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Verleihung des Felix-Fechenbach-Preises 2019

Mit dem Felix-Fechenbach-Preis fördert die Felix-Fechenbach-Stiftung kulturelles und soziales Engagement im Sinne des Namensgebers. In diesem Jahr wurde die Autorin des Digitalen Gedenkbuchs für die Opfer des Nationalsozialismus in Detmold, Gudrun Mitschke-Buchholz, auszeichnen. Seit August 2019 ist Gudrun Mitschke-Buchholz Mitarbeiterin des Stadtarchivs Detmold. Das Digitale Gedenkbuch wird maßgeblich von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V. unterstützt.

Die feierliche Verleihung des Preises durch Dr. Dennis Maelzer MDL fand am 28. Oktober 2019 im Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg statt. 60 Gäste aus Politik und Gesellschaft folgten der Ansprache von Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink, die die Bedeutung des Namengebers herausstellte. Gudrun Mitschke-Buchholz erläuterte das Konzept des Gedenkbuches und machte an den Beispielen einzelner Opferbiografien deutlich, wie komplex sich die Recherchen gestalten. Sie appellierte an die Fähigkeit zur Empathie, damit die Einzelschicksale nicht hinter die Masse zurücktreten.   

 

Rede von Gudrun Mitschke-Buchholz

Verleihung Felix-Fechenbach-Preis, 28. Oktober 2019

 

Ich danke der Felix-Fechenbach-Stiftung für die Verleihung dieses Preises und die damit verbundene Unterstützung meiner Arbeit. Und dies umso mehr als die Förderung eines solchen Projektes wie des Detmolder Gedenkbuchs auch ein wichtiges und notwendiges Statement ist.

Diese Arbeit ist nun einmal mehr mit Felix Fechenbach verbunden, geehrt durch den Namen eines der beeindruckendsten und mutigsten Menschen auch dieser Stadt. Denn als im Jahr 2000 bereits die Christlich-Jüdische Gesellschaft mit eben jenem Preis bedacht wurde, floss das Preisgeld in die Erarbeitung des gedruckten Detmolder Gedenkbuches. In den seither fast 20 vergangenen Jahren, in denen die Forschungen und Recherchen stets weitergingen, hat sich dieses Gedenkbuch als grundlegend für die Erinnerungskultur hier vor Ort etabliert. Im Zentrum der öffentlichen Erinnerung stehen in dieser Dokumentation zum größten Teil Menschen jüdischer, aber auch christlicher Religionszugehörigkeit, Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, Nachbarn, Geschäftspartner, Repräsentanten des öffentlichen Lebens sowie politisch Engagierte wie Sozialdemokraten und Kommunisten, die in Detmold geboren wurden und/oder hier gelebt haben. Sie erlebten Diskriminierung, Ausgrenzung, die Zerstörung ihres sozialen Umfeldes, berufliche Benachteiligung bis hin zum Berufsverbot, Verfolgung und Inhaftierung sowie den Verlust der bürgerlichen Rechte. Manche wurden Opfer der Rechtsprechung im NS-Unrechtsstaat. Andere wiederum widersprachen in ihrer Lebensführung den Vorstellungen der Machthaber und wurden als „asozial“ diffamiert. Sie wurden als „Bedrohung des gesunden Volkskörpers“ aus der Gesellschaft ausgeschlossen und der Verfolgung preisgegeben. Gleiches galt für geistig und psychisch Kranke, die in dem „Euthanasie“ genannten Ermordungsprogramm als „lebensunwert“ vernichtet wurden – oder deren Tod durch Unterlassung billigend in Kauf genommen wurde. Sie alle wurden gnadenlos auf den Status eines Nichts herabgewürdigt und in den Kategorien von Untermenschen und Ungeziefer in die Vernichtung geführt. Menschlichkeit, jene elementare Qualität des Menschseins galt für sie nicht mehr.


Bereits bei Drucklegung des Gedenkbuches gab es Vorschläge, dieses doch digital zu präsentieren und – damals! – bereits jenen Paradigmenwechsel vorzunehmen, den wir heute als selbstverständlich und alltäglich uns kaum mehr anders vorstellen können. Nämlich die Form des Buches und den damit verbundene Wertvorstellungen des geschriebenen Wortes zu verlassen und die Erinnerungen an die Ermordeten ins Netz zu stellen. Was für viele (für mich auch!) angesichts des Schicksals jener Menschen zunächst als unangemessen, zu flüchtig und nahezu geschmacklos erschien, ist aus unserer Gegenwart nicht mehr wegzudenken. Die Diskussionen, ob dies der angemessene Umgang und die angemessene Darstellung seien, quasi eine instinktlose Geschmacklosigkeit angesichts ermordeter Menschen, erscheinen heute wie Überlegungen aus sehr fernen Zeiten, über die die mediale Entwicklung schon längst hinweggegangen ist.         
Der Paradigmenwechsel in eine Zeit, die ohne Überlebende auskommen muss, ist nahezu vollzogen. Es gibt in Kürze niemanden mehr, der durch seine bloße Anwesenheit in unserer Welt Zeugnis ablegt. Wir sind nunmehr auf Dokumente angewiesen, die von diesen Verbrechen zeugen, und mit denen wir eine jüngere Generation erreichen wollen und müssen.

Die Vorteile der digitalen Form des Gedenkbuches wiegen schwer: Sie ist unvergleichlich aktueller als die Printform (Korrekturen oder Ergänzungen werden umgehend von mir eingefügt) und unterstreicht einmal mehr den dynamischen und unabgeschlossenen Prozess eines Gedenkbuches. Der Verbreitungsgrad ist ungleich größer und – auch dies ist ein wichtiges Kriterium – dieses Angebot, sich mit den Opfern des sog. Dritten Reiches auseinanderzusetzen, ist kostenfrei.
Die digitale Form erlaubt eine nationale und internationale Vernetzung sowie den Austausch mit Angehörigen, anderen Forschern und Institutionen. So ist dieses Gedenkbuch, das kein Buch im herkömmlichen Sinne mehr ist, viel mehr als ein Gedenken an die Toten. Es ist ein sich wandelndes Abbild des aktuellen Forschungsstandes und, viel wichtiger, des aktuellen Wissens um diese Menschen.  

Die Arbeit an dieser Dokumentation hat sich so grundlegend gewandelt und hat in seiner umfassenden Komplexität kaum mehr etwas mit den Recherchen zu tun, die ich noch vor wenigen Jahren vorgenommen habe. Denn die Dokumente und Unterlagen liegen in fast allen Archiven und Gedenkstätten nun auch in digitaler Form vor. Zahlreiche Datenbanken ermöglichen einen umfassenden, direkten Zugriff auf Informationen und Quellen. Eine herausragende Position nimmt zweifelsohne der Internationale Suchdienst bzw. International Tracing Service in Arolsen, vor kurzem in Arolsen Archives umbenannt, mit seinen etwa 30 Millionen Dokumenten ein.

Vorrangig jene Dokumente aus Arolsen finden sich im Detmolder Gedenkbuch. Sie geben ein offensichtliches, grausames Bild davon, wie die Menschen in den Tod hineinverwaltet wurden. Sie geben ein Bild der nahezu perfekt funktionierenden Bürokratie, die noch mit einer Akribie betrieben wurde, als die zivilisierte Welt, was immer das heißen mag, schon längst kein Bezugrahmen mehr war und mit dieser Hölle nichts mehr zu tun hatte.
Ergänzt wurden die einzelnen Kurzbiografien z. B. auch durch die Detmolder Einwohnermeldekartei, die im Stadtarchiv verwahrt wird. Eine überaus wertvolle Quelle, die nicht nur dokumentiert, wann wer wie lange bei wem wo gelebt hat und wo er oder sie herkam und wohin weiter zog. Es finden sich z. T. auch zusätzliche Hinweise und Notizen, die die staatliche Überwachung des Betreffenden dokumentieren oder darauf hinweisen, dass „beide Großelternteile Volljuden sind“.

Eine systematische Auswertung von Beständen im Landesarchiv wie z. B. der Todeserklärungen oder zu den lippischen jüdischen Gemeinden oder auch noch erst kürzlich aus Düsseldorf nach Detmold gekommenen Entschädigungsakten steht noch aus. „Recherche endet nicht“ (so brachte es Bärbel Sunderbrink vor einiger Zeit auf den Punkt): Es sind auch nach Jahrzehnten der Erinnerungs- und Gedenkarbeit noch nicht alles und alle erfasst. Unsere Hausaufgaben sind noch nicht erledigt.

Auch die Archive in Osteuropa öffneten sich und stellen ebenfalls ihre Dokumente online zu Verfügung. So ist es u. a. möglich, über das Prager Nationalarchiv und die Theresienstädter Initiative an sog. Todesfallanzeigen des Ältestenrates aus diesem Ghetto und Konzentrationslager zu gelangen. Die innere Verwaltung des Ghettos wurde einem sog. Ältestenrat übertragen, der allerdings keine autarke Institution der Juden war, sondern im engen Kontakt mit der SS-Kommandantur deren Befehle auszuführen hatte. So erfahren wir nicht nur persönliche Daten der Menschen, ihre Adresse auch in Theresienstadt, ihre Transportnummer, welche Krankheit beim einzelnen vorlag und woran er oder sie wann, zu welcher Uhrzeit starb. Wir erfahren, dass, um eines der zahlreichen Beispiele zu nennen, Pauline Levy (auch sie gehört zu den bislang noch nicht Dokumentierten) „bereits sterbend eingeliefert“ wurde.

Die Namenlosen erhalten in dieser Dokumentation ihren Namen, zumindest einen Teil ihrer Lebensgeschichte, einen Ort und ein Gesicht: Denn im Detmolder Gedenkbuch finden sich nun nicht nur die wertvollen Dokumente, sondern es finden sich auch Fotos der Betroffenen – auch damit wir uns ein Bild von ihnen machen können. Sie stammen zu einem Teil aus besseren Zeiten aus familiären Nachlässen, und es sind auch Passfotos dabei, die so mancher für seine Auswanderungsersuchen brauchte, und damit für die nur geplante und verzweifelt versuchte Flucht. Insbesondere diese Bilder lassen eine Distanzierung nicht zu, besonders sie machen deutlich, dass es ich um Menschen handelte – um tatsächlich gelebtes Leben.
Und es geht in um unsere Empathie. Ein hohes, vom Aussterben bedrohtes Gut, wie mir scheint. Das Unterfangen, sich ein Mal einem anderen Leben zuzuwenden und zumindest eine zeitlang vom eigenen Ich mit den eigenen Befindlichkeiten abzusehen, ist schwieriger und mühevoller geworden. Bemerkenswerterweise hat mich in den vergangenen Jahren, in denen ich neue, bislang noch nicht ermittelte Personen und deren Lebensweg erforsche, noch niemand gefragt, um wen es sich denn handelt. Die Frage „Wer ist denn das, den Du da gefunden hast?“ blieb bisher aus. Vielmehr höre ich: „Wie viele sind es denn, die noch hinzu kommen?“, und die dann auch auf der Gedenktafel soz. untergebracht werden müssen. Und damit sind diese Menschen wieder nur Zahlen. Dies deutet auf eine Haltung, die wir  uns – so meine ich – nicht leisten können. Auch um unserer selbst willen.

Immer wieder bitte ich Teilnehmer von Stadtrundgängen vor der Gedenktafel, sich einen Namen auszusuchen und mitzunehmen, um dann nachzulesen, wer sie oder er war und was mit ihm oder ihr passiert ist. Bestenfalls entsteht daraus eine Art innere Patenschaft, eine Auseinandersetzung damit, was Verfolgung und Ausgrenzung in einem Leben bedeuten können. Überdruss – „Ach, das hatten wir doch schon hundert Mal in der Schule!“ – und Gleichgültigkeit, so meine Hoffnung, finden dann keinen Platz mehr. Oder nicht mehr so leicht.


Das Detmolder Gedenkbuch bietet eine Fülle von Möglichkeiten und unterschiedliche Zugriffe: Gesucht werden kann über den Namen, den Geburtsort, den Deportationsort und auch über den Ort des Todes, wenn er denn bekannt ist, denn für viele Menschen gibt es dazu keinerlei Angaben. Für sie bleibt nur das vielleicht schon zu oft zitierte „Grab in den Lüften“. Die digitale Version des Detmolder Gedenkbuches ist viel mehr als eine andere Darstellung in einem anderen Medium. Entstanden ist ein ungleich komplexeres Bild. Die umfassende Dokumentation ermöglicht auch eine komplexere Auseinandersetzung, ein Gedenken, das den Leser fordert und ihm viel zumutet. Erinnern und Gedenken aber ist kein Gnadenakt.

Bei aller Begeisterung für die zahlreichen technischen Möglichkeiten, die wir wahrscheinlich noch lange nicht „ausgereizt“ haben, entwickelt sich eine Eigendynamik, die davon abzulenken droht, worüber wir eigentlich handeln. Wer ist es denn eigentlich? Oder besser: Wer war es denn eigentlich, den oder die ich da noch gefunden habe? Oder: Wer ist es denn, der nicht ins Gedenkbuch aufgenommen wird? An der Definition der Opfer, an den Aufnahmekriterien werde ich mich stets abarbeiten, denn es bleibt doch eine Anmaßung von hier und mir aus bestimmen zu wollen, wer Opfer des NS ist und wer nicht.

Da sind z. B. die Brüder Höveler, deren Namen ich (zunächst irreführend in verballhornter Schreibweise) auf der Seite des Holocaust Memorial Museum in Washington gefunden habe. Beide – so dokumentieren die Unterlagen der Arolsen Archives - waren Bibelforscher aus Pivitsheide. Sie beide sind durch mehrere Konzentrationslager gegangen und haben sogar auch Mittelbau-Dora überstanden. Aber (!) sie haben überlebt. Und das ist eines der problematischen Kriterien im Namen der Machbarkeit, dass nur diejenigen aufgenommen werden, die das sog. Dritte Reich nicht überlebt haben. „Diese Menschen [, die nicht genannt werden]“, so wurde unlängst in Hinsicht des Opferbegriffs argumentiert, „werden ein zweites Mal bestraft, weil sie überlebt haben“.

Oder Herbert Levy. Er war Schüler der jüdischen Schule in Detmold. Auch er überlebte –  aber mit einer schwer geschädigten Seele. Er heiratete und gründete eine Familie. Warum der Vater immer wieder wegen seiner psychischen Erkrankung in Kliniken war, wussten seine Töchter nicht. Natürlich, werden Sie zusammen mit mir sagen, ist auch er Opfer!

Heinrich Brackemann, ein Kaufmann ebenfalls aus Pivitsheide, wurde 1943 nach Kriegssonderstrafrecht verurteilt und starb im Zuchthaus Hameln. In Hameln wird er als Opfer der NS-Herrschaft geehrt. Die hier verwahrten Entschädigungsakten dokumentieren allerdings, dass er Mitglied der NSDAP war und den Rang eines Ortsgruppenführers hatte. Ihn habe ich u. a., die ebenfalls Parteimitglieder waren, nicht ins Gedenkbuch aufgenommen.

Wer sind sie denn nun, an die wir erinnern?
Es ist z. B. Anton Braun. Auch seinen Namen fand ich auf der Seite des Holocaust Museum und habe sehr lange recherchiert, bis ich seine Spur fand. Er wurde hier in Detmold als nichtehelicher Sohn einer Artistin geboren, die vielleicht nur auf der Durchreise war. Seine Spur endet 1944 in Auschwitz. Dort wurde er als „nicht arbeitsfähig“ eingestuft und vermutlich im Rahmen der Liquidierung des Zigeunerlagers ermordet. Anton Braun wurde acht Jahre alt.

Hans-Joachim Paulsen litt an Epilepsie und verbrachte ab seinem dritten Lebensjahr lange Zeiten in den unterschiedlichsten Kliniken für Gemüts- und Nervenkranke. Sein Vater war ausgerechnet, möchte man fast sagen, Ausbilder einer SA-Sportschule in Altengrabow und später Stabsfeldwebel in Bremen und versuchte immer wieder, vollkommen unzuträglich und vergeblich, seinen Sohn durch leichte berufliche Tätigkeiten in ein „normales“ Leben außerhalb der Anstalten zu bringen. 1940 beging Hans-Joachim Paulsen als sog. Pflegling in der Arbeiterkolonie „Heimathof“ in Augustdorf zwei Brandstiftungen und wurde durch die Strafkammer des Landgerichts Detmold zu einer Strafe von sechs Jahren Zuchthaus und zu Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre verurteilt. Hans-Joachim Paulsen starb 1944 in dem berüchtigten Arbeitshaus in Vaihingen. Die Häftlinge starben u. a. an Unterernährung, an fehlender medizinischer Versorgung, an den Misshandlungen und dadurch, dass sie ihrem sicheren Sterben einfach preisgegeben wurden.

 

[…] Was unserem Dasein Erhebung und Freude gab, ist uns genommen. Die Beschäftigung mit unserem Beruf ist uns unmöglich gemacht, die Wissenschaften, die wir seit unserer Jugend gepflegt haben, können wir nicht weiter pflegen […] Die meisten Menschen, die uns und denen wir in treuer Freundschaft verbunden waren, sind von uns geschieden. Unsere Pflichten und Ehre und besonders unsere Rechte sind uns geraubt. So hat unser Dasein seinen Wert für uns verloren. […]  Dies schrieb im April 1942 das jüdische Ehepaar Fromme. Hermann Fromme wurde hier in Detmold 1866 geboren und lebte später mit seiner Frau in Halle an der Saale – und hier bekommt diese Geschichte nochmals einen anderen Klang. Zwei Monate später, im Juni 1942, setzten sie gemeinsam durch Gas ihrem Leben ein Ende.

Es ist ungewiss, ob diese Schicksale, die ich beispielhaft für viele mehr – es sind bislang mehr als 30 -  ausgewählt habe,  tatsächlich ihren Weg in die öffentliche Erinnerung nehmen können. An diesem Tag, an dem meine Arbeiten am Detmolder Gedenkbuch dankenswerterweise  mit einem Preis gewürdigt werden, ist es leider fraglich, ob diese Forschungen weitergeführt und in dieser neuen Form auch veröffentlicht werden können. Ein Gedenkbuch braucht einen sehr langen Atem und demzufolge auch eine lange Förderung. Diese gibt es seit geraumer Zeit allerdings nicht mehr. Möglicherweise steht dieses Projekt somit vor dem Aus.
Die gesellschaftspolitischen Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dauern aber – und das brauche ich nicht zu betonen -  bis heute an und haben nichts an Aktualität eingebüßt. Die Zivilgesellschaft bleibt somit zu Aufklärung und Dokumentation verpflichtet.

Denn wenn wir nachlassen oder sogar nachlässig werden, überlassen wir denjenigen das Feld, die eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur fordern und damit eine Wende vom Gedenken zum Totschweigen und Vergessen. Erklärtes Ziel des nationalsozialistischen Terrorregimes war – und ich kann Ihnen und mir die Schärfe der Argumentation auch oder gerade heute nicht ersparen – erklärtes Ziel war,  sog. lebensunwertes Leben nicht nur physisch, sondern auch im Gedächtnis auszulöschen. Die Ermordeten sollten vergessen werden.

In aller Konsequenz hieße das: Wenn wir die Namen dieser Menschen und auch ihre Schicksale nicht nennen und dokumentieren, wäre dieses Ziel erreicht.


Es bleibt in diesem Sinne zu wünschen, dass die Arbeit durch diesen Preis, der einen großen Namen trägt, die Aufmerksamkeit bekommt, die sie benötigt – und dass damit die Menschen, die Opfer zu nennen wir uns angewöhnt haben, einen würdigen Platz im öffentlichen Gedächtnis dieser Stadt erhalten. Die Verantwortung dafür tragen wir.

 

                                                          

Grußwort der Detmolder Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink

Verleihung des Felix-Fechenbach-Preises an Gudrun Mitschke-Buchholz am 28.10.2019

 

Liebe Preisträgerin Gudrun Mitschke-Buchholz, lieber Herr Brinkmann, lieber Herr Dr. Maelzer, sehr geehrte Damen und Herren,

der Preis, der heute verliehen wird, ist Auszeichnung und Verpflichtung gleichermaßen. Er erinnert an einen Mann, der als Regimegegner das erste Todesopfer des nationalsozialistischen Terrors in Lippe war. Am 7. August 1933 wurde Felix Fechenbach von SA- und SS-Männern, die ihn auf dem Weg ins KZ-Dachau begleiten sollten, in einem Wald in Scherfede nahe Warburg hinterrücks ermordet.

Felix Fechenbach hatte seit 1929 in Detmold gelebt. An seinem letzten Wohnort, an dem Ort, an dem er verfolgt und in Haft gesetzt worden ist, begegnet uns Fechenbach als kritischer Journalist, der mit seiner bissigen Kolumne „Nazi-Jüsken“ die Nationalsozialisten scharf angriff. Wegen seiner Berichterstattung beim sozialdemokratischen Volksblatt, aber auch wegen seiner jüdischen Herkunft zog er den Hass der lippischen Nationalsozialisten auf sich. Abgrundtief missachteten sie den Regimegegner, der scharfzüngig und fundiert über ihre Politik aufklärte.

Weniger bekannt ist, dass die Wurzeln dieses Hasses weit vor der Detmolder Zeit liegen. Fechenbach galt den Rechten weit über Lippe hinaus als Symbol der „Systemzeit“ – mit diesem Begriff betitelten die Nationalsozialisten abwertend die Weimarer Demokratie. Der Hass der Rechten auf Fechenbach hatte seine Wurzeln im politischem Wirken als junger Mann im revolutionären München. Die Nationalsozialisten sahen in Fechenbach den „Novemberverbrecher“, der zum Sturz der Monarchie beigetragen und für die ungeliebte Republik gekämpft hatte.

Nichts hat Felix Fechenbach politisch so sehr geprägt, wie diese Revolutionszeit und seine Zusammenarbeit mit dem ersten demokratischen Ministerpräsidenten in Deutschland, Kurt Eisner. Den Nationalsozialisten war das sehr bewusst –doch obwohl Felix Fechenbach wegen seiner Haltung in der Revolutionszeit schon früh staatliche Repressionen erleiden musste, ist diese Phase seines Lebens heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Ich möchte heute einen Bogen von dem frühen Wirken Fechenbachs zur Arbeit der heutigen Preisträgerin Frau Gudrun Mitschke-Buchholz schlagen. Der Grund dafür liegt in dem, was beiden leitend für ihre Arbeit war und ist: der redliche Umgang mit historischen Quellen. Das frühe Wirken Fechenbachs zielte auf das ab, wofür die heutige Preisträgerin geehrt wird: gewissenhaftes Recherchieren, daraus grundlegende Erkenntnisse gewinnen und dies zur Fundierung gesellschaftlicher Haltungen publizieren.

 

Lassen Sie mich dazu weiter ausholen:

Felix Fechenbach, 1894 in Mergentheim als einer von fünf Söhnen geboren, wuchs in einer jüdischen Familie in Würzburg auf. Seine Familie betrieb eine koschere Bäckerei. Die Handwerkerfamilie war nicht wohlhabend; so empfand man weniger eine Trennungslinie zwischen Juden und Nichtjuden, als zwischen den sozialen Schichten. Felix Fechenbach absolvierte eine kaufmännische Lehre in einem Schuhgroßhandel, anschließend ging er als Geselle nach Frankfurt. Dort wendete er sich der Gewerkschaft zu und engagierte sich für die SPD. Ende 1912 wechselte er nach München und war dort als „Hilfsarbeiter“ im Arbeitersekretariat, also in der Gewerkschaftsverwaltung tätig. Bald veröffentlichte er seine ersten journalistischen Arbeiten.

1914 begann der Erste Weltkrieg. Nach kurzem Einsatz an der Westfront kehrte Fechenbach verwundet nach München zurück. Bis zum Kriegsende versah er dort seinen Militärdienst in einem Eisenbahndepot. Fechenbach war ein Mensch mit großer Begeisterungsfähigkeit. Er brachte während der Münchener Kriegsjahre die Arbeiterjugend zusammen, trug aber auch zu deren Radikalisierung bei. Mehr und mehr wendeten sich die jungen Parteigenossen von der Linie der Älteren ab. Sie hinterfragten den sogenannten Burgfrieden, der den Krieg erst möglich gemacht hatte. Mit diesem Burgfrieden war die internationale Solidarität der Arbeiter, für die die SPD programmatisch eingestanden hatte, zu Gunsten nationaler Interessen aufgekündigt worden. Konkret hieß Burgfrieden nach 1914, dass nahezu alle Parlamentarier dem Ersten Weltkrieg zustimmten. Möglich war dies durch eine Umdeutung der Ereignisse, die wir heute mit Fake-News bezeichnen würden: Der Krieg wurde propagandistisch als Verteidigungskrieg deklariert. Die wahren Kriegsziele der deutschen Reichsführung, nämlich massive Expansionsinteressen, waren geflissentlich verschwiegen worden.

Verstanden fühlten sich die Jugendlichen um Felix Fechenbach nicht von der Parteispitze, wohl aber von Kurt Eisner. Eisner war radikaler Pazifist seit ihm klargeworden war, dass die Deutsche Reichsregierung den Krieg über den Zaun gebrochen hatte. Die jungen kritischen Parteimitglieder um Felix Fechenbach freundeten sich mit Kurt Eisner an. Der Altersunterschied spielte für sie keine Rolle. Der regelmäßig tagende Diskussionszirkel der fast noch Jugendlichen hatte etwas von einem revolutionären Thinktank.

Als Anfang November 1918 in Wilhelmshaven und Kiel die Matrosen meuterten und die Arbeiter sich anschlossen, weil sie nicht mehr bereit waren, ihr Leben für einen verlorenen Krieg aufs Spiel zu setzen, verbreitete sich in rasender Geschwindigkeit die Revolution. Noch vor Berlin radikalisierte sich die Situation in München.

Fechenbachs große Stunde kam am 7. November während der entscheidenden Friedenskundgebung auf der Theresienwiese, die als Ausgang der Münchener Revolution gilt. Er hat die Vorgänge später in seiner Eisner-Biografie aufgeschrieben:

„Ganz München war auf den Beinen. Rote Fahnen wehten über den Köpfen, Plakate wurden mitgeführt, und mitten unter einer Gruppe Feldgrauer sah man eine große, weiße Tafel mit der Aufschrift: „Es lebe die Revolution!“ Es war keine alltägliche Kundgebung. Auf den Gesichtern lag Spannung. Man wußte: Heute geschieht Entscheidendes.

[…]

Drei Redner sprachen […]. Dann trete ich vor in Uniform, die rote Fahne in der Hand, erinnere daran, daß die Soldaten in den Kasernen zurückgehalten werden. Und dann: „Soldaten! Auf in die Kasernen! Befreien wir unsere Kameraden! Es lebe die Revolution!“ Das war das Signal. Brausender Jubel setzt ein, und im Sturmschritt geht’s zu den Kasernen, voran die rote Fahne.“

Fechenbach war an diesem entscheidenden Tag also nicht irgendein Mitläufer. Er war es, der die Initiative für den Marsch zu den Kasernen ergriffen hatte. Nun begann Fechenbachs wirkmächtigste Zeit – eine kurze politische Karriere eines gerade einmal 24jährigen. Felix Fechenbach konnte als Privatsekretär des neuen Ministerpräsidenten Eisner sein Organisationstalent ausspielen und war mit großen Befugnissen ausgestattet.

Fechenbach verstand sich nicht nur als Büroleiter; er fungierte auch als Berater des Ministerpräsidenten, der nun auf den unterschiedlichsten Ebenen Politik zu gestalten hatte. Eines lag Fechenbach, wie Kurt Eisner, besonders am Herzen: Die Aufklärung über die Verantwortung der Deutschen am Ersten Weltkrieg. Für sie war klar, dass dieser Krieg nicht, wie es die offizielle Propaganda glauben machen wollte, ein Verteidigungskrieg gewesen war. Dieses einzugestehen, empfanden sie als Grundvoraussetzung für die Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern. In Berlin etwa forderten sie Ende November 1918 auf der Reichskonferenz der Bundesstaaten die Herausgabe amtlicher Unterlagen zur Kriegsschuld – erfolglos.

Während die Regierung Eisner wegen ihrer konsequenten Haltung zur Kriegsschuld hohes Ansehen gewann, wendete sich im Land selbst das Blatt. Die Regierungszeit Eisners endete dramatisch: Eisner wollte von seinem Amt als Ministerpräsident zurücktreten. Auf dem Weg von der Staatskanzlei in den Landtag, wo er seinen Rücktritt verkünden wollte, wurde er am 21. Februar 1919 auf offener Straße von einem völkisch-nationalistischen Studenten erschossen. Fechenbach war wie stets auch bei dem Mord an seiner Seite gewesen und hatte die Tat aus nächster Nähe miterlebt. Es hat ihn zutiefst erschüttert.

Fechenbach verließ München und schlug eine Laufbahn als politischer Journalist ein, doch seine Position als enger Vertrauter Eisners wurde von rechtsgerichteten Kreisen nicht vergessen. 1921 holte Fechenbach seine Vergangenheit ein. Mit einem Artikel des republikfeindlichen Historikers Karl Alexander von Müller in den „Süddeutschen Monatsheften“, einem Blatt, das einen militanten Nationalismus vertrat, begann eine Diffamierungswelle, die Fechenbach mit aller Wucht traf.

Im Oktober 1922 wurde Fechenbach vor dem Volksgericht München wegen Landesverrats angeklagt. Ihm wurde zur Last gelegt, ein diplomatisches Dokument, das sogenannte „Ritter-Telegramm“ an einen Schweizer Journalisten weitergeleitet zu haben. Das Telegramm war deshalb so brisant, weil es belegt, wie Deutschland 1914 den Kriegseintritt diplomatisch vorbereitet hatte. Man hatte sich bei der Kurie vergewissert, dass der Papst den Krieg nicht missbilligen würde. Fechenbach stritt die Weitergabe nicht ab, erklärte aber, er habe im Bewusstsein gehandelt, zur Aufklärung über die Hintergründe der Kriegsauslösung beizutragen.

Was uns heute als berechtigtes Handeln erscheint, nämlich über nachgewiesene Tatsachen aufzuklären, war damals ein Skandal. Die Bevölkerung lebte noch immer in der Gewissheit, dass es ein gerechter Krieg gewesen sei, auf deutscher Seite ein Verteidigungskrieg. Die Festlegung der Kriegsschuld im Versailler Vertrag hat die Menschen nicht zum Nachdenken bewogen, sondern im Gegenteil den Nationalismus unendlich befeuert.

Das Münchener Volksgericht verurteilte Felix Fechenbach nach einem mit Diffamierungen gespickten und an Willkür kaum zu überbietenden Prozess zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Das Volksgericht sprach nicht nur ein fragwürdiges Urteil, es hatte – und das war von weit größerer Brisanz – einen der wichtigsten Protagonisten der Novemberrevolution zu Unrecht kriminalisiert.

Die offensichtliche Verletzung der Rechtsstaatlichkeit bei diesem Prozess ließ die Proteste nicht verstummen. Die Deutsche Liga für Menschenrechte führte Protestversammlungen durch und an einer Unterschriftensammlung für die Freilassung Fechenbachs beteiligten sich 30.000 Menschen. Es sollte dennoch 2 ½ Jahre dauern, ehe Fechenbach durch einen Gnadenerweis aus dem Zuchthaus freikam. Das Urteil des Münchener Volksgerichts gegen Felix Fechenbach wurde erst 1926 durch das Reichsgericht aufgehoben.

 

Meine Damen und Herren,

einen Preis nach Felix Fechenbach zu benennen, meint, sich den Maßstäben eines Mannes zu verpflichten, für den historische Wahrheit ein hohes Gut darstellte. Felix Fechenbach hat für seine Überzeugung, die Hintergründe der Kriegsauslösung offenzulegen, Jahre in Haft gesessen. Seine Verurteilung war einer der größten Justizskandale der Weimarer Zeit. Dass er seine Argumentation stichhaltig belegen konnte, half ihm in einem Justizapparat, der auf dem rechten Auge blind war, nichts.

Sie, liebe Vertreter der Stiftung, zeichnen heute mit dem Felix-Fechenbach-Preis eine Preisträgerin aus, die in einem wesentlichen Punkt mit Felix Fechenbach übereinstimmt: Der akribische Bezug auf historische Belege!

Seit 2017 ist die digitale Fassung des Gedenkbuchs für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold online. Gudrun Mitschke-Buchholz hat dafür 162 Kurzbiographien Detmolder Opfer überarbeitet, die bereits für das Gedenkbuch von 2001 von ihr erforscht worden waren. Zudem hat sie zu zwölf bislang unbekannten Personen das Schicksal klären können. Inzwischen wurden noch weitere Personen ausgemacht, die als Detmolder Bürgerinnen und Bürger oder Detmolder Besucherinnen und Besucher eine Verbindung zur Stadt hatten und die NS-Zeit auf Grund von NS-Terrormaßnahmen nicht überlebt haben. Es ist zu erwarten, dass dieses nicht die letzten Opfer waren.

Kaum jemand kann ermessen, welchen Aufwand es bedeutet, Schicksale verlässlich zu klären. Und darum geht es Gudrun Mitschke-Buchholz bei ihrer Arbeit: Verlässlichkeit. Denn das sind wir den Opfern – deren Spuren die Nationalsozialisten gänzlich auslöschen wollten – schuldig. Es geht darum, Lebens- und Leidenswege freizulegen. Es geht darum, den Menschen, die diskriminiert, deportiert und schließlich ermordet wurden, ein Stück ihrer Würde zurück zu geben. Mit der Dokumentation im Gedenkbuch entreißt Gudrun Mitschke-Buchholz jeden einzelnen dieser Menschen dem Vergessen.

Bis das aber geschehen kann, ist ein langer Weg zurück zu legen. Zwar unterstützen digitale Medien die Recherche, dies ändert aber nichts an der Komplexität der Nachforschungen. Das Bundesarchiv und Yad Vashem in Israel sind zwei der großen Einrichtungen, die auch schon zur Verfügung standen, als das Detmolder Gedenkbuch in gedruckter Form erschien. Seither konnte und kann Gudrun Mitschke-Buchholz zahlreiche neue Quellen heben. – So nennen wir Historiker es, wenn bislang unzugängliche Dokumente ausgewertet werden. Die Unterlagen, alle Hinweise müssen in Zusammenhang gebracht, auf Plausibilität geprüft und historisch korrekt eingeordnet werden. Ein komplexer Vorgang, der viel Wissen um die Verfolgungszusammenhänge erfordert.

Die Arolsen-Archives, früher lediglich eine Anlaufstelle für Angehörige, hat sich als Quellenspeicher zur NS-Verfolgungsgeschichte erst vor wenigen Jahren geöffnet und ist nun eine der wichtigsten Rechercheeinrichtungen auch für Verfolgte aus Detmold. Quellen finden sich zudem auch vor Ort immer neu: in den Beständen des Stadtarchivs wurde die Einwohnerkartei neu geordnet, mit zahlreichen Hinweisen auf Menschen, über deren Aufenthalt in Detmold wir bislang keine Kenntnis hatten. Jüngst wurden Entschädigungsakten von den zuständigen Verwaltungsstellen beim RP Köln an das Landesarchiv abgegeben. Auch hierin finden sich bislang nicht bekannte Hinweise auf Verfolgungsgeschichten.

Neben der systematischen Auswertung dieser hochkomplexen Quellenbestände ist die kollegiale Hilfe eine der wichtigsten Ankerpunkte für die Arbeit. Viele Menschen kommunizieren in einem internationalen Netzwerk miteinander, um zur Klärung von Schicksalen beizutragen, etwa Mitarbeiter von Gedenkstätten und Archiven, Vereinen und Angehörige. Im Zuge der aktuellen Neubewertung erinnerungskultureller Arbeit werden vermehrt professionelle Stellen geschaffen, die solche Recherchen übernehmen.

In Detmold ist es vor allem die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die die Arbeit von Gudrun Mitschke-Buchholz in dem ihr möglichen Rahmen unterstützt. Und Unterstützung tut Not - finanzielle, aber auch ideelle, denn das, worum es in dem Gedenkbuch geht, ist immer Leid, Verlust, Trauer, Tod.

Die Arbeit von Gudrun Mitschke-Buchholz ist Grundlagenforschung und Erinnerungsdienst zugleich. Ihre Arbeit braucht hohe Professionalität, einen langen Atem, hohe Frustrationstoleranz. Sie kann nur gelingen, wenn es ein unterstützendes Umfeld und eine gesellschaftliche Würdigung gibt.

Dass die Arbeit am Gedenkbuch Wirkung entfaltet, beweisen die nahezu täglichen Nachfragen von Angehörigen, von Schülerinnen und Schülern, von Menschen, die Schicksale für andere Orte aufklären wollen. Wir setzen als Stadt Detmold mit diesem Gedenkbuch ein starkes Zeichen: Das Gedenkbuch belegt historische Verbrechen – damit ist jedem Versuch der historischen Umdeutung Vorschub geleistet.

Wir sollten uns bei der Vergabe des Preises sehr bewusst sein, in welchem Namen dieser Verliehen wird: Felix Fechenbach hat für die Verbreitung historischer Wahrheiten jahrelang im Gefängnis gesessen und hat schließlich seine Einstellung mit dem Leben bezahlt. Wer in seinem Namen agiert, hat daher eine hohe Verantwortung zu tragen. Das sind wir ihm schuldig!

Vielen Dank an die Felix-Fechenbach-Stiftung, dass sie mit diesem Preis Menschen wie Gudrun Mitschke-Buchholz auszeichnet, die es als eine gesellschaftliche Verpflichtung sehen, im Sinne des mutigen Revolutionärs für ihre Haltung einzustehen.

Herzlichen Glückwunsch Dir, liebe Gudrun, für diese Auszeichnung und ganz persönlich meine Hochachtung! Das Gedenken an Felix Fechenbach sollte dir Mut und Zuversicht für die längst nicht abgeschlossene Arbeit am Gedenkbuch geben.

Anschrift

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Willi-Hofmann-Straße 2
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Empfang: Tel. 05231 / 766-0 

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