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Liebe Besucherinnen und Besucher,

das Stadtarchiv ist das „Gedächtnis” der Stadt. Es übernimmt, verwahrt, ergänzt und erhält Unterlagen zu dessen Geschichte.

Das Stadtarchiv steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen. 

 

Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt

Stadtgeschichtliches Projekt zur Stadtsanierung in Detmold

Stadtführung: Entlang der Stadtmauer. Die Geschichte eines Detmolder Wahrzeichens
Sa., 07.09.2024 um 14:30 Uhr
Dr. Bärbel Sunderbink, Friedrich Brakemeier
Treffunkt: Garten hinter der VHS Detmold
Zum Tag des Offenen Denkmals führen Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink und Altbürgermeister Friedrich Brakemeier entlang der an vielen Stellen noch sichtbaren Stadtbefestigung. Seit der Stadtgründung war Detmold durch eine Mauer gesichert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor sie ihre strategische Bedeutung und war daher in ihrem Bestand bis in die 1970er Jahre gefährdet. Sie erfahren, wo die Stadtmauer verlief, wo es Stadttore und -türme gab und was es mit den „Mauerhäusern“ auf sich hat.

Stadtführung: Die Fassaden Detmolder Bürgerhäuser. Vom Umgang mit den Verunstaltungen der Nachkriegszeit
Mi., 09.10.2024 um 15:00 Uhr
Clemens Heuger | Treffpunkt: Rathaus Detmold
In der Nachkriegszeit waren viele Gebäude der Innenstadt durch große Schaufenster verunstaltet worden. Mit einem neuen Denkmalschutzgesetz gab es in den 1980er Jahren ein Umdenken. Clemens Heuger stellt ausgewählte Bürgerhäuser vor, bei denen es dem ehemaligen Denkmalpfleger der Stadt Detmold gelungen ist, eine qualitätvolle Neugestaltung zu bewirken.

Gesprächsabend und Diskussion: Elisabeth Steichele – Die Stadtplanerin, die Detmold rettete
Di., 05.11.2024 um 18:00 Uhr
Friedrich Brakemeier, Thomas Enzensberger, Dr. Bärbel Sunderbrink
VHS Detmold, Vortragsraum
Elisabeth Steichele trat als städtische Mitarbeiterin für die Anliegen der Bürgerinitiative Stadtsanierung ein. Gegen alle Widerstände in der eigenen Verwaltung unterstützte sie den Erhalt der historischen Kernstadt. Dank Steicheles Engagement wurde Detmold im „Bundeswettbewerb Stadtgestalt und Denkmalschutz“ mit einer goldenen Plakette ausgezeichnet. Ehemalige Weggefährten erinnern an die Architektin und diskutieren die Nachhaltigkeit ihres Engagements.


Das Stadthistorische Projekt
Der Abriss der östlichen Altstadt war längst beschlossene Sache, als sich 1972 spontan die „Bürgeraktion Stadtsanierung“ zusammenfand. Ihr Ziel: die Verhinderung einer Flächensanierung und Rettung der historischen Bausubstanz.
Der Plan einer autogerechten Stadt ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen hatte zahlreiche Bürger*innen aktiviert. Sie protestierten gegen die Entwürfe des renommierten Stadtplaners Prof. Friedrich Spengelin (1923-2016), bekannt z.B. für den Wiederaufbau Helgolands. Sein Entwurf für Detmold sah vor, im Sanierungsgebiet mehr als 70 % der vorhandenen Bausubstanz abzubrechen und die Flächen durch gleichförmige, zum Teil vier- bis fünfgeschossige Gebäude zu ersetzen. 160 Haushalte waren von den Plänen betroffen. Die Bürger*innen wollten an den Entscheidungen über ihr Quartier beteiligt werden und erreichten schließlich, dass der Spengelin-Entwurf nicht umgesetzt wurde.
Gleichzeitig bewegte ein weiteres Projekt die Bürger*innen: eine Straßenbauplanung, die allein auf das Auto ausgerichtet war. Externe Verkehrsexperten konnten der Detmolder Kommunalpolitik die Anlage eines orientierungsfreundlichen Stadtrings schmackhaft machen, weil die Politiker*innen immer von der Sorge getrieben waren, in die Provinzialität zu fallen.
Leopoldstraße, Hornsche Straße und Paulinenstraße haben ihr Gesicht stark verändert, doch ein mehrspuriger „Verkehrsgraben“ konnte auch hier von der kritischen Bürgerschaft verhindert werden. Noch heute kann man am Hasselter Platz nachvollziehen, wie die Pläne aussahen: vier Fahrspuren, durch Grünstreifen getrennt, plus Abbiegespuren. Ursprünglich hatte es keine Unterführung unter der Bahnlinie gegeben. Um dort die großzügige Straße realisieren zu können, wurde im Dezember 1973 das Petri-Palais an der Langen Straße abgerissen.
Seit etwa zwei Jahren arbeitet eine Gruppe Ehrenamtlicher rund um Altbürgermeister Friedrich Brakemeier und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink am Thema Detmolder Stadtsanierung. Es werden Interviews mit Akteuren aus Verwaltung, Politik und Bürgerinitiativen durchgeführt und Unterlagen der Stadtverwaltung und private Quellen ausgewertet.
Interessierte sind eingeladen, sich zu beteiligen. Wenn Sie noch Unterlagen oder Fotos besitzen, die die Veränderungen der Stadt dokumentieren, können Sie diese dem Projekt zur Verfügung stellen.
Kontakt: stadtarchiv@detmold.de • Dr. Bärbel Sunderbrink
Stadtarchiv Detmold • Willi-Hofmann-Str. 2 • 32756 Detmold • 05321 766-110

 

 

Detmolder Gedenkstein in Riga eingeweiht

Gedenken im Wald von Bikernieki: Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink (von links), Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling und die Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Dr. Oliver Arnold und Petra Hölscher, halten am Namensstein der Stadt Detmold inne. Foto: Stadt Detmold

Delegationsreise führt an Orte deutscher Verfolgungsgeschichte

Auf Anregung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist die Stadt Detmold 2023 dem Riga-Komitee beigetreten. Das Riga-Komitee hält das Gedenken an die etwa 20.000 aus Deutschland nach Lettland verschleppten Juden wach und erinnert auch an die 70.000 lettischen Juden, die in den Wäldern nahe Riga von deutscher SS und einheimischen Hilfstruppen brutal ermordet wurden. Detmold ist das 75. Mitglied des im Jahre 2000 gegründeten Städtebundes, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge getragen wird. Mit dem Beitritt zum Riga-Komitee wurde für die Stadt Detmold ein Stein an der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki verlegt.

Anlässlich einer Delegationsreise der Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling wurde der Namensstein der Stadt Detmold im Wald von Bikernieki nahe der lettischen Hauptstadt jetzt eingeweiht. Die Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Dr. Oliver Arnold und Petra Hölscher, sowie Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink beteiligten sich an der Feier an der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräber geschaffenen Gedenkstätte. Jede der Mitgliedstädte des Riga-Komitees ist dort mit einem Namensstein verewigt.

Detmolds Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink erinnerte in ihrer Ansprache an die Riga-Deportation am 13. Dezember 1941. 26 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Lippe waren zunächst nach Bielefeld gebracht worden. Drei Tage später stiegen sie in den Sonderzug, der über 1000 Menschen in das von deutscher Wehrmacht besetzte Lettland brachte. Da die Deportierten aufgefordert worden waren, Handwerkszeug mitzunehmen, gingen viele davon aus, dass sie sich nach einer Umsiedlung eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen könnten. Doch sie sahen sich bald getäuscht. Als der Zug nach drei Tagen in Riga eintraf, wurden die Menschen bei eisiger Kälte von SS-Leuten in die Moskauer Vorstadt getrieben. In diesem abgesperrten Stadtteil war ein Ghetto für Juden aus dem Reichsgebiet eingerichtet worden. Die Menschen aus dem Zug aus Westfalen, Osnabrück und Lippe mussten in die beengten Wohnungen in der „Bielefelder Straße“ einziehen, in denen noch kurz vorher lettische Juden gelebt hatten. Um für die Juden aus dem Reichsgebiet Platz zu schaffen, war es Anfang Dezember 1941 zu furchtbaren Massenerschießungen gekommen. Die Deportierten ahnten nun, welches Schicksal ihnen bevorstand. Alte und Kranke wurden schon wenig später ermordet. Nur wer sich im System der Zwangsarbeit zusätzliche Nahrung verschaffen konnte, hatte eine minimale Chance. Aus Lippe überlebte einzig Günter Wallbaum. In seine Heimatstadt Bad Salzuflen ist er nicht wieder zurückgekehrt.

Dr. Bärbel Sunderbrink mahnte, dass es ein Anliegen sein müsse, Detmold und Riga gedanklich weiter zusammenzubringen und zu vermitteln, dass die deutsche Verfolgungsgeschichte nicht am Bielefelder Bahnhof endete, sondern in Riga ihre grausame Fortführung erfuhr. Historische Orte könnten wie andere Quellen „gelesen“ werden und eine Vorstellungskraft davon vermitteln, was den Deportierten ganz konkret nach der Abfahrt ihres Deportationszuges widerfahren sei, wie sie entmenschlicht und in den Wäldern bei Riga ermordet worden seien. Die Namenssteine der Mitgliedstädte des Riga-Komitees an der Gedenkstätte zeigten, wie sehr Riga und Westfalen in der Geschichte der Shoa miteinander verbunden sein. Regierungspräsidentin Bölling beschloss die Gedenkveranstaltung im Wald von Bikernieki mit einer Schweigeminute und einem bewegenden Verweis auf die Bedeutung der Erinnerungsarbeit des Volksbundes an dieser Stelle.

Auf dem Programm der Delegationsreise, an der vor allem Personen aus kommunalen Zusammenhängen und Aktive aus dem Bereich der Erinnerungsarbeit teilnahmen, standen neben dem Besuch der Tat- und Gedenkorte auch Einblicke in die aktuelle politische Situation. Der deutsche Botschafter Christian Heldt berichtete über die gewachsene Wahrnehmung der baltischen Staaten als Nato-Ostgrenze. Ein Besuch im Okkupationsmuseum machte deutlich, dass die lettische Gedenkkultur vor allem auf den Unabhängigkeitskampf von der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre fokussiert ist. Welche Bedeutung diese jüngste Geschichte für die aktuelle politische Situation hat, konnten die Teilnehmenden der Delegationsreise auch bei einem Besuch des baltischen Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung erfahren. 

"Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt"

Ausstellungsführung an der Bruchmauerstraße

An der Outdoor-Galerie in der Bruchmauerstraße stellen die Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Projektes die Ergebnisse ihrer Forschungen vor. Unter dem Titel "Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt" ist dokumentiert, wie in den 1970er Jahren die Flächensanierung und überzogene Straßenplanung in Detmold verhindert und die historische Bausubstanz gerettet wurde.

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink führt am 18.06.2024 um 18.00 Uhr durch die Ausstellung.

Treffpunkt ist der Heilgarten hinter der VHS.

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Nähere Informationen und Anmeldungen unter Tel. 05231/977-8010 oder im Internet unter www.vhs-detmold-lemgo.de.

 

 

 

  

Das LippeHäuserWiki – Historische Hausstätten, Gebäude und Inschriften im Kreis Lippe

In Lippes Städten und Dörfern begegnet Geschichte auf Schritt und Tritt – und nun wird das geballte Wissen über die historischen Hausstätten und Höfe im Kreis Lippe online jederzeit und an jedem Ort verfügbar, und das kostenlos und ohne Werbung. Zwei Vereine und eine Stiftung stellten im Landesarchiv NRW in Detmold das LippeHäuserWiki vor, eine nunmehr freigeschaltete Mitmachplattform für alle heimatkundlich und ortsgeschichtlich Interessierten.

Das ehrgeizige Ziel ist, langfristig alle bereits vor dem Jahr 1900 vorhandenen Höfe und Hausstätten ebenso wie historische Bauwerke aller Art von Kirchen und Synagogen über Burgen und Schlösser bis hin zu Warttürmen und Feldscheunen zu erfassen. Auch historische Inschriften an Gebäuden, auf Grabsteinen und überall sonst sollen dokumentiert werden. Die gesammelten Fakten sollen nachprüfbar sein: Alle verwendeten Quellen und Vorarbeiten werden detailliert nachgewiesen.  Reiches Bildmaterial macht die Artikel anschaulich und Kartenausschnitte zeigen die Lage der Objekte. Man kann sich auch schon jetzt auf dem Smartphone die nächstgelegenen, bereits im Wiki erfassten Objekte anzeigen lassen.

Federführend bei dem Projekt ist der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land Lippe (NHV) in Zusammenarbeit mit der Elbrächter-Stiftung und dem Lippischen Heimatbund (LHB), die gemeinsam die Finanzierung einer dreijährigen Aufbauphase des LippeHäuserWiki sichern. Das Portal kooperiert auch mit zahlreichen Archiven, Bibliotheken und Museen im Kreisgebiet. „Wir unterstützen uns hier gegenseitig, das ist eine großartige Zusammenarbeit“, so Dr. Joachim Kleinmanns, ehrenamtlicher Redakteur des Wiki. „Wichtig ist uns auch der Datenschutz. Der zeitliche Schnitt liegt bei 1925, aus den letzten 100 Jahren werden keine personenbezogenen Daten dokumentiert.“

Die Vorstandsvorsitzende der Elbrächter-Stiftung, Dr. A. Heinrike Heil, freut sich über das einzigartige Vorhaben und betonte: „Unsere Stiftung, die sich besonders dem Denkmalschutz verschrieben hat, fördert das Wiki daher gerne in einem für uns ungewohnt großen Umfang.“ Dr. Bärbel Sunderbrink vom Stadtarchiv Detmold, auf deren Anregung das Projekt ganz wesentlich zurückgeht, bestärkt die Stiftung darin: „Das LippeHäuserWiki lenkt den Blick auch auf die vielen historischen Gebäude, die nicht auf den offiziellen Denkmallisten stehen, die für unsere Städte und Dörfer aber genauso prägend sind.“

Auch Yvonne Huebner, Geschäftsführerin des LHB, zeigte sich begeistert vom Projektstart: „Ein innovatives und zukunftsweisendes Projekt, das der Heimatbund gern finanziell fördert und inhaltlich unterstützt. Gerade auch in den zahlreichen Ortschroniken unserer Mitgliedsvereine werden sich viele Informatioen zu lippischen Häusern für das Wiki finden." Gefion Apel, Vorsitzende des NHV, ist erfreut, dass der Verein das Projekt beherbergen darf: „In das Portal können auch die vielen schon vorhandenen Forschungsergebnisse unseres sehr aktiven Genealogischen Arbeitskreises eingehen. Das Projekt ist ganz modern partizipativ angelegt – alle Interessierten können teilnehmen. Und wie bei der 'großen' Wikipedia gibt es auch hier ein Redaktionsteam zur Qualitätssicherung.“ 

Webadresse: <https://www.lippe-haeuser-wiki.de/>

Kontakt: <r.linde@lippe-haeuser-wiki.de>

Wer sich für das LippeHäuserWiki interessiert, ist herzlich eingeladen zum Webinar am Montag, 10. Juni, ab 19 Uhr über Zoom. Weitere Informationen dazu auf der Homepage.

Zehn neue Stolpersteine erinnern an Menschen aus unserer Stadt

Schülerinnen und Schüler der Realschule I haben die Patenschaft für zehn neue Stolpersteine übernommen und zur Enthüllung aus dem Leben der Menschen berichtet, die sich hinter den Namen verbergen.
Dort, wo in der Pogromnacht 1938 die Synagoge an der Lortzingstaße vollständig durch ein Feuer zerstört wurde, liegen seit heute vier Stolpersteine für Louis, Friederike, Max und Alma Flatow. Fotos: Stadt Detmold

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit initiiert gemeinsam mit der Stadt Detmold das Gedenken an Opfer der NS-Zeit Detmold.

18 Stolpersteine und eine Stolperschwelle hatte Detmold bereits. Heute sind noch einmal zehn Stolpersteine hinzugekommen. Gemeinsam mit Vertretenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe und Schülerinnern und Schülern der Realschule I hat Bürgermeister Frank Hilker die neuen Gedenksteine enthüllt, die an der Lortzingstraße, an der Bruchstraße und an der Paulinenstraße das Gedenken an zehn Menschen bewahren, die einmal in dieser Stadt zu Hause waren und brutal durch das Nazi-Regime deportiert und in den meisten Fällen in Konzentrationslagern ermordet wurden. In seiner Ansprache wies Bürgermeister Frank Hilker auf die erschreckende Aktualität hin, die das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit hat: „Viele von uns haben sich nicht vorstellen können, dass wir im Jahr 2024 in Deutschland für die Demokratie auf die Straße gehen und uns gegen Hass und Hetzte extrem rechter Gesinnung zur Wehr setzen müssen. Umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder daran erinnern, was geschehen ist, und dass wir dafür sorgen, dieses Wissen auf vielfältige Weise auch in die nachfolgenden Generationen zu transportieren“, betonte Hilker.

Die Stolpersteine an der Lortzingstraße, dem Ort der 1938 in der Pogromnacht zerstörten Synagoge, erinnern an Louis, Friederike, Max und Alma Flatow. Ein Stolperstein wurde im Gedenken an Otto Baer an der Bruchstraße enthüllt. Weitere fünf Stolpersteine erinnern auf dem Vorplatz der Sparkassen-Hauptstelle an Leonie und Dr. Albert Hirschfeld sowie an Margarete, Julius und Emma Linz. Alle Informationen, die es über die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold gibt, hat die Detmolder Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz in einem Gedenkbuch zusammengetragen, das online unter www.gedenkbuch-detmold.de zu finden ist.

Schülerinnen und Schüler der AG „Gegen das Vergessen“ der Realschule I unter der Leitung von Timo Schlegel haben die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen. An den drei Verlegorten erzählten sie aus den Lebensgeschichten der Menschen und sorgten für die musikalische Untermalung. In Zukunft kümmern sie sich um die Pflege der kleinen Kunstwerke aus Messing und Beton. Der aus Berlin stammende Künstler Gunter Demnig hatte vor etwa 30 Jahren die Idee, überall im Land Stolpersteine zu verlegen. Ihm geht es um das individuelle Gedenken. Die Nationalsozialisten wollten die Menschen vernichten und selbst die Erinnerung an sie auslöschen. Gunter Demnig kehrt diesen Prozess um und holt die Namen zurück in unsere Städte – dorthin, wo die Menschen einst ihren Lebensmittelpunkt hatten.

Insgesamt gibt es überall in Deutschland inzwischen mehr als 100.000 Stolpersteine.

Für die Verlegung ist der Künstler diesmal nicht selbst nach Detmold gekommen, sondern hat diese Aufgabe an die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe übertragen, die wiederum in Kooperation mit der Stadt Detmold für die Umsetzung und den Einbau der Stolpersteine gesorgt hat.

Auftakt der Europa-Woche mit einem Blick zurück in die Geschichte

Anlässlich des 20. Partnerschaftsjubiläums holte Detmolds Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink die Partnerschaftsurkunde aus dem Magazin. Am 11. Juni 2004 hatten sich die Bürgermeister aus dem finnischen Savonlinna und Detmold feierlich versprochen, „im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und Möglichkeiten werden sich die beiden Städte um den Ausbau der Beziehungen auf kulturellem, wirtschaftlichem, touristischem, sportlichem und kommunalpolitischem Gebiet bemühen“. 

 

Ausstellung an der Bruchmauerstrasse eröffnet

Im Rahmen des Stadtgeschichtlichen Projektes wurde jetzt die Outdoor-Ausstellung „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ an der Bruchmauerstraße eröffnet.

Zu sehen sind auf neun Bannern städtebauliche Planungen, die nach einer möglichen Realisierung die historische Altstadt weitgehend zerstört hätten. Es wird dargestellt, wie die Flächensanierung und überzogenen Straßenplanungen nach 1970 durch Widerstand aus der Bürgerschaft und die Gründung der Bürgeraktion Stadtsanierung verhindert werden konnten.

Die Besucher:innen, unter anderem Zeitzeugen, folgten den Ausführungen von Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink und Alt-Bürgermeister Friedrich Brakemeier, der als junges Ratsmitglied in den 1970er Jahren die autogerechten Planungen bereits kritisch begleitete. Aus der großen Fülle der im Stadtarchiv verwahrten Unterlagen haben die Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Projekts einige zentrale Dokumente ausgewählt.

Zu sehen sind historische Luftbilder, die den Prozess der Stadtsanierung nachzeichnen, die Pläne Externer Stadtplaner für das Gebiet der östlichen Innenstadt und Architekturzeichnungen, die z.B. eine gigantische Brücke über die Hornsche Straße zeigen. Welche Auswirkungen die Einschnitte in die historische Bausubstanz hatten, wird z.B. am Hasselter Platz gemacht. Der Abriss des Petri-Palais 1973 hat zum Umdenken der Kommunalpolitik beigetragen. Die Verkehrsproblematik wird am Beispiel des Hornschen Tors plausibel gemacht. Dort hatte die Stadt bereits den Lippische Hof angekauft, um ihn für den Straßenausbau abzureißen.

Ausstellung an der Bruchmauerstrasse

Im Rahmen des stadtgeschichtlichen Projektes „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ lädt die Projektgruppe am Freitag, 26. April um 15 Uhr zur Eröffnung der Outdoor-Ausstellung „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ an der Bruchmauerstrasse ein.
In den 1970er Jahren gab es in Detmold städtebauliche Planungen, die nach einer möglichen Realisierung die historische Altstadt weitgehend zerstört hätten. Abbruch statt Erhaltung und Sanierung galt als Aufbruch in die Moderne und wäre der Aufbruch in die Betonzeit und autogerechte Stadt geworden. Auf mehreren Schautafeln stellen die Mitglieder der Projektgruppe die Ergebnisse ihrer bisherigen Recherchen vor. Es wird dargestellt, wie die Flächensanierung und überzogenen Straßenplanungen nach 1970 verhindert werden konnten. Gesucht werden nach wie vor Bürgerinnen und Bürger, die noch historische Fotos und Erinnerungen an diese spannende politische Zeit in Detmold beisteuern können.
Ansprechpartnerin ist die Leiterin des Detmolder Stadtarchivs Dr. Bärbel Sunderbrink unter der Mailadresse stadtarchiv@detmold.de oder telefonisch unter 05232 766-110.

Neue Ausgabe von „Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte“

Das sind die Themen der Ausgabe 29/2024:
Beiträge
Jürgen Hartmann: Gegensätze – Spannungen – Konflikte. Oerlinghausen im Kaiserreich (1890-1918)
Joachim Kleinmanns: Die jüdische Familie Examus in Detmold
Dokumentation
Bärbel Sunderbrink: Ein vergessener Oberbürgermeister. Dr. Emil Peters 1992-1934
Interview 22 Jahre in der „Archiv-WG“.
Ein Rückblick mit Dr. Hansjörg Riechert, dem scheidenden Leiter des Kreisarchivs Lippe
Rezensionen
Vernon Katz, Der Blaue Salon und andere Torheiten. Eine jüdische Kindheit im ländlichen Deutschland der 1930er-Jahre

Die Innerstädtische Verkehrsplanung am Beispiel Hasselter Platz und Hornsche Straße

Stadtgeschichtliches Projekt – Vortrag und Diskussion

Die Innerstädtische Verkehrsplanung am Beispiel Hasselter Platz und Hornsche Straße

Im Rahmen des stadtgeschichtlichen Projektes „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“ halten Alt-Bürgermeister Friedrich Brakemeier und Erhard Friesenhan (Mitglied der AG Stadtgeschichtliches Projekt) am Dienstag, 12. März 2024 ab 18 Uhr im Vortragssaal der VHS Detmold, Krumme Straße 20, einen Vortrag mit dem Titel „Die Innerstädtische Verkehrsplanung am Beispiel Hasselter Platz“.

Der Vortrag mit anschließender Diskussion ist eine weitere Veranstaltung des stadtgeschichtlichen Projektes „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“. Detmold sollte im Rahmen eines Generalverkehrsplanes in den 1970er Jahren zur „autogerechten Stadt“ entwickelt werden. Die historische Bausubstanz sollte dafür zum größten Teil abgerissen werden. Wachsendes bürgerschaftliches Engagement stellte sich den „Gigantismus-Plänen“ erfolgreich entgegen, konnte aber den Abriss des Petrischen Palais 1973 nicht verhindern. Diese Entwicklung wird am Beispiel des heutigen Hasselter Platzes und der Hornschen Straße dargestellt.

Gesucht werden nach wie vor Bürgerinnen und Bürger, die noch historische Fotos und Erinnerungen an diese spannende politische Zeit in Detmold beisteuern können. Ansprechpartnerin ist die Leiterin des Detmolder Stadtarchivs Dr. Bärbel Sunderbrink unter der Mailadresse stadtarchivdetmold.LOESCHE_DIES.de oder telefonisch unter 05232 766-110.

Der Eintritt ist frei!

 

  

Kolonialismus, NS-Verbrechen und die deutsche Erinnerungskultur

Mit Fragen zu Kontinuitäten in der deutschen Geschichte endeten die diesjährigen Veranstaltungen zum Holocaustgedenktag

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen um den Holocaustgedenktag am 27. Januar hatten die VHS Detmold-Lemgo und das Stadtarchiv Detmold Jürgen Zimmerer, Professor für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg, eingeladen. Zimmerer ist einer der führenden Genozidforscher, dessen Perspektive weit über den nationalen Rahmen hinausreicht.

In ihrer Begrüßung warf VHS-Leiterin Claudia Biehahn die Frage auf, ob die deutsche, auch im Ausland oft als vorbildlich gelobte Erinnerungskultur mit ihren zahlreichen Gedenkveranstaltungen angesichts der aktuellen antidemokratischen, antisemitischen und rassistischen Entwicklungen nicht gescheitert sei. Ob wir uns nicht tiefer mit den historischen Wurzeln dessen auseinandersetzen müssten, was wir derzeit erleben. Prof. Dr. Jürgen Zimmerer war eingeladen, Antworten auf diese Fragen zu geben und über 120 Interessierte waren gekommen, um den bekannten und streitbaren Historiker zu hören.

Zimmerer zeigte, dass der Völkermord an den Juden nicht das erste Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert war. Der erste Genozid in deutscher Verantwortung, der Mord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika, ist im deutschen Bewusstsein jedoch kaum verankert. Ausgehend von aktuellen Äußerungen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zur deutschen Haltung zum Völkermord im heutigen Namibia blätterte Zimmerer die Geschichte des deutschen Kolonialismus auf.

Deutschland war erst spät, 1884, zur Kolonialmacht geworden. Dabei hatte Deutsch-Südwestafrika als Siedlerkolonie eine hervorgehobene Bedeutung. Dort war es vor genau 120 Jahren zu einem Aufstand der einheimischen Bevölkerung gekommen, die um ihre Existenz bangten. Da die deutsche Schutztruppe die Lage nicht in den Griff bekam, wurde aus Deutschland der als besonders brutal bekannte Generalleutnant Lothar von Trotha entsendet. Die aufständischen Herero hatten keine Chance. Die deutschen Truppen trieben sie in die Wüste und versperrten ihnen den Zugang zu den Wasserstellen. Wer nicht entkräftet umkam, wurde erschossen oder in Konzentrationslager verschleppt. Dass auch diese Konzentrationslager an einem 27. Januar aufgelöst wurden, ist ein besonders bemerkenswerter historischer Zufall, der jedoch kaum bekannt ist.

Ziel Trotha war es, das gesamte Herero-Volk auszulöschen, was er in einem „Vernichtungsbefehl“ auch öffentlich mitteilte. Bis zu 70.000 Herero und Nama kamen um - der Widerstand gegen die deutsche Kolonial- und Siedlungspolitik war gebrochen. Der erste deutsche Rassenstaat bestand bis in den Ersten Weltkrieg hinein. Mit dem Versailler Frieden verlor Deutschland seine Kolonien, doch auch heute noch leben Nachfahren der Siedler in Namibia.

Zimmerer stellte Kontinuitäten zwischen der kolonialen Politik des Kaiserreichs und der Lebensraumpolitik Hitlers fest. Der Begriff des „Volks ohne Raum“ wurde zwar in der Kolonialzeit geprägt, im Zweiten Weltkrieg dann aber auf die Intention Hitlers übertragen, „Lebensraum im Osten“ zu gewinnen. Wie im Kolonialreich vorgedacht, wurde nun das Existenzrecht der slawischen Bevölkerung in Abrede gestellt.

Dr. Bärbel Sunderbrink stellte in der anschließenden Diskussion die Frage, ob angesichts dieser historischen Erweiterung der Genozidgeschichte nicht auch die deutsche Erinnerungskultur einer Erweiterung bedürfe. Zimmerer betonte, dass der Völkermord von 1904 zwar nicht mit dem Holocaust gleichzusetzen sei, aber Strukturen vergleichbar seien. Eine wichtige Rolle komme dabei jeweils dem Militär und der Bürokratie zu. Er warb dafür, eigene Erinnerungsorte für koloniale Verbrechen zu schaffen.

Die Volkshochschule Detmold-Lemgo und das Stadtarchiv greifen diese Anregung mit weiteren Kooperationspartnern bereits auf. Geplant sind im kommenden Halbjahr unter anderem Studienfahrten, etwa zur Sonderausstellung des LWL „Das ist kolonial. Westfalens unsichtbares Erbe“ auf der Zeche Zollverein und ins Überseemuseum Bremen. Zudem wird es zahlreiche weitere Veranstaltungen vor Ort geben, wie „100 Quellen – 100 Orte: Koloniale Spuren in Westfalen Lippe“.

 

 

  

Jürgen Zimmerer über Erinnerungskämpfe

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer ©Sebastian Engels

Koloniales Erbe, NS-Verbrechen und deutsche Erinnerungskultur


Die deutsche Erinnerungskultur gilt als besonders erfolgreich, Deutschland bezeichnet sich gerne als „Weltmeister der Vergangenheitsaufarbeitung“. Aber sind wir wirklich so gut im Erinnern? Oder handelt es sich bei den Erinnerungsveranstaltungen oftmals nur noch um leere Rituale? Und fehlen nicht wesentliche Teile der deutschen Geschichte in der Erinnerungskultur?

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Professor für Globalgeschichte an der Universität Hamburg und Leiter der dortigen Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“, analysiert in seinem Vortrag am 28. Februar 2024 die aktuellen Kontroversen um den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der deutschen Vergangenheit, insbesondere mit Bezug auf den möglichen Zusammenhang von Kolonialismus und Nationalsozialismus mit seiner Rassenideologie, dem Vernichtungskrieg und dem Holocaust.

Die Veranstaltung – eine Kooperation von VHS Detmold-Lemgo und Stadtarchiv Detmold – findet am 28.2.2024 um 19:00 Uhr im Kleinen Sitzungssaal der Stadthalle statt. Der Eintritt ist frei.

Der ursprünglich auf den 25.1.24 terminierte Vortrag ist Teil des Veranstaltungs-programms um den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Wegen des Bahnstreiks musste er verschoben werden.

„Ein vergessener Oberbürgermeister“

Dr. Bärbel Sunderbrink, Leiterin des Detmolder Stadtarchivs, hat intensiv und weit über die Grenzen Detmolds hinaus recherchiert, um die Inhalte für die Ausstellung über den vergessenen Oberbürgermeister Dr. Emil Peters zusammenzutragen. Foto: Stadt Detmold

Ausstellung würdigt Dr. Emil Peters anlässlich seines 90. Todestages

In der Veranstaltungsreihe zum Holocaust-Gedenken ist im Foyer des Detmolder Rathauses (2. Obergeschoss) aktuell die Ausstellung „Ein vergessener Oberbürgermeister. Dr. Emil Peters 1882-1934“ zu sehen. Dr. Emil Peters hat die Geschicke der Stadt von 1920 bis 1933 geleitet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Jurist misshandelt, verhaftet und aus seinem Amt entlassen. Verzweifelt nahm er sich am 12. Februar 1934 das Leben. Nicht einmal seine letzte Ruhestätte fand er in Detmold.

Dass der Namensgeber der Emil-Peters-Straße in Detmold selbst den dort wohnenden Bürgerinnen und Bürgern kaum bekannt ist, hat der stellvertretende Bürgermeister Helmut-Volker Schüte beobachtet: „Ich war überrascht, dass nur wenige Menschen den Namen einordnen konnten. Umso wichtiger finde ich es, Emil Peters bei den Detmolderinnen und Detmoldern in Erinnerung zu rufen und in Erinnerung zu halten“, sagte er im Rahmen der Ausstellungseröffnung vor geladenen Gästen.

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink hat die Geschichte des vergessenen Oberbürgermeisters erforscht und die Ausstellung konzipiert. „Wir wissen wenig über sein privates Leben, denn einen Nachlass gibt es nicht. Sein einziger Sohn ist kinderlos geblieben“, erklärt Dr. Sunderbrink in ihrer Einführungsrede den Umstand, dass sehr viel Recherche weit über Detmold hinaus nötig war, um die Inhalte für die Ausstellung zusammenzutragen.

„Am Morgen des 31. März 1933 endete Emil Peters Tätigkeit für die Stadt Detmold nach 13 Jahren gewaltsam. In der Freiligrathstraße wurde er Opfer eines vorgetäuschten Überfalls durch SA und NS-Kraftfahrerkorps, die eine Inschutzhaftnahme - der verschleiernde Begriff für dieses Disziplinierungsmittel gegenüber Regimekritikern - zur Folge hatte“, blickt Dr. Bärbel Sunderbrink zurück. Emil Peters wurde schließlich zur Niederlegung seines Amtes gezwungen und schied am 12. Februar 1934, also vor genau 90 Jahren, freiwillig aus dem Leben.

Die Ausstellung beleuchtet den Werdegang des in Lippstadt geborenen und beruflich viel herumgekommenen Peters sowie seine Versuche, die Gewalt der Nationalsozialisten zurückzuweisen. Er stellte sich zum Beispiel schützend vor den jüdischen Künstler Josef Plaut, wehrte sich gegen die Entlassung regimekritischer Mitarbeiter der Stadt und versuchte das Hissen von Nazi-Symbolen am Rathaus zu verhindern.

Die wahren Gründe des Todes von Oberbürgermeister Dr. Peters wurden stets vertuscht. Seine Witwe ließ seine Urne in ihrer Heimatstadt Finsterwalde begraben. „Emil Peters‘ Karriereweg steht exemplarisch für einen kommunalen Spitzenbeamten, der als Verwaltungsjurist die vielfältigen Anforderungen der Weimarer Jahre zu bewältigen wusste, der aber nicht bereit war, sich dem NS-System anzudienen“, so Sunderbrink. Die Ausstellung im Detmolder Rathaus sehe sie auch als einen Beitrag, um Emil Peters seine Würde zurückzugeben.

„Ein vergessener Oberbürgermeister. Dr. Emil Peters 1882-1934“


Ausstellungseröffnung: „Ein vergessener Oberbürgermeister. Dr. Emil Peters 1882-1934“
Freitag, 9. Februar 2024, 11 Uhr, Rathausfoyer, Marktplatz 5, 32756 Detmold

Das Stadtarchiv Detmold präsentiert als Teil der Veranstaltungsreihe zum 27. Januar die Ausstellung „Ein vergessener Oberbürgermeister. Dr. Emil Peters 1882-1934“ im Foyer des Detmolder Rathauses (2. Obergeschoss). Dr. Emil Peters hat die Geschicke der Stadt von 1920 bis 1933 geleitet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Jurist misshandelt, verhaftet und aus seinem Amt entlassen. Verzweifelt nahm er sich am 12. Februar 1934 das Leben.

Die Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink hat die Geschichte des vergessenen Oberbürgermeisters erforscht. Sie beleuchtet seine Versuche, die Gewalt der Nationalsozialisten zurückzuweisen. Er stellte sich schützend vor den jüdischen Künstler Josef Plaut, wehrte sich gegen die Entlassung regimekritischer Mitarbeiter der Stadt und versuchte das Hissen von Nazi-Symbolen am Rathaus zu verhindern. Die wahren Gründe des Todes von Oberbürgermeister Dr. Peters wurden vertuscht. Seine Witwe ließ seine Urne in ihrer Heimatstadt begraben. Der Stadtarchivarin ist es gelungen, den Ort seiner letzten Ruhestätte ausfindig zu machen.

Wir laden Sie zu dieser Veranstaltung herzlich ins Rathaus ein.

 

 

27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus


Vortrag „Erinnerungskämpfe“ muss verschoben werden
Der neue Termin für den Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer ist am 28.2.24

Aufgrund des Streiks bei der Deutschen Bahn muss der für Donnerstag, den 25.01.2024 geplante Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer verschoben worden.

Der neue Termin für den Vortrag zum Thema  „Erinnerungskämpfe: Koloniales Erbe, NS-Verbrechen und und deutsche Erinnerungskultur“ ist am Mittwoch, den 28. Februar, 19 Uhr im Kleinen Sitzungssaal der Stadthalle.

Die Veranstaltung wird in Kooperation von VHS Detmold-Lemgo und Stadtarchiv Detmold durchgeführt.

 

 

Tag der Archive am Sonntag, 3. März 2024

Tag der Archive am Sonntag, 3. März 2024
Lippische Archive öffnen ihre Türen - zum FLYER (PDF)

Kreisarchiv Lippe, Stadtarchiv Detmold, Landesarchiv NRW
Sonntag, 3. März 2024, 11 – 17 Uhr

Drei Archive unter einem Dach: Die Mitarbeiter:innen informieren über ihre Arbeit mit historischen Unterlagen, bieten Führungen an und stellen Forschungsergebnisse vor. Im Foyer wird die Ausstellung „Landesväter. Weimar in den Regionen“ gezeigt.

Kinder und Jugendliche können in der Schreibwerkstatt alte Schreibutensilien kennenlernen und selbst Urkunden erstellen.

11–14 Uhr: Papiersprechstunde – Die Restauratorin beantwortet
Fragen zum Erhalt von Dokumenten und Büchern und gibt
Tipps zur Lagerung und Restaurierung von Briefen, Notizbüchern
und Fotoalben (Anmeldung erbeten).
12 Uhr: Dr. Bärbel Sunderbrink: Zukunft in Preußen?
Der Freistaat Lippe in der Weimarer Republik
15 Uhr: Dr. Bärbel Sunderbrink: Bürger mischen sich ein!
Das stadtgeschichtliche Projekt zur Stadtsanierung
16 Uhr: Dr. Annette Hennigs: Führung „Sinalco – eine Weltmarke
im Archiv“ mit der Präsentation von Sinalco-Werbefilmen

Landesarchiv NRW Abt. OWL, Stadtarchiv Detmold, Kreisarchiv Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2 | 32756 Detmold
Tel.: 0 52 31 / 766-0 | E-Mail: owl@lav.nrw.de

Ein Archiv ist nicht nur ein Ort für Wissenschafler:innen. Es kommen Menschen, die etwas über ihre Familiengeschichte erfahren wollen. Gruppen treffen sich, um Stadt(teil)geschichten zu erarbeiten. Stadtführer:innen bereiten ihre Rundgänge vor. Schüler:innen beteiligen sich an Geschichtsprojekten. Hauseigentümer:innen suchen nach historischen Fotos. Und vieles mehr!
Archive bewahren Kulturgut. Akten, Dateien, Fotos, Karten und Plakate werden sorgfältig gesichert.
Am bundesweiten Tag der Archive geben Archivarinnen und Archivare einen Einblick in ihre Tätigkeiten.
Interessierte können sich vor Ort informieren und einen Blick hinter die Kulissen werfen.
Der Eintritt ist frei.
Informationen zu allen Archiven in Nordrhein-Westfalen
finden Sie im Internet: www.archive.nrw.de

Vor 50 Jahren wurde das Petri-Palais abgerissen

Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold

Der Abriss der östlichen Altstadt war längst beschlossene Sache, als sich 1972 spontan die „Bürgeraktion Stadtsanierung“ zusammenfand. Ihr Ziel: die Verhinderung einer Flächensanierung und Rettung der historischen Bausubstanz.

Der Plan einer autogerechten Stadt ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen hatte zahlreiche Bürger_innen aktiviert. Sie protestierten gegen die Entwürfe des renommierten Stadtplaners Prof. Friedrich Spengelin (1923-2016), bekannt z.B. für den Wiederaufbau Helgolands. Sein Entwurf für das Sanierungsgebiet Detmold sah vor, mehr als 70 % der vorhandenen Bausubstanz abzubrechen und die Flächen durch gleichförmige, zum Teil vier- bis fünfgeschossige Gebäude zu ersetzen. 160 Haushalte waren von den Plänen betroffen. Die Bürger wollten an den Entscheidungen über ihr Quartier beteiligt werden und erreichten schließlich, dass der Spengelin-Entwurf nicht umgesetzt wurde.

Gleichzeitig bewegte ein weiteres Projekt die Bürger: eine Straßenbauplanung, die allein auf das Auto ausgerichtet war. Externe Verkehrsexperten hatten den Detmolder Kommunalpolitikern die Anlage eines orientierungsfreundlichen Stadtrings schmackhaft gemacht, und da die Politiker bei ihren Entscheidungen immer wieder von der Sorge getrieben waren, in die Provinzialität abzugleiten, folgten sie auch diesen Vorstellungen.

Leopoldstraße, Hornsche Straße und Paulinenstraße haben ihr Gesicht stark verändert, doch ein mehrspuriger „Verkehrsgraben“ konnte auch hier von der kritischen Bürgerschaft verhindert werden. Noch heute kann man am Hasselter Platz nachvollziehen, wie die Pläne aussahen: vier Fahrspuren, durch Grünstreifen getrennt, plus Abbiegespuren. Ursprünglich hatte es keine Unterführung unter der Bahnlinie gegeben. Um dort die großzügige Straße realisieren zu können, wurde im Dezember 1973 das Petri-Palais an der Langen Straße abgerissen. Das knapp 150 Jahre alte herrschaftliche Haus war von dem lippischen Regierungspräsidenten Petri errichtet worden. Bis zuletzt hatten Mitglieder der „Bürgeraktion Stadtsanierung“ für den Erhalt gekämpft. Sogar eine Besetzung des Gebäudes war in Betracht gezogen worden. Am Ende zählten finanzielle Argument, dass der Erhalt des inzwischen entkernten Gebäudes zu teuer gewesen wäre. Für den Straßenausbau wäre ein Abriss des Petri-Palais nicht zwingend notwendig gewesen. Das Palais Petri wurde somit zum Symbol des Widerstands gegen die Stadtzerstörung und ziert als Logo das Briefpapier der Bürgeraktion.

Seit etwa einem Jahr arbeitet eine Gruppe Ehrenamtlicher rund um Altbürgermeister Fritz Brakemeier und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink am Thema Detmolder Stadtsanierung. Es werden Interviews mit Akteuren aus Verwaltung, Politik und Bürgerinitiativen durchgeführt und Unterlagen der Stadtverwaltung und private Quellen ausgewertet.

 

Die nächsten öffentlichen Veranstaltungen:

Vortrag und Diskussion:

„Detmold eine wunderschöne Stadt?!“

Planung der Stadtsanierung in der Nachkriegszeit bis 1970

Autogerechte Stadt contra quartiersgerechte Stadtplanung

16.01.2024 um 18:00 Uhr

Thomas Enzensberger
Stadtarchiv Detmold, Willi-Hofmannstr. 2

 

In den 1960er Jahren starteten die ersten Überlegungen zu einer umfassenden Stadtentwicklung. Thomas Enzensberger stellt die Vordenker eines Paradigmenwechsels in der Stadtplanung vor. Nachdem zunächst externe Planer wie Friedrich Spengelin in Detmold tätig wurden, übernahm eine Planungsgruppe um die Architektin Gertrud Enzensberger und den Architekten Hellfried Prollius die Quartiersentwicklung.

 

 

Vortrag und Podiumsgespräch
Widerstand aus der bürgerlichen Mitte – die Bürgeraktion Stadtsanierung

13.02.2024 um 18:00 Uhr

Dr. Bärbel Sunderbrink, Petra Schröder-Heidrich und Frank Budde

VHS Detmold, Vortragsraum, Krumme Straße 20

 

Die Detmolder Bürger*innen mischten sich in die Stadtplanungen der 1970er Jahre aktiv ein, gründeten 1973 die „Bürgeraktion Stadtsanierung“ und verhinderten die geplante Flächensanierung der Detmolder Innenstadt. Nach einer Einführung zur Entstehung der „Bürgeraktion“ wird in einem moderierten Gespräch über ihre spätere Wirksamkeit berichtet.

 

 

Vortrag und Diskussion

Innerstädtische Verkehrsplanung am Beispiel rund um den Hasselter Platz

12.03.2024 um 18:00 Uhr

Friedrich Brakemeier und Erhard Friesenhan

VHS Detmold, Vortragsraum, Krumme Straße 20

 

Detmold sollte im Rahmen eines Generalverkehrsplanes in den 1970er Jahren zur „autogerechten Stadt“ entwickelt werden. Die historische Bausubstanz sollte dafür zum größten Teil abgerissen werden. Wachsendes bürgerschaftliches Engagement stellte sich den „Gigantismus-Plänen“ erfolgreich entgegen, konnte aber den Abriss des Petrischen Palais 1973 nicht verhindern. Diese Entwicklung wird in einem Vortrag von Friedrich Brakemeier am Beispiel des Ausbaus der Leopoldstraße und der Neugestaltung des heutigen Hasselter Platzes dargestellt.

 

 

Stadtführung zur innerstädtischen Verkehrsplanung

Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt

Innerstädtische Verkehrsplanung am Beispiel rund um den Hasselter Platz
16.04.2024 um 18:00 Uhr

Friedrich Brakemeier

Treffpunkt VHS Detmold, Krumme Straße 20

 

Friedrich Brakemeier hat Anfang der 1970er Jahre als junger Kommunalpolitiker selbst das schwierig Umsteuern in der Baupolitik erlebt. Er stellt gelungene und misslungene Maßnahmen im Sanierungsgebiet vor und zeigt am Beispiel des Hasselter Platzes, wie die Verkehrsführung der Zukunft aussehen sollte.

 

 

Wanderung

Die Südumgehung

24.05.2024 um 14:00 Uhr

Friedrich Brakemeier und Dr. Bärbel Sunderbrink

Bushaltestelle Freilichtmuseum / Ende: Gasthof zum Donoper Teich (Linie 701)

 

Die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens für die Detmolder Südumgehung erhitzte in den 1980er Jahren die Gemüter in Politik und Stadtgesellschaft. Mit kreativem Protest wurde auf vielfältige Weise gegen die Pläne vorgegangen. Auf einer Wanderung auf Teilstücken der vorgesehenen Trasse mit Friedrich Brakemeier und der Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink werden noch einmal die Planungen und ihre Widerstände nachvollzogen.

 

 

Ausstellung Bruchmauerstraße „Vom Gigantismus zur historischen Innenstadt“
26.04. – 30.09.2024
Eröffnung am 26.04.2024 um 15:00 Uhr

Dr. Bärbel Sunderbrink

 

An der Outdoor-Galerie an der Bruchmauerstraße stellen die Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Projektes die Ergebnisse ihrer Forschungen vor. Es wird dokumentiert, wie die Flächensanierung und überzogene Straßenplanungen verhindert wurden.

 

Führung Ausstellung Bruchmauerstraße

Dienstag, 18. Juni um 18 Uhr

Dr. Bärbel Sunderbrink

 

 

 

„Ein einfacher Akt der Wiedergutmachung?“ – Die Jüdische Gemeinde Detmold in der Nachkriegszeit

Vortrag von Gudrun Mitschke-Buchholz

am 28. November 2023 im Haus Münsterberg, veranstaltet durch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Im Zentrum dieses Vortrags stand der belastete und problematische Neuanfang jüdischen Lebens in Detmold nach dem Völkermord. Die wenigen, von der Verfolgung schwer gezeichneten jüdischen Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Detmold und Neuankömmlinge aus dem ehemaligen Schlesien mussten sich vielfach gegen Misstrauen und nachhaltige Ressentiments behaupten. Bitter notwendige Unterstützung in vielerlei Hinsicht sowie Anerkennung des erlittenen Unrechts erfolgten durch die deutschen Behörden nur zögerlich und auf unwürdige Weise. Auch die Schaffung eines Gotteshaus stieß auf Widerstände und Schwierigkeiten. Die Neue Synagoge in der Lortzingstraße 3 war im Novemberpogrom niedergebrannt worden und die mittellose Kultusgemeinde ohne Lobby war zu einem Neubau nicht in der Lage, der ohnehin durch die Stadt in Anerkennung ihrer Verantwortung hätte erfolgen müssen. So hielt die neue Jüdische Gemeinde für den Kreis Detmold zunächst ihre Gottesdienste in der Gartenstraße 6 ab, das im NS-Unrechtsstaat zum „Judenhaus“ erklärt worden war und das nun dem „Rest der Geretteten“ gegen Mietzahlung zurückgegeben wurde. Zehn Jahre nach Ende des Krieges konnte die Jüdische Gemeinde ihr religiöses Zentrum in der Allee 13 (neue Zählung 29) errichten, bis sie im Jahr 1970 mit der Gemeinde Herford verschmolz, da sie nur noch aus zehn Mitgliedern bestand. Mit der Abschiedsfeier im Gemeindesaal wurde das Ende der Geschichte einer selbstständigen jüdischen Gemeinde in Detmold begangen, die mit der Unterbrechung von 1942 bis 1946 über Jahrhunderte bestanden hatte.

ERINNERN UND GEDENKEN an den 9.11.1938

In der Stadt Detmold wird eine aktive Erinnerungskultur gelebt. Anlass für Gedenkveranstaltungen sind in jedem Jahr der 9. November, im Gedenken an die Opfer der sogenannten Reichspogromnacht von 1938, und der 27. Januar, der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945.

Veranstaltungen

Donnerstag, 9. November 2023

 

17.30 Uhr Zentrale Gedenkfeier am Platz der 1938 zerstörten Neuen Synagoge an der Lortzingstraße und an der Gedenkstätte Exterstraße Begrüßung Bürgermeister Frank Hilker Gedanken zum 9. November von Pfarrerin Bettina Hanke-Postma, Beauf- tragte für jüdisch-christliche Begegnungen der Lippischen Landeskirche Erinnerung an jüdische Opfer aus Detmold Kranzniederlegung der Evangelischen und Katholischen Jugend Lippe Stiller Gang zur Gedenkstätte Exterstraße Verlesung eines Zeitzeugenberichts über den 9. November 1938 in Detmold mit Schülerinnen und Schülern des Stadtgymnasiums und des Grabbe-Gymnasiums

Kranzniederlegung der Stadt Detmold

Mo 6.11. | Di 7.11., 19.30 Uhr, LWL-Freilichtmuseum Detmold

Dorfgeschichten – Lesung aus dem Roman „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ von Dmitrij Kapitelman mit Ulrich Noethen Deutschland, Ukraine oder Israel: Sowohl Vater als auch Sohn Kapitelman stehen vor der Wahl dreier Länder – doch welches Land ist die Heimat? Vater Leonid hat den ersten Teil seines Lebens in Kiew verbracht, den zweiten in einem Leipziger Russische-Spezialitätenladen. Sohn Dmitrij führt ein Leben in Orientierungslosigkeit. Beide hoffen in Israel auf eine unbekannte Heimat. Karten ab 12 € erhältlich unter www.literaturbuero-owl.de Veranstalter: LWL-Freilichtmuseum | Literaturbüro OWL | Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.


Di 7.11., 11 Uhr, LWL-Freilichtmuseum Detmold
Dorfgeschichten – Schüler:innenlesung aus dem Roman
„Dazwischen: Ich“ von Julya Rabinowich mit Stephan Szász
Nach einer beschwerlichen Flucht vor dem Krieg ist die 15-jährige Madina
in einem Land angekommen, das Sicherheit verspricht. Doch nun muss sie
eine Mittlerrolle einnehmen zwischen ihrer Familie im Flüchtlingsheim und
dem unbekannten Leben außerhalb. „Dazwischen: Ich“ ist eine Fluchtge-
schichte, die vom Fremdsein erzählt, aber auch von Stärke, Freundschaft
und Ankommen.
Karten ab 12 € erhältlich unter www.literaturbuero-owl.de
Veranstalter: LWL-Freilichtmuseum | Literaturbüro OWL | Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit e.V.

 

 

Fr 10.11., 15 Uhr, Bruchmauerstraße
Ausstellung „Jüdische Spuren in Detmold“
Eröffnung der von der Israel AG des Grabbe-Gymnasiums erarbeiteten Aus-
stellung an der Stadtmauer gegenüber der ehemaligen Hofsynagoge im
Beisein von Bürgermeister Frank Hilker.
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.


Di 14.11., 19.30 Uhr, Rathaus Detmold
Lesung mit Alexander Estis, musikalisch umrahmt durch jiddische und
hebräische Lieder, gesungen von Jakow Zelewitsch, Klavierbegleitung
Julia Leitschkis
Alexander Estis, geb. 1986 in einer jüdischen Künstlerfamilie in Moskau,
siedelte mit seinen Eltern nach Hamburg, studierte Sprachen und lebt als
Autor und Journalist in der Schweiz. Jakow Zelewitsch, seit 2003 Kantor der
Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, wurde 1946 in der Ostukraine geboren
und lebt seit 1991 in Deutschland. Seine Tochter, die Lehrerin und Pianistin
Julia Leitschkis, absolvierte ihre Ausbildung an der Musikhochschule Detmold.
Veranstalter: Jüdische Gemeinde Herford-Detmold | Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zu-
sammenarbeit in Lippe e.V. | Forum für Offenes Detmold mit Unterstützung der Stadt Detmold


Mi 15.11., 15 Uhr, Bruchmauerstraße
Öffentliche Führung zur Ausstellung „Jüdische Spuren in Detmold“
mit Dr. Oliver Arnhold, Initiator des Ausstellungsprojekts

 

Di 28.11., 19.30 Uhr, Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38
„Ein einfacher Akt der Wiedergutmachung?“ – Die Jüdische Gemeinde
Detmold in der Nachkriegszeit“, Vortrag von Gudrun Mitschke-Buchholz
Nur wenige Jüdinnen und Juden kehrten nach dem Ende des Krieges nach
Detmold zurück. Mittellos, krank und von der Katastrophe des Völkermordes
gezeichnet, sahen sie sich vielfach Misstrauen und Ressentiments gegen-
über. Der „Rest der Geretteten“ baute zusammen mit schlesischen Jüdinnen
und Juden ein neues Gemeindeleben auf. Der Vortrag geht der schwierigen
Neugründung der Jüdischen Gemeinde nach.
Gudrun Mitschke-Buchholz ist Verfasserin des Detmolder Gedenkbuchs
und ist am Stadtarchiv Detmold tätig.
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.


Do 14.12., 19.30 Uhr, Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38
„Nach der Krise – Wege der jüdischen Gesellschaft in die Neuzeit“,
Vortrag von Dr. Rotraud Ries
Das Mittelalter endete für die Judenschaft im Alten Reich infolge weitreichen-
der Vertreibungen mit einer fundamentalen Krise. Der Vortrag zeigt, wie es
der jüdischen Gesellschaft gelang, sich an die neuen Rahmenbedingungen
anzupassen und jüdisches Leben allmählich und mit großen regionalen
Unterschieden wieder zu entwickeln. Dabei wird auch das Fürstentum Lippe
eine Rolle spielen.
Dr. Rotraud Ries arbeitete im Jüdischen Museum Berlin und leitete das
Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken.
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V

· · · Wenn nicht anders angegeben, ist der Eintritt frei · · ·

Veranstalter: Stadt Detmold. Der Bürgermeister, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Evangelische und Katholische Jugend Lippe

Erinnern und Gedenken
Stadtarchiv Detmold
Dr. Bärbel Sunderbrink
Tel. 05231 766 110
stadtarchiv@detmold.de


Neues Rosenland erschienen

Rechtzeitig zum 75. Geburtstag des Stadtarchivars a.D. Dr. Andreas Ruppert ist eine umfangreiche Festschrift erschienen. Wegbegleiter und Kolleginnen haben ihm einer Sonderausgabe des E-Journals zur lippischen Geschichte „Rosenland“ gewidmet. Gemeinsam mit dem Begründer der innovativen Zeitschrift hat Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink ihn mit der Veröffentlichung überraschen können, an dem sich 16 Autoren beteiligt haben. Andreas Ruppert hat das Stadtarchiv Detmold seit 2000 aufgebaut. Auch über seine Pensionierung 2013 hinweg ist er dem Archiv verbunden. Er hat bei Fragen zur Stadt- und Regionalgeschichte immer ein offenes Ohr und unterstützt bei Übernahmen von Unterlagen von Vereinen und Privatpersonen. In einer kleinen gemeinsamen Feierstunde wurde Dr. Andreas Ruppert eine extra angefertigte, gebundene Ausgabe überreicht. Das Team des Stadtarchivs wünscht ein gutes und produktives neues Lebensjahr!  

Download unter: www.rosenland-lippe.de

Einweihung der Sinalco-Allee zum Tag des offenen Denkmals

Veranstaltungen rund um die Einweihung der Sinalco-Allee in Detmold

Sonntag, 10.September
11:00 bis 18:00 Uhr Rund um die Bahnhofstraße 3

ab 11:00 Uhr Programm auf dem Sinalco Truck
ab 11:30 Uhr Führungen stündlich
ab 12:00 Uhr Familien Rock‘n‘Roll mit KrAWAllo stündlich
12:30/13:30 Uhr „Glücksrad der Artistik“ mit Jens „Sauresani“ Heuwinkel
14:30/15:30 Uhr „Sause mit der Brause“ Daniel Wahren singt Lieder aus der Detmolder Sinalco-Zeit

 

Anschrift

Stadtarchiv Detmold
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
stadtarchivdetmold.LOESCHE_DIES.de
Empfang: Tel. 05231 / 766-0 

Öffnungszeiten des Lesesaals

Mo 8:00-19:00 Uhr
Di, Mi, Do 8:00-16:00 Uhr
Fr 8:00-13:00 Uhr

Bestellung von Archivalien aus den Magazinen

Mo, Di, Mi, Do
9:00, 10:00, 11:00,
12:00, 13:30, 14:30 Uhr

Fr 9:00, 10:00, 11:00,
11:30 Uhr

Beratung

Beratung nach vorheriger Terminabsprache möglich.   

 

Historisch

783: Der Name Detmold wurde als „Theotmalli“ zum ersten Mal in einem Bericht über eine Schlacht zwischen Franken und Sachsen erwähnt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die heutige Stadt Detmold. Das Detmolder Stadtgebiet wurde erst später besiedelt.

Ab 1194: Bau der Falkenburg als erster Sitz der Edelherren zur Lippe auf dem Territorium ihrer sich allmählich verfestigenden Landesherrschaft. Die Höhenburg im Ortsteil Berlebeck war bis zum Brand Mitte des 15. Jahrhunderts ein Zentrum der herrschaftlichen Macht.

Vermutlich verlieh Edelherr Bernhard III. zur Lippe vor 1265 der Siedlung an seiner an der Oberen Werre gelegenen Burg die Stadtrechte.

1305: Älteste erhaltene Urkunde aus Detmold, ausgestellt von den Bürgermeistern und der Bürgerschaft der Stadt „Detmelle“.

1447: Zerstörung Detmolds in der „Soester Fehde“ durch kölnische Truppen. Wenig später wurde die Burg zur stärksten Festung des Landes ausgebaut.

1528 erfolgte die Erhebung der Edelherren zur Lippe zu Grafen.

1538: Im Zuge der sich ausbreitenden Reformation wurden die lippischen Pfarrer in die Detmolder Kirche geladen, um sie in die Regeln des neuen Bekenntnisses einzuweisen.

1547: Dem großen Stadtbrand fielen etwa 70 Gebäude zum Opfer.

Um 1590 hatte Detmold etwa 700 Einwohner.

1605 führte der Calvinist Graf Simon VI. das reformierte Bekenntnis ein.

Zwischen 1653 und 1661 wurden in Detmold 19 Personen unter Verdacht auf Hexerei zum Tod verurteilt.

1789: Die Grafen zur Lippe wurden vom Kaiser zu Fürsten erhoben.

Um 1835 lebten etwa 4000 Menschen in der Stadt Detmold.

Während der Revolution von 1848 forderten Bürger vor dem Schloss demokratische Rechte.

1875: Kaiser Wilhelm I. weihte das Hermannsdenkmal ein. Es soll an die siegreiche Schlacht der einheimischen Cherusker gegen römische Legionen erinnern. Bereits 1838 war der Grundstein für das Denkmal gelegt worden.

1880: Mit der Eröffnung der Strecke nach Herford erhielt Detmold Anschluss an das Eisenbahnnetz.

1895 wurde die Bahnstrecke nach Altenbeken verlängert.

1917 starben 72 Menschen, zumeist jugendliche Arbeiterinnen, bei einem Explosionsunglück in einer Munitionsfabrik, die Rüstungsgüter für den Ersten Weltkrieg herstellte.

Zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Kernstadt von 12.000 auf fast 23.000.

1938 zerstörten Nationalsozialisten die Synagoge. In der Zeit des NS-Regimes wurden mehr als 160 Menschen aus Detmold aus rassischen, religiösen und politischen Gründen ermordet, viele weitere wurden verfolgt.

Als Anfang April 1945 amerikanische Truppen die Stadt einnahmen, endete für Detmold der Zweite Weltkrieg. Wenige Wochen später folgte die britische Rheinarmee als Besatzungsmacht.

1947: Lippe schloss sich nach erfolgreichen Verhandlungen als dritter Landesteil Nordrhein-Westfalen an. Die Stadt wurde Sitz der Bezirksregierung Detmold.

1966: Eröffnung des LWL-Freilichtmuseums auf dem Gelände des ehemaligen fürstlichen Tiergartens.

1970: Bei der Kommunalen Neugliederung schlossen sich 25 Gemeinden mit der Stadt Detmold zusammen. Die Bevölkerungszahl wuchs von 30.000 auf 63.000 an.

1995: Beginn des Abzugs der britischen NATO-Streitkräfte.

2009: Die Ausstellung „Mythos“ klärte 1000 Jahre nach dem Kampfgeschehen über den historischen Hintergrund der Varusschlacht auf.