Das Hermannsdenkmal ist nicht nur ein weit ausstrahlendes Nationalsymbol aus dem 19. Jahrhundert – für die Stadt und viele ihrer Bewohner ist es „das“ Symbol, das Orientierung und ein Heimatgefühl bietet.
Schon vor der Grundsteinlegung sammelten Bürger Geld für den Bau des Denkmals und fieberten lange der Fertigstellung entgegen. Als zur Einweihung 1875 der Kaiser zu Besuch kam, putzten sie ihre Häuser aufwendig heraus und engagierten sich im Festkomitee und bei den mehrtägigen Feierlichkeiten.
Plötzlich war Detmold im ganzen Reich bekannt. Die lippische Residenzstadt wusste das zu nutzen, der Tourismus nahm einen enormen Aufschwung. Detmold und die benachbarten Ortschaften profitierten von den Hotel- und Pensionsgästen, aber auch von den unzähligen Tagestouristen. Keine Schulklasse der Region, die Detmold und sein bekanntes Denkmal nicht besucht hätte.
Das Engagement der Bürger zu runden Jubiläen des Monuments war beachtlich: Mit den beliebten Straßenumzügen feierten sie ihr Denkmal und viele Prominente feierten mit. Doch als der übersteigerte Nationalismus in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fragwürdig geworden war, trübte sich die Feststimmung ein.
Bis heute liefert „der Hermann“ Diskussionsstoff: Kann ein Denkmal, dessen Symbolik gegen Frankreich gerichtet ist, zu einem Friedensdenkmal umgedeutet werden? Wird es noch als das politische Symbol wahrgenommen, als das es einst errichtet wurde? Welches Identifikationsangebot bietet es überhaupt noch?
Das Detmolder Stadtarchiv nimmt die besondere Beziehungsgeschichte der Stadt zu „ihrem“ Denkmal in den Blick.
Zum 50. Denkmalsjubiläum legte die Stadt ein goldenes Gästebuch an, in dem sich die Ehrengäste, darunter Mitglieder des Hauses zur Lippe, hohe Beamte und die Familie von Bandel eingetragen haben.
Das Buch wurde zum 75. Jubiläum weitergenutzt. Hohe Repräsentanten des Landes waren 1950 nicht mehr unter den Gästen, die 1950 im Rathaus empfangen wurden.
Hier ein Einblick in das Goldene Buch zum Jubiläum:
Quelle: Stadtarchiv Detmold, D 106 Detmold A Nr. 7464