museen stellen sich vor.
11.00 – 17.00 Uhr: Kinder und Jugendliche können in der Schreibwerkstatt alte Schreibutensilien und Papier kennen lernen und selbst Urkunden erstellen.
11.00 – 14.00 Uhr: Papiersprechstunde mit der Restauratorin. Sie beantwortet Fragen zum Zustand von privaten Dokumenten und Büchern und gibt praktische Tipps zur Lagerung und Restaurierung von Briefen, Notizbüchern und Fotoalben. (Anmeldung erbeten unter: owl@lav.nrw.de).
11.15 Uhr – 17.00 Uhr: Kurzvorträge „Nachlässe im Archiv“
12.30 Uhr: Archivführung, die auch die sonst für Besucherinnen und Besucher gesperrten Bereiche vorstellt.
14.15 Uhr: Sonderführung durch die Sammlungen im Landesarchiv (Dr. Annette Hennigs)
Vortragsprogramm
11.15 – 12.30 Uhr: Dieter Zoremba, Stadtarchiv Blomberg
Nachlässe im Blomberger Stadtarchiv als interessante Quellen der Alltagsgeschichte
Sonja Beinlich, Stadtarchiv Bad Salzuflen
Lokale Herkunft, koloniale Handlungsspielräume: Die Familie Schmidt aus Schötmar in Deutsch-Ostafrika
Elena Boßmeyer, Archiv der Hochschule owl
Die verstreute Überlieferung der Tischler-Fachschule in Detmold
13.30 Uhr – 14.15 Uhr: Julia Plötzgen, Stadtarchiv Lemgo
Das Vermächtnis des Clemens Becker. Eine Spurensuche nicht nur im Stadtarchiv Lemgo
Dr. Sarah Masiak, Kreisarchiv Lippe
Eine eigene „Wiedergutmachung“. Essen, Kleidung, Freizeit, Wohnung. Dazwischen viel Liebe – aus dem Nachlass des Lehrers Batzke (Oerlinghausen)
15.15 Uhr – 16.00 Uhr: Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold
Eine Bürgerinitiative wehrt sich: Nachlässe offenbaren den erfolgreichen Protest gegen eine verfehlte Stadtplanung
Lars Sonnenberg, Archiv der Lippischen Landeskirche
Pfarrernachlässe – Quellen über die Zeit des Nationalsozialismus in Lippe
16.00 – 16.45 Uhr: Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, fu Berlin
Nachlässe praktisch. Umgang – Gewinn – Probleme
Prof. Bauerkämper erläutert, worin der Wert eines Nachlasses liegt und gibt Hinweise zum Umgang mit
persönlichen Dokumenten.
Infotische: Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe, Genealogischer Arbeitskreis, Heimatbund Lippe, LippeHäuserWiki ;Neue und alte Literatur; Kaffee und Kuchen
KRANKHEITSBEDINGT ABGESAGT
Leider müssen wir die für den 12. Februar 2026 geplante Veranstaltung “Carl Vogel - der jüdische Direktor der Sinalco AG in Detmold (1908-1935)” krankheitsbedingt absagen.
Wir hoffen sehr, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können und informieren Sie zeitnah über neue Termine.
KRANKHEITSBEDINGT ABGESAGT
Sonntag, 25. Januar, 19 Uhr, Hangar 21, Charles-Lindbergh-Ring 10
"Rausch und Zorn" - ein Theaterexperiment mit LIGNAAutoritäre Bewegungen greifen in Europa um sich - doch warum sind sie gerade jetzt so faszinierend?
Das Theater- und Medien-Kollektiv LIGNA spürt in der Inszenierung "Rausch und Zorn" diesen Fragen nach und lädt das Publikum zu einer besonderen Erfahrung ein: Im Quadrat sitzend, bekommt jede Person über Kopfhörer individuelle Stimmen und Eindrücke vermittelt und erlebt, wie Macht und Herrschaft inszeniert werden. Wissenschaftliche und politische O-Töne eröffnen neue Perspektiven und fördern gemeinsames Nachdenken über unsere Rolle in der Gesellschaft.
Veranstaltung Kulturteam, gefördert durch Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
KRANKHEITSBEDINGT ABGESAGT

"Erinnern und Gedenken"Veranstaltungsreihe 2026 -HIER im PDF
Freitag, 23. Januar, 17 Uhr, Gymnasium Leopoldinum, Hornsche Straße 48
Ausstellungseröffnung: Die Lebensgeschichte des jüdischen Ehepaars Frieda und Eduard Kauders Das Gymnasium Leopoldinum hat die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen, die 2025 in der Langen Straße 36 für die Familie Kauders verlegt wurden. In einem Kunstprojekt haben sich Schüler*innen mit der Lebensgeschichte der Familie beschäftigt und mithilfe der Detmolder Illustratorin Francis Kaiser künstlerische Plakate zum Schicksal des in Auschwitz ermordeten Ehepaars erstellt.
Veranstaltung Gymnasium Leopoldinum / Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.
Sonntag, 25. Januar, 11.30 Uhr, Landestheater Detmold, Theaterplatz 1
Megan Marie Hart singt: "Letters to Fred". Ein Porträt der Familie Herzberg während des Holocaust Anlässlich des 80. Jahrestags der Auschwitzbefreiung hat die israelisch-jüdische Komponistin Bracha Bdil für das Staatstheater Darmstadt einen besonderen Liederzyklus geschaffen, der nun in Detmold aufgeführt wird. Er erzählt die Geschichte der Detmolder Familie Herzberg: Fred Herzberg konnte 1939 durch einen Kindertransport nach England gerettet werden, seine Eltern und Schwester wurden in Auschwitz ermordet. Sopran: Megan Marie Hart / Klavier: Giacomo Marignani. Karten unter www.landestheater-detmold.de oder an der Theaterkasse.
Veranstaltung Landestheater Detmold
KRANKHEITSBEDINGT ABGESAGT
Sonntag, 25. Januar, 19 Uhr, Hangar 21, Charles-Lindbergh-Ring 10
"Rausch und Zorn" - ein Theaterexperiment mit LIGNAAutoritäre Bewegungen greifen in Europa um sich - doch warum sind sie gerade jetzt so faszinierend? Das Theater- und Medien-Kollektiv LIGNA spürt in der Inszenierung "Rausch und Zorn" diesen Fragen nach und lädt das Publikum zu einer besonderen Erfahrung ein: Im Quadrat sitzend, bekommt jede Person über Kopfhörer individuelle Stimmen und Eindrücke vermittelt und erlebt, wie Macht und Herrschaft inszeniert werden. Wissenschaftliche und politische O-Töne eröffnen neue Perspektiven und fördern gemeinsames Nachdenken über unsere Rolle in der Gesellschaft. Karten (10 €) unter www.reservix.de. Veranstaltung Kulturteam, gefördert durch Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
Montag, 26. Januar, 18 Uhr, Martin-Luther-Kirche, Schülerstraße 12
Erinnern und Gedenken - Wandelkonzert
Nach dem Auftakt "Shalom chaverim" der Chorgemeinschaft "cantus novus" führt der Weg vorbei an der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus und den beiden Hofsynagogen zur Aula der Schule am Wall, wo Chorgruppen der Johannes-Brahms-Musikschule zum "Nachdenken/Nachhören" einladen. Den musikalischen Abschluss "Vater, vergib!" in der Heilig Kreuz-Kirche gestalten der Kath. Kirchenchor Heilig Kreuz und der Ev. Kirchenchor Stapelage (Leitung: Gregor Schwarz).
Veranstaltung der Chorgemeinschaft "cantus novus" mit der Johannes-Brahms-Musikschule und den Kirchenchören Heilig Kreuz und Stapellage.
Dienstag, 27. Januar, 18 Uhr, Stadtgymnasiums Detmold, Martin-Luther-Straße 4
Zentrale Gedenkveranstaltung "Ein kaltes Pogrom" - Warnungen, die niemand hören wollte
Bereits 1935 dokumentierte die Historikerin und Lehrerin Elisabeth Schmitz eine Vielzahl von Beispielen, welche die wachsende Unterdrückung und Verfolgung der sogenannten nichtarischen Bevölkerung des Deutschen Reiches belegten. Besonderes Augenmerk legte sie dabei auch auf die Situation von Kindern. Aus einem Artikel der "Times" griff sie den Ausdruck "ein kaltes Pogrom" auf, um - Jahre vor der systematischen Ermordung der jüdischen Bevölkerung - aufzuzeigen, wie das Leben vieler Menschen immer weiter eingeengt und zerstört wurde. Sie verfasste eine Denkschrift, die sie der Bekennenden Kirche unterbreitete, die jedoch unbeachtet blieb und später in Vergessenheit geriet.Im Rahmen der Gedenkfeier lesen Schüler*innen ausgewählte Textpassagen von Elisabeth Schmitz. Anhand von Einzelschicksalen wird deutlich, "wie die Atmosphäre in Deutschland unaufhörlich planmäßig vergiftet [wird] durch Hass, Lüge, Verleumdung, Schmähungen niedrigster Art in Reden, Aufrufen, Zeitschriften, Tagespresse, um die Menschen zu willigen Werkzeugen dieser Verfolgung zu machen." Einzelne Schicksale sind von der Schülerschaft künstlerisch interpretiert worden und werden im Rahmen einer Ausstellung präsentiert.
Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr, Stadtbibliothek, Leopoldstraße 5
Der Todesmarsch von Palmnicken: Erinnerung und Aufarbeitung eines unbekannten NS-Verbrechens an der Küste Ostpreußens
Veranstaltung mit Dr. Claudia Vollmer, FernUniversität Hagen, und als Zeitzeugin Margitta Sünwoldt, Detmold "Dieses furchtbare Erlebnis verschloss ich in mir, ließ gedanklich Schnee darüber fallen", so beschreibt Margitta Sünwoldt, die heute hochbetagt in Detmold lebt, den Mord an tausenden vorwiegend jüdischen Frauen, den sie als junge Zeitzeugin miterleben musste. Dr. Claudia Vollmer, die an einem Forschungsprojekt zu dem Endphasenverbrechen arbeitet, erläutert Eckpunkte des Todesmarsches und referiert über dessen Erinnerungsgeschichte. Der Ort des Massakers, der Strand von Palmnicken, liegt seit Kriegsende in der russischen Exklave Kaliningrad. Bis Mitte der 1990er Jahre waren die Vorgänge dort weitgehend unbekannt und auch heute ist die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen.
Veranstaltung der Stadtbibliothek Detmold
Montag, 2. Februar, 19 Uhr, Stadthalle, Kleiner Festsaal, Schloßplatz 7
Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945
Vortrag von Götz Aly
Der Historiker Götz Aly beschreibt die Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche zu gefügigen Vollstreckern verwandelten. „Die Menschheitsverbrechen der Hitler-Jahre begingen Deutsche, die in der Regel weder vorher noch nachher kriminell handelten. Menschen auch, die sich intellektuell und moralisch kaum von uns Heutigen unterscheiden. Sie stammten aus allen Schichten der Bevölkerung. Gut ausgebildete Musiker und Juristen wurden ebenso zu Massenmördern wie Polizisten, Büroangestellte, Bauern, Fach- oder Hilfsarbeiter.“ Aly liefert Erklärungen dafür, warum die Bevölkerung durch Zustimmung oder auch durch ihr Schweigen dem diktatorischen System zustimmte, obwohl die Verbrechen früh erkennbar waren.
Eintritt 10 €, ermäßigt 5 €; Schüler*innen, Auszubildende und Studierende sind frei. Anmeldung über die VHS
Detmold-Lemgo, Restplätze an der Abendkasse.
Veranstaltung von Stadtarchiv Detmold, Buchhandlung Kafka und VHS Detmold-Lemgo
Freitag, 6. Februar, 19.30 Uhr, Stadtarchiv Detmold / Landesarchiv NRW, Willi-Hofmann-Straße 2
„Warum ist heute wichtig, dass wir gestern verstehen?“
Die Aufarbeitung der Familiengeschichte des Detmolder NS-Verbrechers Wilhelm Dreimann
Vortrag von Maria Bostelmann
Der Holzschnitzer Wilhelm Dreimann (1904-1946) aus Detmold-Hiddesen war in der Wachmannschaft im KZ Neuengamme eingesetzt. Er wurde 1946 vor einem britischen Militärgericht angeklagt und wegen seiner Verbrechen in der Endphase des Krieges zum Tod verurteilt. Unter anderem war er an der Ermordung von 20 jüdischen Kindern in einer Hamburger Schule beteiligt. Seine Urenkelin Maria Bostelmann (geb. Holzgrewe) hat sich intensiv mit der Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte beschäftigt. Sie klärt öffentlich über die Taten ihres Vorfahren auf und hat dazu u.a. an verschiedenen Sendungen des ZDF mitgearbeitet.
Kooperationsveranstaltung von Stadtarchiv Detmold, Landesarchiv NRW, Abt. OWL und
Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e.V.
Sonntag, 8. Februar, 11 Uhr, Treffpunkt Marktplatz
Das jüdische Detmold während der NS-Zeit. Stadtrundgang mit Gudrun Mitschke-Buchholz
Die Verfolgungsmaßnahmen des NS-Staates trafen die jüdischen Detmolderinnen und Detmolder in vollem Ausmaß. „Wir saßen in der Falle. Aber ganz langsam“, so beschrieb eine Zeitzeugin die Situation. Wer waren die Betroffenen und wie gestaltete sich ihre Lebenswelt, bis Ausgrenzung und Entrechtung fast alles zerstörte? Im Mittelpunkt der Führung stehen Orte der religiösen Kultur, der öffentlichen Erinnerung sowie ehemalige jüdische Wohn- und Geschäftshäuser. Anmeldung bis 1.2.2026 über anmeldung-fodt@gmx.de
Veranstaltung des Forums offenes Detmold
KRANKHEITSBEDINGT ABGESAGT
Donnerstag, 12. Februar, 19 Uhr, Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38
Carl Vogel - der jüdische Direktor der Sinalco AG in Detmold (1908-1935)
Dr. Hans-Joachim Keil informiert in einem Multimediavortrag über die Darstellung des Firmendirektors im Sinalco-Musical „Das Glück ist eine Orange – Sinalco. Eine Detmolder Geschichte“ im Landestheater Detmold und erläutert den historischen Kontext der Biographie Carl Vogels (geb. 1869 in Mainz, gest. 1943 in New York).
Veranstaltung Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.
Ausstellung „Jüdische Spuren in Detmold“ an der Stadtmauer
Gegenüber der Hofsynagoge von 1633 in der Bruchmauerstraße wird aktuell die Ausstellung „Jüdische Spuren
in Detmold“ gezeigt. Dr. Oliver Arnhold, einer der Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit in Lippe e.V., bietet für Gruppen und Schulklassen Führungen an.
Anmeldung GfCJZ-Lippe@t-online.de
Kontakt: Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold, stadtarchiv@detmold.de

Stadtgeschichtliches Projekt zur Stadtsanierung in Detmold
Di, 24. Februar 2026 ● 18:00-19:30 Uhr ● Stadtarchiv
Spannende Nachlässe und andere Quellen: Die Stadtsanierung im Stadtarchiv Vortrag von Dr. Bärbel Sunderbrink, Petra Schröder-Heidrich und Friedrich Brakemeier
Die Jahre nach der Kommunalen Neugliederung 1970 waren für die Stadtentwicklung Detmolds einschneidend. Überdimensionierte Planungen wurden angestoßen, die das Gesicht der Stadt vollkommen verändert hätten. In der Stadtverwaltung entstanden Berge von Akten zur Stadtsanierung, die heute in den Magazinen des Stadtarchivs aufbewahrt werden. Aber auch die Unterlagen von Mitgliedern der „Bürgerinitiative Stadtsanierung“ sind inzwischen ins Archiv gelangt.
Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink, Petra SchröderHeidrich und Altbürgermeister Fritz Brakemeier berichten, wie es oft von Zufällen abhängt, ob Unterlagen für die Nachwelt gerettet werden können. Sie zeigen Fotos, Pläne und andere Originaldokumente zur Stadtsanierung und wie man sie interpretieren kann.
Di, 21. April 2026 ● 18:00-19:30 Uhr ● Stadtarchiv
Hornsches Tor: gestern - heute - morgen
Vortrag von Dr. Bärbel Sunderbrink und Thomas Lammering
Bis in die Frühe Neuzeit trennte eine Befestigungsanlage mit Mauer und Wall die Stadt vom Umland. Vor den Toren lagen die Gärten der Bürgerinnen und Bürger Seit den 1830er Jahren wurde dieses Gebiet im Zuge erster Stadterweiterungen bebaut. Die Verbreiterung der Paulinen- und Hornschen Straße ab den 1950er Jahren veränderte das Erscheinungsbild deutlich. Später führte der Bau eines Einkaufscenters zu neuen Nutzungen in einem zuvor kleingewerblich geprägten Areal.
Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Projekts schildern die bauliche Entwicklung vor dem Hornschen Tor.
Zudem erläutert Baudezernent Thomas Lammering aktuelle Planungen für das Gebiet
zwischen Hornscher Straße und dem denkmalgeschützten Bereich der Kernstadt.
Fr, 22. Mai 2026 ● 16:00-17:30 Uhr ● Treffpunkt: Ecke Freiligrathstraße/Wall
Häuser vor den Toren der Stadt
Rundgang mit Frank Budde
Als in den 1970er Jahren die Stadt Detmold autogerecht umgebaut wurde, waren von den Planungen zahlreiche historische Gebäude betroffen. Der Rundgang führt durch das Villenviertel Palaisstraße und über die Allee in die Gartenstraße und endet am Haus Münsterberg, das nur durch eine spektakuläre Verschiebung gerettet werden konnte.
Auch die Häuserzeile an der Südseite der Hornschen Straße und der Lippische Hof standen schon auf Abriss. Die Bürgeraktion Stadtsanierung kämpfte erfolgreich gegen diese Pläne. Heute ist das Viertel zwischen Hornscher Straße und Palais ein Beispiel für gelungenen Denkmalsschutz und angepasste Nachverdichtung.